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„APOSTELGESCHICHTE 2010“1. TeilMit Jänner 2007 starten wir (auch in den „Nachrichten der Pfarre Aspern“) mit einer neuen Bibelserie über die „Apostelgeschichte“. Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn hat der Wiener Erzdiözese das Motto „Apostelgeschichte 2010“ für die nächsten Jahre gegeben: zu überlegen, wie den Menschen unserer Zeit die Frohbotschaft von Jesus Christus nahe gebracht werden kann. Für diese Aufgabe kann es hilfreich sein, die „Apostelgeschichte“ in der Bibel nachzulesen, die vor rund 2000 Jahren verfasst wurde. Wie damals die Botschaft Jesu von Mensch zu Mensch weitergetragen wurde und wie sich in den Städten christliche Gemeinden gebildet haben. Auch wenn uns zwei Jahrtausende von dieser Schrift des Neuen Testaments trennen und dieses Buch in einem ganz anderen Kulturraum entstanden ist, können wir einiges für uns heute lernen. Wir entdecken viele Ähnlichkeiten, wir lesen von Erfolgen aber auch von schweren Konflikten innerhalb der Gemeinden. Der Verfasser schildert, wie es mit der Kirche anfing. Sein Text ist nicht als chronologischer Bericht zu verstehen, sondern als Verkündigungsschrift, die der jungen Kirche Mut machen will, dass ihr trotz mancher Probleme eine gute Zukunft zugesagt ist. Die Apostelgeschichte beschreibt das Wachsen und Ausbreiten der Kirche, er erzählt von Krisen und Verfolgung, aber auch vom großen Engagement und vom Zusammenhalt unter den Christen. Wie und wann entstanden?Der zeitliche Rahmen der Apostelgeschichte sind die dreißig Jahre nach Tod, Auferstehung und Himmelfahrt Jesu. Lukas bietet keine lückenlose Mitteilung dessen, was geschah, vielmehr bringt er Einzelbilder und bedeutende Geschehnisse, die richtungsweisend wurden für das Verstehen der Kirche: die Beschreibung der Urgemeinde in Jerusalem, die Verfolgung der jungen Gemeinde, die Bekehrung eines Paulus, seine Missionsreisen, das Apostelkonzil … Die Apostelgeschichte dürfte nach der Zerstörung Jerusalems (70 n. Chr.) um die Jahre 80 – 90 entstanden sein. Die altkirchliche Überlieferung nennt den Evangelisten Lukas den Verfasser dieser Schrift. Sein Adressat ist ein „hochverehrter Theophilus“ (lat. Amadeus; dt. Gottlieb), ein uns sonst unbekannter Heidenchrist. „So kannst du dich von der Zuverlässigkeit der Lehre überzeugen, in der du unterwiesen wurdest“, schreibt Lukas am Beginn seines Evangeliums (Lk 1,4). Die Apostelgeschichte ist nun die Fortsetzung (Apg 1,1-3). Kapitelweise vorstellenIn den kommenden Monaten wird auf dieser Seite ein Kapitel nach dem anderen kurz vorgestellt. Einige Verse werden abgedruckt, erklärt und kurz kommentiert. MitchristInnen aus der Pfarre werden eingeladen, ihre Meinung und Sicht zu schreiben. Der Leser, der „liebe Theophilus“ sind heute wir Asperner, die wir in dieser Pfarre leben und in unserer Zeit „seine Zeugen sein dürfen ...bis an die Grenzen der Erde.“ (vgl. Apg 1,8).
Pfarrer Georg Stockert 2. TeilNach der Himmelfahrt Jesu kehrten die Apostel vom Ölberg nach Jerusalem zurück und gingen in das Obergemach, ein ihnen wahrscheinlich vertrauter Raum, und verharrten hier, um auch mit Frauen und Brüdern zu beten. Hier zeigt es sich wieder, welcher Trost und welche Kraft vom Gebet ausgeht und wie sehr eine christliche Gemeinschaft stärken und einander tragen kann. Denn die Jünger waren sehr verzweifelt und verunsichert, wie soll es nun ohne Jesus weitergehen. Sie verstanden nicht die Verkündigung Jesu, da sie vor allem von ihm eine politische Veränderung in ihrem Land, die Befreiung von den Römern, erwartet hatten (wie auch wir so oft anderes erwarten). Jesus wollte seine Jünger, seine Nachfolger nicht wie Waisen zurücklassen, sondern hatte ihnen einen Beistand versprochen, den Geist der Wahrheit, den Heiligen Geist, der für immer bei ihnen und in ihnen bleiben soll (Joh 14,16-17) und ihnen helfen soll, Jesu Verkündigung zu verstehen und zu übernehmen und seine Zeugen zu sein bis an die Grenzen der Erde. Wen wählen wir anstelle des Judas? Nun warteten sie in Jerusalem auf die Erfüllung der Verheißung des Geistes und nützten diese Zeit, um einen Nachfolger für Judas zu wählen, der Jesus verraten und danach ein trauriges Ende gefunden hatte. Petrus als der Führende von den Aposteln ergriff das Wort und versuchte, Judas Verrat von der Schrift her, von den Propheten, den Psalmen zu deuten – „es musste sich das Schriftwort erfüllen.“ Die Gemeinde war überzeugt, dass der Kreis der Zwölf wieder hergestellt und ein Nachfolger gewählt werden musste. Die Bedingung dafür war, dass dieser nun mit ihnen gemeinsam Zeuge von Jesu Auferstehung sein musste. Um aber Zeugnis geben zu können, musste ihm auch die Zeit, angefangen von der Taufe Jesu bis zu seiner Himmelfahrt vertraut sein, er musste mit den Jüngern beisammen gewesen sein. Sie wählten Josef und Matthias, beteten zu Gott und ließen das Los entscheiden, um den Willen Gottes zu erkennen. Im alten Israel war das Los ein heiliges und bekanntes Mittel, um den Willen Gottes zu erforschen (zB Spr 16,33). Das Los fiel auf Matthias und er wurde den elf Aposteln zugerechnet. Wahlen in Aspern
Christina Röder 3. TeilNa ja, da war der Stephansdom... oder die Pfarrkirche – dort, wo ich damals gewohnt hab’... und eine Ohrfeige, oder?... und, ach ja, irgendwas mit sieben Gaben, die man auswendig lernen muss... Ähnliche Erinnerungen wie diese hat auch ein gewisser Julius Trattnig in einem Hörspiel von Lene Mayer- Skumanz, das ich gerne in der Firmvorbereitung vorspiele. Dieser Onkel Julius wird von seinem Neffen Martin gebeten, sein Firmpate zu sein, und nimmt das zum Anlass, über seine Firmung nachzudenken und zu überlegen, wie denn der Heilige Geist in seinem Leben wirkt. Und er beschließt, ein Experiment mit dem Heiligen Geist zu machen: „Ich tu’ einfach so, als ob ich deine Gaben hätte, Heiliger Geist. Da werden wir schon sehen, was dabei herauskommt.“ Ein Wagnis? Klingt nicht besonders riskant, oder? Dieser Onkel Julius merkt aber, dass es nicht nur Vorteile bringt, wenn man Rücksicht auf Kollegen nimmt, wenn man sich für eine Mitarbeiterin einsetzt, wenn man ehrlich ist und nicht nur auf den eigenen Vorteil bedacht. Und doch: letztlich lohnt es sich, letztlich bekommt er den Dank und die Anerkennung eines Kollegen, der ihn bis jetzt immer geschnitten hat, und zusätzlich noch einen Tipp für ein Gasthaus für das Firmessen. Er kommt also drauf, dass er diesen Geist auch im Alltag recht gut gebrauchen kann – ohne gleich in „Zungenrede“ auszubrechen, wie die Apostel zu Pfingsten. Vielleicht kommt es in unserem Alltag einfach auf einen Versuch an? Vielleicht müssen wir uns auch auf ein Experiment mit dem Heiligen Geist einlassen? Vielleicht haben wir die „Sieben Gaben“ ja bekommen und nie benützt? Vielleicht versuchen wir es einmal mit Einsicht, mit Zivilcourage oder mit Respekt und Ehrfurcht vor dem, was uns und anderen heilig ist? Vielleicht ist es gar nicht so schwer, als Gefirmte, als Be-Geisterte „Gottes große Taten zu verkünden“?
Markus Pories P.S.: Bei der Firmung hat der Bischof auch für Sie um die „Sieben Gaben des Heiligen Geistes“ gebetet: „...Gib ihnen den Geist der Weisheit und der Einsicht, des Rates, der Erkenntnis und der Stärke, den Geist der Frömmigkeit und der Ehrfurcht vor Gott.“ PPS: Eine Ohrfeige gibt es bei der Firmung seit 1972 nicht mehr. 4. TeilDas Pfingstfest, von dem im 2. Kapitel die Apostelgschichte erzählte, brachte der noch kleinen Schar der Jesusanhänger eine riesige Wende. Von ersten Bekehrungen wird erzählt, große Scharen lassen sich auf den Namen Jesu taufen. Die junge Gemeinde wirkt anziehend und ist beliebt unter den Menschen der Stadt Jerusalem. Es geschehen Zeichen und Wunder. Von einer wundersamen Begegnung mit einem Gelähmten und seiner Heilung wird im 3. Kapitel erzählt:
In unserer heutigen Gesellschaft finden wir jedoch immer öfters Menschen, die nicht körperlich krank oder im materiellen Sinne arm sind. Vielmehr sind sie seelisch erkrankt oder auch nur einsam, die von uns Zeit, Liebe und Zuneigung erwarten. Wenn der Hilfesuchende Gott vertrauend bereit ist, sich helfen zu lassen und wir nicht wegblicken, sondern viel mehr diese drei Dinge verschenken, ist es möglich, dass der eine oder andere genauso wie der Gelähmte im Tempel wieder herumspringen kann. Er wird Gott loben für seine Gnade, die er durch dich, mich, uns erfahren hat. Die Menschenmenge ist außer sich über die Heilung des gelähmten Mannes an der Tempelpforte. Petrus nützt die Gelegenheit, das Wunder zu deuten und über die Auferstehung Jesu zu predigen.
Petrus hält uns jedoch auch vor Augen, dass wir alle Sünder sind. Menschen mit Fehlern, die auch irren können. Teils aus Unwissenheit und leider auch oft aus Berechnung. Menschen, die sich von falschen Führern, den Medien oder vom Konsumzwang verleiten lassen. Immer wieder werden wir auf die Probe gestellt. Wir sind jedoch aufgerufen, aus unseren Fehlern zu lernen. Schöpfen wir Kraft aus der Heiligen Schrift und hören wir auf die Propheten. Stärken wir uns mit unseren Gebeten und freuen wir uns über das Wissen, dass Jesus für jeden von uns geboren, gestorben und auferstanden ist! Gerade jetzt in der Fasten- und Osterzeit ist Gelegenheit für eine Wegkorrektur. Nutzen wir diese österliche Zeit als Gnadenzeit und ergreifen wir die Gelegenheit umzukehren, Buße zu tun und in unserem Leben etwas zu verändern. Gerhard Spandl 5. TeilJesus ist nicht mehr bei den Aposteln, aber was er gelehrt und gelebt hat, lebt in der christlichen Urgemeinde weiter. Petrus und Johannes müssen sich vor dem Hohen Rat verantworten, warum und wie sie den Gelähmten geheilt haben.
Natürlich geht es in diesen Worten in erster Linie um die Verkündigung der Frohbotschaft. Aber da ist eine Kraft spürbar, die die Apostel im Namen Jesu außergewöhnliche Dinge tun lässt. Diese Kraft und das tiefe Vertrauen auf das, was im Namen Gottes möglich ist, zieht sich wie ein roter Faden durch die ganze Kirchengeschichte. Sie wird immer wieder sichtbar und spürbar in Menschen, die sich an den Werten und Haltungen orientieren, die Jesus uns vorgelebt hat. Franz von Assisi, Dieter Bonhoeffer, Mutter Teresa, Martin Luther… sind herausragende Beispiele dafür, was Menschen aus dieser Einstellung heraus bewirken können. Und es gab und gibt auch heute viele, die Tag für Tag aus diesem tiefen Gottvertrauen heraus viel Gutes bewirken. An einer anderen Stelle im 4. Kapitel heißt es:
Ein Herz und eine Seele, alles gehört allen, keiner leidet Not,… Da hat der Evangelist Lukas wohl einen Idealzustand geschildert. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die christliche Urgemeinde aus lauter perfekten Menschen bestand. Sie waren (hoffentlich) nicht immer einer Meinung. Aber vielleicht haben sich die Menschen damals mehr bemüht, auch andere Ansichten gelten zu lassen und haben erkannt, dass unterschiedliche Meinungen nicht unbedingt Fronten verhärten, sondern auch neue Perspektiven eröffnen können. In der Gemeinde der Urchristen gab es keinen, der Not litt. Damals mussten die Witwen, Alten und Kranken versorgt werden. Viele dieser Aufgaben hat in unserer Gesellschaft der Staat übernommen, trotzdem stehen noch immer Menschen am Rand unserer Gesellschaft und wenn wir nicht blind durch die Welt gehen, bieten sich täglich Möglichkeiten, Not zu vermindern. Was ich von diesem Text behalten möchte? Mit ein bisschen mehr Gottvertrauen und einer Orientierung an Jesus und seiner Sache können wir uns Einiges zutrauen und dem Idealbild der christlichen Urgemeinde ein Stück näher kommen. Christine Scholz 6. TeilDie Apostelgeschichte ist ein Zeugnis aus der kraftvollen Frühzeit der Kirche: Der Geist Gottes ist in seinem Wirken spürbar, leibhaft, nicht bloß als Idee! Dass die einen tot umfallen, dass andere geheilt werden, dass Gefangene aus dem Kerker entkommen: Gott macht´s, ohne dass ein Mensch auch nur „einen Finger rührt“. Was die Menschen tun müssen? Nur eines: durchlässig sein für die Kraft von oben! Zwei Themen aus diesem Kapitel 5 können auch heute uns ChristInnen bewegen: „Sie hatten alles gemeinsam, ... jedem wurde so viel zugeteilt, wie er nötig hatte“, dieses Ideal steht auch am Beginn des 5. Kapitels (1-11).
Erzählt wird von einem Ehepaar, das dem Ideal der Gütergemeinschaft gerne nachkommen möchte, aber sie schaffen es nicht, sie behalten etwas von einem Grundstücksverkauf zurück. Nicht ihr Bedürfnis, ihren Besitz oder wenigstens etwas davon zu behalten, wird als Problem gesehen, sondern, dass sie im heimlichen Zurückbehalten sich selbst, der Gemeinde, letztlich Gott etwas vormachen und alle belügen. In der Spannung zwischen Ideal und (allzu) menschlichem Bedürfnis, so sagt der Text, muss niemand sich selbst Gewalt antun, es ist besser, sich Zeit zu geben, auf das Ideal hin zu wachsen. Jene, denen wir die Mühe, aber auch die Sehnsucht des Weges und des Wachstums ansehen können, sind wohl die glaubwürdigeren, weil „menschlicheren“ ZeugInnen. Eine „frohe Botschaft“ für alle, die gerne großherzig, bereit zum Dienen und zum Verzeihen, freigiebig, „selbstlos“ engagiert sein wollen - und immer mehr werden können! Im persönlichen Leben, aber auch in unseren Gemeinschaften und in der Pfarre stehen oft Entscheidungen an oder müssen Bewertungen vorgenommen werden: Was sollen wir tun, in welche Richtung soll sich ein Projekt ... entwickeln? Vielstimmig sind die Meinungen, auf allen Seiten gibt es Vorlieben und Vorbehalte, Interessen, Eigenwilligkeiten und Blockaden. Oft sind wir unfähig, uns von der eigenen Voreinstellung zu lösen, „Objektivität“ ist nicht zu haben. Wie können wir also vorgehen? Für ChristInnen geht es zudem ja darum, Gottes Willen zu erkennen und zu tun, nicht nur die eigenen (geistlichen) Steckenpferde zu reiten.
In Apg 5,18-42 wird geschildert, wie die Apostel predigen und heilen, und wie die religiösen Machthaber mit allen Mitteln (Predigtverbot, Gefängnis, Verhör, Folter und Todesbeschluss) versuchen, ihr Tun zu stoppen. Doch keine Maßnahme hilft, sie sind nicht zum Schweigen zu bringen! Das lässt in dem frommen Rabbi Gamaliel den Gedanken aufkommen, man könnte es hier möglicherweise doch mit Gottes Werk zu tun haben. Er nennt einen Grundsatz, der sich schon in der Geschichte oft bewahrheitet hat: Menschenwerk ist vergänglich und zerstörbar, ein Vorhaben aber hinter dem Gott steht, das seinem Willen entspricht, wird sich durchsetzen. Es ist also Vorsicht geboten, denn man könnte in Gefahr geraten, als Feind Gottes dazustehen! Diese Unterscheidungsregel finden wir ganz ähnlich in Jesu Worten, die die Evangelien uns überliefern: Von der Geduld, die Weizen und Unkraut zusammen wachsen lässt (Mt 13,24-30), und von den guten Früchten (Mt 7,17-19), die an einem guten Baum zu finden sind. Mag. Christa Steiner 7. Teil
Eine spannende Geschichte, diese Apostelgeschichte des Lukas. Spannend erzählt sie die Entstehung und Anfangszeit des Christentums vor fast 2000 Jahren. Und doch sind die Inhalte hoch aktuell. Besonders dieser Abschnitt am Beginn des 6. Kapitels. Da gibt es die Anhänger Jesu in Jerusalem, aber es sind anscheinend zwei Gruppen: Die Hebräer sind die einheimischen Juden, leben schon immer in Palästina, sprechen aramäisch und lesen in ihren Synagogen die heiligen Schriften auf hebräisch. Dann gibt es da die Hellenisten, Juden, die außerhalb Palästinas gelebt haben, griechisch sprechen und griechisch gebildet sind (kulturell das Nonplusultra in der damaligen Zeit und Welt). Es sind also im Prinzip Ausländer, Fremde und - obwohl Juden - feiern sie ihre Gottesdienste in eigenen Synagogen. Sowohl unter den Hebräern als auch unter den Hellenisten finden sich also Freunde Jesu. Und sie leben in dieser christlichen Urgemeinde zusammen. Da fangen aber diese Hellenisten, diese Ausländer, auf einmal an sich zu beschweren. Sie werden benachteiligt. Also die kommen so einfach daher und nehmen sich Rechte heraus. Ja geht denn das? Nein, das geht nicht - zumindest nicht ohne sicherlich heftige Diskussionen. So war das eben, damals vor langer Zeit - heute sind wir ja viel zivilisierter. Diese Unstimmigkeiten führen jedenfalls dazu, dass die Zwölf einschreiten. Sie rufen alle zusammen und erklären zunächst, dass sie sich nicht um diese Dinge kümmern können. Sie sind für Gebet und Glaubensunterweisung zuständig. Aber sie rufen die Gemeinde auf: Wählt! Wählen ist zwar nicht ganz unbekannt zu dieser Zeit, die Wiege der Demokratie steht bekanntlich im antiken Griechenland. Trotzdem ist das ein ungeheurer Vorschlag. Und er wird mit Begeisterung angenommen. Die Apostel geben aber auch die Richtung vor: guter Ruf, voll Geist und Weisheit. Wer wählt, der trägt auch Mitverantwortung. Neben der Wahl von Personen wird damit oft auch eine Richtung gewählt, in die sich die Gemeinde entwickeln wird. Heute sind Wahlen für uns selbstverständlich. Rufen sie noch Begeisterung hervor? Oder sind sie lästig?. Sind wir uns bewusst, welch kostbares Gut wir damit haben? Die Gemeinde wählt, die Apostel übertragen die Aufgaben im Gebt und durch Auflegen der Hände. Die gewählten Männer tragen Verantwortung und müssen das Vertrauen rechtfertigen. Sie können aber ihrerseits auf den Segen Gottes für ihren Dienst vertrauen. Letzteres ist etwas, was in unserer Zeit leider immer mehr verloren geht. Der Segen Gottes für das eigene Leben gilt immer mehr als verzichtbar. Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein erfahren Steigerungen, die im Egoismus gipfeln. Dieser lässt keinen Platz mehr für Mitmenschen und schon gar nicht für Gott. Die ganze Gemeinde wählt, also Hellenisten und Hebräer. Und sie wählen sieben Männer mit griechischen Namen, also Hellenisten, eben diese Ausländer, für diesen Dienst. Die hellenistischen Christen erhalten damit eine eigene Organisationsstruktur. Diese Eigenständigkeit führt aber nicht zur Trennung sondern zu dem einen Leib mit den vielen Gliedern, den Paulus in seinem Brief an die Gemeinde in Korinth erwähnt (1 Kor 12). Könnte diese Vorgangsweise auch ein Vorbild für unsere Zeit sein? Gibt esüberhaupt solche Probleme bei uns? In der Familie? In der Pfarre? In unserer Stadt? Mitsprache und Eigenständigkeit für diese "Anderen". Welche Auswirkungen hätte das? Vielleicht gibt der letzte Vers eine Antwort:„Und das Wort Gottes breitete sich aus …” Christian Schweitzer, 8. TeilDas erfolgreiche Auftreten des Diakon Stephanus - „... voll Gnade und Kraft, tat Wunder und große Zeichen unter dem Volk“ (Apg 6,8) - ereifert und erregt die Feinde der urchristlichen Gemeinde in Jerusalem. Deshalb ergreift man den Diakon und schleppt ihn – wie einst Jesus – vor den Hohen Rat. In einer langen Rede verteidigt Stephanus sein Tun. Er zitiert in diesem 7. Kapitel der Apostelgeschichte das Alte Testament und kommt auf jene bekannte Geschichte zu sprechen: wie das so mit Moses war und seinem Mord an dem Ägypter, der Unrecht getan hatte.
Das Davonlaufen vor der eigenen Verantwortung, vor dem, was wir einmal versprochen haben, kennen wir. Auch Moses war nicht davor gefeit. Vielleicht durfte er deshalb das Gelobte Land nicht betreten?
Wenn Stephanus in seiner Todesstunde sagt: „Ich sehe den Himmel offen“, dann ist das wie ein Bekenntnis zum Gelobten Land. Moses hat es nie betreten, Stephanus erfährt es im eschatologischen Blick ins Jenseits durch die Gnade Jesu Christi. Was aber kann uns heute diese Bibelstelle sagen? Es ist recht einfach und doch schwierig zu leben: da wird jemand ermordet wegen seines Glaubens. Natürlich: Caligula und Nero sind längst tot, und die beliebten Spiele in Rom längst Vergangenheit. Sind sie das wirklich? Wie viele Christen werden heutzutage wegen ihres Glaubens verfolgt? Warum wurde ein Erzbischof Romero ermordet? Weil er sich für die Armen eingesetzt hat! Das hat nicht in das Konzept der führenden Schicht gepasst. Wie auch Jesus nicht in die Regie der Hohenpriester gepasst hat. Stephanus ist nicht wie Moses davon gelaufen, er hat uns den offenen Himmel gezeigt. Wir, die wir gottlob weder am Scheiterhaufen verbrannt, noch gesteinigt werden, können nur danach trachten, diesen offenen Himmel, der unsübrigens jeden Tag in unseren Mitmenschen begegnen kann, immer mehr anzustreben. Für uns Christen in Österreich ist es heute zwar nicht lebensgefährlich, sich zum Glauben an den dreifaltigen Gott zu bekennen, aber dennoch nicht einfach. Man wird oft belächelt, wenn man dazu steht, regelmäßig zum Gottesdienst zu gehen, zu beten, die Sakramente zu empfangen. Das Bekenntnis zum Glauben erfordert in der säkularisierten Welt Mut. Stephanus hatte diesen Mut. Diesen Mut wünsche ich uns allen, in der Familie, am Arbeitsplatz und in der Gesellschaft! Gerhard Schmiedpeter 9. TeilNach der Steinigung des Stephanus (Apg 7,54-8,1 a – in der Oktoberausgabe kommentiert) wurde die Gemeinde in Jerusalem verfolgt und zerstreut. Nur die Apostel konnten in Jerusalem bleiben (Apg 8,1 b-3). Die brutale Verfolgung und Zerstreuung der jungen Gemeinde führte aber zur Gründung von Gemeinden bis weit außerhalb von Jerusalem. Misserfolge können zum guten Boden werden, Neues zu wagen und einen Neuanfang zu beginnen. Neue Lebensräume öffnen neue Glaubensräume. So erzählt Apg 8,4-13 von Philippus, der als Missionar in Samaria wirkt und dort tauft. Unter den Getauften war auch ein gewisser Simon, der mit Zauberei sein Unwesen trieb (Apg 8,4-13). Der Name Simon weist darauf hin, dass er Jude war. Danach wird Philippus auf Weisung eines Engels zu einem Äthiopier, einem Hofbeamten der äthiopischen Königin, geschickt, der zum Gebet in Jerusalem und nun in der Nähe der Stadt Gaza auf dem Heimweg war (Apg 8,26-40). Der Hofbeamte las gerade den Propheten Jesaja. Philippus fragte ihn, ob er denn auch verstehe, was er da liest, was der Äthiopier mit dem Hinweis verneinte, dass ihm keiner das Gelesene erklärte. Nachdem ihm Philippus eines der sogenannten Knecht-Gottes-Lieder aus dem Prophetenbuch (Jes 53,7f) auf Jesus hin ausgelegt hatte, bat der Kämmerer den Philippus um die Taufe.
Im Kommentar zu dieser Apostelgeschichte schreibt Dr. Wolfgang Müller, der Sprecher der österreichischen Pfarrgemeinderatsreferentlnnen: „Was auch dazwischen kommt, hilft mitten im Scheitern, das Evangelium zu verbreiten. Die Botschaft überspringt alle Grenzen. Sorglos wird verkündet und weitergezogen, das Weitere bleibt Gott überlassen. Manchmal ein Besuch, ein Brief. Es entstehen Gemeinschaften. Sie hören gemeinsam auf die Botschaft, beten und brechen das Brot (vgl. Apg 2,42) – miteinander in der Eucharistie, für andere im caritativen Dienst. Die Geschichte geht weiter, weil das Evangelium weitergeht. Von Generation zu Generation und von Mensch zu Mensch. Es gibt Lebensräumen neue Gestalt und öffnet unerwartete Räume des Glaubens. Menschengeschichten sind Gottesgeschichten. Gott ereignet sich heute. Fürchte Dich nicht.“ Angeregt durch diesen Kommentar und die Erfahrungen der Urkirche wollen wir im Pfarrgemeinderat – von Sitzung zu Sitzung - unsere Apostelgeschichte weiterschreiben. Georg Stockert
10. Teil
Saulus war ein hochgebildeter, gesetzestreuer Jude und ein äußerst strenger Verfechter des mosaischen Gesetzes, verantwortlich für die Sicherheit in Jerusalem. Er war zugleich jüdischer Abstammung und Bürger des Römischen Reiches, ein privilegierter Jude also. Zudem schien er sich bestens in der hellenistischen Kultur und im hellenistischen Denken auszukennen. Saulus wird in der Bibel zum ersten Mal bei der Steinigung des Stephanus erwähnt. Weil Stephanus ein Anhänger der neuen Lehre des Jesus von Nazareth war, wurde er deswegen zu Tode gesteinigt. Saulus, der bei der Steinigung anwesend war, fand diesen Mord in Ordnung. Er wurde ein fanatischer Verfolger der christlich gewordenen Juden. In einer seiner späteren Reden bekennt er, dass er Männer und Frauen gefangen nahm und den Kerkern überlieferte (Apg 22, 4-6). Er war überzeugt, er müsste gegen Jesus und seine Anhänger radikal und mit allen ihm gebotenen Mitteln vorgehen. Er bekam dazu die Vollmacht der jüdischen Führung; es war ein umfassender Versuch seinerseits aus Sensationsgier und Machtbedürfnis sowie auch seitens der jüdischen Behörden) dieses sich entwickelnde Christentum in seiner Anfangsphase zu unterdrücken und auszulöschen. Saulus war williges Werkzeug. Die junge christliche Kirche war in arger Bedrängnis. Dann geschah etwas Unfassbares:
Diese Umkehr auf dem Weg nach Damaskus wurde zum Sinnbild menschlicher Wandlung. Ist es nicht auch bei uns oft so, dass wir uns auf etwas versteifen, in eine Idee verrennen, nicht bereit sind auf die innere Stimme zu hören, besonders dann, wenn diese „unbequem“ ist? Sind wir nicht oft blind für Gott und meinen, dass wir keinen Glauben benötigen; dass Geld, Macht und Ansehen unser Leben bestimmen? Sind wir nicht auch blind unseren Mitmenschen gegenüber, erkennen oft die seelische Not und Verzweiflung nicht, in der sie sich befinden? Jetzt ist Saulus blind und hilflos. Er ist zum Hilfesuchenden geworden. Durch die Begegnung mit Jesus wurde Saulus die Liebe und Barmherzigkeit Gottes bewusst. So wurde er von seinem Christenverfolgungswahn geheilt und zum glühendsten Verkünder der gewaltlosen und froh machenden Botschaft Jesu. Wie ist das mit uns? Sind wir nicht auch Hilfesuchende? Sind wir bereit, durch Gebet, durch Nachdenken über unseren Glauben, durch den Austausch unserer Glaubenserfahrungen untereinander unsere Beziehung zu Gott zu vertiefen und dadurch Gottes Hilfe für unsere täglichen Entscheidungen zu erkennen und anzunehmen? Saulus - nach seinem „Damaskuserlebnis“ in der Apostelgeschichte nun Paulus genannt - wird als hervorragender Verkünder der Lehre Jesus angesehen. Er ist eine der einflussreichsten und schillerndsten Gestalten der Kirche. Er wurde zum Apostel der Völker, der dem geographisch zuerst noch auf Judäa, Samaria und Galiläa beschränkten jungen Christentum entscheidend zu seiner Verbreitung in die damalige Welt des Mittelmeerraums verhalf. Zur Erinnerung an Paulus hat Papst Benedikt XVI. ein Paulusjahr ausgerufen. Es soll am 28. Juni 2008 beginnen. Herta Jones 11. Teil
Mit dem Hauptmann Kornelius und Simon Petrus begegnen wir in diesem Kapitel zwei Personen, die unter normalen Umständen nie aufeinander getroffen wären. Der eine, Kornelius, zwar fromm und gottesfürchtig, aber eben kein Jude, ein Heide, unrein, ein Fremder, einer, zu dem man als Jude eigentlich keinen Kontakt aufnimmt. Und dann Simon Petrus. Fischer, Jünger Jesu, für Jesus gleich mit dem Schwert zur Stelle, Wortführer der jungen jüdisch-christlichen Gemeinde in Jerusalem. Die beiden hätten einander vermutlich nie getroffen, wenn sie nicht diese Visionen gehabt hätten, von denen hier berichtet wird. Zum Thema Visionen habe ich mich schon mit vielen Leuten unterhalten. Und wenn man diese Bibelstelle liest, bleibt man wohl beim Begriff der Vision hängen, denn ganz selbstverständlich und klar ist es nicht, dass man Visionen hat, dass einem der Geist Gottes einen Weg weist. Aber es muss ja auch nicht so eindeutig sein wie hier. Es kann vielleicht auch nur ein ganz feiner Gedanke sein, der uns in einer Situation kommt und uns nicht mehr loslässt, bis wir ihn als das identifizieren, was er eventuell sein kann: eine Anregung, ein Hinweis. Sowohl für Kornelius wie für Simon Petrus keine einfache Sache. Aber offenbar für beide ein intensives Erlebnis. Ein Engel des Herrn, also der Herr selbst, ist es, der dieses Treffen anbahnt. Er fordert Kornelius dazu auf, Simon Petrus in sein Haus einzuladen und sich anzuhören, was dieser zu sagen hat. Ohne zu zögern kommt Kornelius dieser Aufforderung nach und schickt seine Sklaven nach Joppe, um Simon Petrus zu holen. Keine Minute kommen ihm Zweifel. Simon Petrus sieht zur gleichen Zeit während eines Gebetes eine Schale mit Speisen, die bei den Juden als unheilig und unrein gelten, auf sich zukommen. Er ist zuerst schockiert und weigert sich, davon zu essen. Da erklärt ihm die Stimme: „Was Gott für rein erklärt, nenne du nicht unrein.“ So wird er auf sein Treffen mit Kornelius vorbereitet und erfährt, dass Gott nichts von der Unterscheidung rein und unrein, heilig und unheilig, also Juden und Heiden hält. War er bislang davon überzeugt, dass die Heilsbotschaft nur für Juden gilt, sah er nun keinen Grund, den von Kornelius gesandten Männern nicht in dessen Haus zu folgen. Bald darauf sitzt Simon Petrus mit Kornelius, dessen Verwandten und nächsten Freunden in dem Haus zusammen, das er bis vor kurzem gar nicht betreten hätte und wird gebeten, ihnen alles zu erzählen, was ihm von Gott aufgetragen worden ist. Und er beginnt zu reden, fasst in wenigen Worten den Kern des christlichen Glaubens zusammen und berichtet von Jesu Leben, Kreuzigung und Auferstehung ... Und als dann der Heilige Geist auf alle herabkommt - auf alle - auch auf die Heiden! - ist klar: Entscheidend ist nicht die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Volk, hier die Juden, sondern der Glaube an Jesus Christus. So werden vielleicht einmal, dieser Bibelstelle folgend, die Trennwände zwischen den christlichen Kirchen fallen, weil keiner, der an Jesus Christus glaubt, anderen, die dies ebenso tun, die Gemeinschaft verweigern kann, ja, vielleicht werden einmal alle Trennwände fallen. Petrus erkennt, dass alle Menschen jeglicher Rasse, Kultur oder Volkes, die Gott fürchten und das Richtige tun, die Taufe erfahren dürfen und ordnet an, dass Kornelius, seine Verwandten und seine Freunde im Namen Jesu Christi getauft werden sollen. Wenn man bedenkt, wann Petrus diese Erkenntnis hatte, könnte man sich fragen, was bis heute, rund 2000 Jahre später, geschehen ist. Die Trennwände sind nicht gefallen, haben sie wenigstens Risse bekommen? Josef Stribrny 12. TeilDie Taufe des heidnischen Hauptmanns Kornelius hat einige Aufregung in der Jerusalemer Gemeinde erzeugt. Simon Petrus aber kann die erregten Gemüter beruhigen: Gott hat den Heiden die „Umkehr zum Leben” geschenkt. Nach der Verfolgung und dem Tod des Stephanus macht die Kirche einen entscheidenden Schritt in die Welt der Heiden. Die Missionare kommen auf ihren Wegen bis nach Phönizien, Zypern und Antiochia. Trotz Verfolgung wächst die Kirche. Eine besondere Rolle spielt die Stadt Antiochien in Syrien. Aus dieser drittgrößten Stadt des römischen Reiches, die wirtschaftliche, kulturelle und religiöse Bedeutung erlangte, stammt der Überlieferung nach Lukas, der Verfasser der Apostelgeschichte. Hier in Antiochia entsteht die erste heidenchristliche Gemeinde. Sie wird dann auch Ausgangspunkt für Barnabas und Paulus, die von dort für ihre Missionsreisen quer durch den Mittelmeerraum ausgesandt werden. (Apg 13,1-3). Wer ist Barnabas? Er ist ein Christ aus Zypern, der von der Jerusalemer Gemeinde nach Antiochia gesandt wird. Dort sieht er, wie Gottes Geist in dieser jungen Gemeinde am Werk ist, er erlebt eine lebendige und dynamische Kirche.
Neue Mitarbeiter werden nun gesucht. Barnabas erinnert sich an Saulus. Wahrscheinlich hat er ihn aus den Augen verloren. Weil aber zwischen den beiden Männern eine gute Freundschaft besteht, beginnt er ihn zu suchen und er findet ihn in Tarsus, in seiner Heimatstadt. Der Geist, der die Kirche lenkt, bedient sich der persönlichen Bindungen des Menschen zum Wohl des Ganzen. Zum ersten Mal werden die Jünger Jesu in Antiochia „Christen” genannt. Und der Name wird zum Symbol für die Menschen, deren Heil in Jesus Christus liegt. Als eine große Hungersnot hereinbricht, beschließen die Jünger, dass jeder von ihnen nach seinen Möglichkeiten die in Judäa wohnenden ChristInnen unterstützen solle.
Diese Kollekte in Antiochia zur tätigen Hilfe für die Muttergemeinde wird zum Vorbild für alle weiteren Hilfsaktionen der Kirche für bedürftige Gemeinden. Für mich – seit vielen Jahren arbeite ich in der Pfarrcaritas mit – ist das ein deutlicher Hinweis auf die vielfältige Caritasarbeit in unserer Zeit. Denn um zu verstehen, was es damals bedeutete, in einer entfernten Gemeinde zu helfen, muss man sich bewusst machen, dass heute durch die technischen und gesellschaftlichen Fortschritte die „fremde Gemeinde” in Afrika, Asien, im Nahen Osten oder auch in Kiew liegt. Auch in unserer Pfarre werden Aufrufe zur Hilfe für Mitmenschen gehört: Ich denke an die verschiedenen Missionssammlungen, an die jährliche Sternsingeraktion oder wenn wir versuchen, auf Katastrophen (wie Tsunami, Hochwasser ...) zu reagieren. So war es auch bei der Tschernobyl-Reaktor- Katastrophe – für uns war es der Auslöser für das Projekt „Tschernobylaktion”: Wir wollten Kindern aus der Ukraine trotz der negativen Folgen von Tschernobyl eine Zukunft ermöglichen. Seit 13 Jahren nehmen Gastfamilien Kinder auf. Die Familien zeigen Mut, Toleranz und Geduld für „Fremde”. Als wunderbare Folgeerscheinung konnte durch die Unterstützung unserer Pfarre im Jahr 2001 das Straßenkinderheim in Kiew eröffnet werden. Seither trägt unsere Pfarrgemeinde einen großen Teil der Betriebskosten, unsere langjährigen Kinderprojekte haben auch viele Menschen außerhalb unserer Pfarre interessiert und zu wertvollen Sponsoren werden lassen. Die tätige Hilfe aller caritativen Mitarbeiter, Helfer und Unterstützer macht nicht nur „Fremden” sondern uns allen Freude. Helga Tippel 13. Teil
Aus dem Verhalten des neu eingesetzten Königs Herodes Agrippa, Enkel von Herodes dem Großen, der zur Zeit der Geburt Jesu Christi herrschte, zeigt sich aber sehr bald, dass die Verbreitung der jungen Kirche immer wieder durch Einschränkungen, Nöte und Verfolgungen behindert wird. In Andienung an die jüdische Hierarchie – Herodes geht es bei seinem Vorgehen weder um die jüdische noch die christliche Religion, sondern nur darum, sein Ansehen bei den führenden Juden zu verbessern – lässt er Christen verhaften. Sie werden misshandelt und Jakobus, den Bruder des Johannes, lässt er hinrichten. Ermutigt durch den Beifall der Juden, wird nun auch Petrus, der die Jerusalemer Christengemeinde leitet, festgenommen und ins Gefängnis geworfen. Nach dem Osterfest wollte er Petrus dann in einer öffentlichen Gerichtsverhandlung anklagen, verurteilen und hinrichten lassen.
Doch Gott erhört das Gebet seiner Brüder und Schwestern. In der letzten Nacht vor seiner Aburteilung befreit er Petrus auf wundersame Weise durch einen Engel. Petrus, im Glauben, er habe eine Vision, kommt erst zu sich, als der Engel ihn verlässt. Sofort begibt er sich zu seiner Gemeinde, die im Gebet versammelt ist. Mit dem Auftrag, alles dem Jakobus und den Brüdern zu berichten, erzählt er ihnen, wie ihn der Herr aus der Hand des Herodes gerettet hat. Danach verlässt er Jerusalem. Sein Weg wird Petrus nun nach Rom führen. Gott offenbarte Petrus als ersten die wahre Wesenheit seines Sohnes („Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes.“), und Jesus verkündet ihm seine Vorzugsstellung („Du bist Petrus. Auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.“ Mt 16,18). So wie bei Maria zeigt sich in der Erwählung, Einsetzung und Errettung des Petrus die Teilhabe an der Macht Gottes. Alles, was Gott den übrigen Aposteln und Mitgliedern der Kirche schenken will, erhalten sie nun durch Petrus. So wird dem einen anvertraut, was alle erhalten, „weil sein Vorbild allen Vorstehern in der Kirche vor Augen gestellt werden soll.“ (Papst Leo der Große). Wegen seiner Treue zum Herrn und des demütigen Einbekenntnisses seiner Schuld und seines Versagens hat Gott Petrus auserwählt und zu seinem Stellvertreter auf Erden gemacht. König Herodes hingegen hat sich in seinen Entscheidungen gegen Gott gestellt. Dies führte ihn zwar auch zu Ruhm und Anerkennung, allerdings nur bei den Menschen. Als er im Prunkgewand nach einer Ansprache sich vom Volk als Gott bejubeln lässt, greift Gott ein und stürzt Herodes von der Tribüne seines Hochmutes jäh hinab in die Tiefe (Apg 12,19b-23). Dieses Geschehen erinnert an den „Engelsturz“, jenes am Beginn der Schöpfung eingetretenen Ereignisses, bei dem eine große Zahl der von Gott geschaffenen Engel „Gott und sein Reich grundsätzlich und unwiderruflich abgelehnt haben, indem sie sich Herrschaftsrechte anmaßten und versuchten, den Erlösungsplan und die Ordnung der gesamten Schöpfung zu untergraben.“ (Papst Johannes Paul II). MMag. Wolfgang Polder 14. Teil
In diesen Zeilen erleben wir mit, wie der
Heilige Geist die beiden Freunde Barnabas Barnabas und Saulus (der zum Paulus wurde) haben diese Berufung in sich gespürt, und waren bereit, sie auch anzunehmen. Aber wie geht es uns dabei? Haben auch wir schon so eine Berufung verspürt? Ich hatte einen solchen Moment vor vielen
Jahren während meiner Studienzeit
in Graz. Nach einigen Jahren als Ministrant
hatte ich den Bezug zur Kirche
weitgehend verloren und war bis auf
hohe Festtage kaum noch in der heiligen
Messe. Dann kam der damalige steirische
Bischof Weber auf Visitation in meine
Grazer Wohnpfarre Graben, und ich entschloss
mich dazu, „vorbeizuschauen“.
Diese heilige Messe mit vielen persönlichen Bis es dazu kam, hat es dann aber noch
einige Jährchen gedauert. Erst als ich
nach Aspern gezogen bin und wir dann –
auch über die Kathi-Kids – immer stärker
in die Pfarre hineingewachsen sind, hat
sich diese Bereitschaft zur aktiven Mitarbeit
erst konkretisiert. Die Geborgenheit
und Unterstützung, die wir durch
die Gemeinde in St. Katharina erfahren
Den Weg der aktiven Mitarbeit in der Kirche zu gehen, ist nicht immer leicht. Sehr oft wird über die Kirche und ihre Vertreter doch nur geschimpft oder man beschwert sich höchstens darüber, dass der Kirchenbeitrag mal wieder zu hoch ist. Auch Barnabas und Salus stießen auf Widerstand:
Wir können nur immer wieder beten um die Kraft des Heiligen Geistes, wenn es darum geht, unseren Glauben offen zu bekunden. Vielleicht nicht immer mit so drastischen Worten wie Saulus/Paulus, aber doch kraftvoll und deutlich. Ich erinnere mich noch deutlich an eine Diskussion, die ich gegen Ende meines Studiums während eines Sprachaufenthaltes in Boston/USA geführt habe. Es ging um das Thema, wann denn eigentlich das Leben beginnt. Und ich habe es damals geschafft, in einer mir ja eigentlich fremden Sprache sehr leidenschaftlich den christlichen Standpunkt vom Beginn des Lebens und der Ablehnung der Abtreibung darzulegen (wobei mir auch geholfen hat, dass ich damals schon Unterstützer der Aktion Leben war). Und ich gebe zu, da war ich dann sehr stolz auf mich … Und so versuche ich, diese Berufung und die Kraft des Heiligen Geistes immer wieder in mir zu hören – damit ich bereit bin, die Talente, die mir geschenkt wurden, auch zum Wohl unserer Pfarre einzusetzen. Eine Pfarre, die mir in einer so fremden Stadt wie Wien (wo man sich als Salzburger anfangs so fühlt wie „ein Bayer in Hamburg“) eine neue Heimat gegeben hat. Dieses Hören gelingt mir dabei am Besten in unserer Sonntagsmesse in St. Katharina. Denn hier verspüre ich eine Lebendigkeit, Vielfalt und Begeisterung im Glauben, die einen immer wieder aufs Neue mitreißt. Genauso, wie in der Apostelgeschichte, als Barnabas und Paulus nach ihrer Verkündigung wieder weggezogen sind, es aber heißt:
Mag. Christian Dietl 15. Teil
Was ereignet sich im 14. Kapitel der Apostelgeschichte? Die Apostel, Paulus und Barnabas, befinden sich in Ikonion und verkünden in der Synagoge Jesus den Messias. Viele Juden und Griechen werden gläubig. Durch die Hände der Apostel geschehen Zeichen und Wunder. Der neue Glaube verursacht bei den uneinsichtigen Juden und Heiden Missgunst. Sie wollen Paulus und Barnabas steinigen. Die beiden fliehen nach Lystra und heilen einen Gelähmten, der darauf vertraute, gerettet zu werden. Dieses Wunder löst bei der Bevölkerung götzenähnliche Verehrung des Paulus und Barnabas aus. Die Erklärungsversuche der beiden prallen an der verblendeten Volksmenge ab. Es kommen bald darauf feindlich gesinnte Juden, die drehen den Spieß um und hetzen zur Steinigung des Paulus auf. Paulus überlebt. Die Apostel kehren zu den jungen Gemeinden in Lystra, Ikonion und Antiochia zurück und ermutigen diese, treu am Glauben festzuhalten. Welche Gedanken sind mir im Zusammenhang mit dieser Bibelstelle gekommen? Zweimal wird in diesem Kapitel auf das Vertrauen der handelnden Personen hingewiesen. Im Vers 3: …und predigten freimütig im Vertrauen auf den Herrn;…im Vers 9: …und da er sah, dass der Mann darauf vertraute, gerettet zu werden, rief er laut: Steh auf!… Ja, wir Christen dürfen und können dem Herrn vertrauen. Was bedeutet Vertrauen? Ich habe keine Angst vor dem anderen, denn er meint es gut mit mir. Gott meint es gut mit mir, Er bewahrt mich vor Unheil. Er führt mich sicher ans Ziel. Ich vertraue mich Gott jeden Tag an, denn es ist nicht selbstverständlich, dass ich bis jetzt tausende von Kilometern mit meinem Auto unfallfrei zurückgelegt habe. Ich vertraue mich Gott jeden Tag an, denn er schickt mir Menschen über den Weg, die mich Ermutigen und mir wohlgesinnt sind. Ein weiterer Absatz aus Apg 14 sticht mir ins Auge:
Die Apostel verkünden Jesus als den versprochenen Messias. Er ist der Retter aller Menschen. Die Predigten, Zeichen und Wunder im Zusammenhang der Verkündigung bewirken aber die götzenähnliche Verehrung der Apostel durch die Volksmenge. Die Menschen glauben an die höhere Macht. Sie üben ihre esoterischen Praktiken aus und suchen das Übersinnliche. Die Apostel stünden offensichtlich im Zusammenhang mit höheren Mächten. Leider hat das Volk noch nicht begriffen, dass Gott der Schöpfer und Vater aller und somit die „höchste Macht“ ist. Er will diesen „religiösen Klamauk“ nicht, dem sich die Menschen unterwerfen und von dem sie letztendlich versklavt werden. Er, der Herr des Universums, schenkt Zeichen und Wunder, um uns in seine Freiheit zu führen. Wir sollen ihn anbeten, ihm vertrauen und somit unser ganzes Leben nach ihm ausrichten. Immerhin hat er uns mit seiner „Frohen Botschaft“ beschenkt. Das bedeutet: Leben für immer; Liebe, die nie aufhört und Verzeihung all unserer Sünden durch unseren Herrn Jesus Christus. Franziska Partinger 16. TeilEs ist ein klassisches Beispiel für Gruppendynamik: „Der Neue“. Der/die Neue sitzt so, dass man ihn/sie gut sehen kann; er ist noch ein bisschen anders angezogen. Blicke aus allen Richtungen. Ja, heißt es nach einer Weile, er ist höflich, nett und er will wirklich mit uns in der Gruppe mitarbeiten. Aber, flüstern andere, er befolgt unsere Regeln nicht. Er kommt von ganz woanders her! Aber, wieder die ersten, er kann doch trotzdem mitmachen, oder? Damals stand die junge christliche Gemeinde vor derselben Frage. „Die Gruppe“, das waren die Apostel und Jünger, die in den Synagogen von Jesus erfahren hatten und ihr Leben ihm, dem Messias, geweiht hatten. „Die Neuen“, das waren die Nichtjuden, die Heiden, die ebenfalls von Jesus gehört hatten und ihm nachfolgen wollten – ohne allerdings vorher zum Judentum überzutreten und sich beschneiden zu lassen. Und auch hier gab es die „einen“, die sie willkommen hießen, und die „anderen“, die sie ausschließen wollten.
Eine von vielen solcher Gruppen heutzutage ist die Kirche. Die ursprüngliche Gemeinde ist längst in unzählige christliche Kirchen und Konfessionen zersplittert, die alle ihre eigenen Gesetze haben. Auch in der römisch-katholischen Kirche gibt es zahlreiche Vorschriften, die schwer zu erklären sind, antiquiert wirken und/oder nicht von allen Mitgliedern unterstützt werden. Sogar innerkirchlich gibt es Diskussionen darüber, welche dieser Regeln tatsächlich notwendig oder noch zeitgemäß sind; die vielen verschiedenen Standpunkte tragen dazu bei, die Gemeindemitglieder zu verwirren. Nicht ganz umsonst wird der Kirche oft nachgesagt, ihren Mitgliedern übermäßig viele (auch unnötige) Regeln aufzuerlegen und ihnen damit das Leben schwer zu machen. Und das Leben würde wohl wirklich um einiges schwerer werden, würde man sich punktgenau an jede einzelne kirchliche Vorschrift halten. Doch auch heute noch sollten wir uns vor Augen halten, was damals die Apostel erkannten: dass es nicht um die Befolgung jeder einzelnen Vorschrift geht, sondern um den gemeinsamen Glauben an Gott und das Vertrauen in Jesus Christus. Gott geht es nicht so sehr darum, ob wir mit dem Papst in allen Details übereinstimmen oder ob wir jede Woche zur Beichte gehen. Gott ist es viel wichtiger, dass wir an ihn glauben und unser Bestes tun, so zu leben, wie wir glauben, dass es ihm gefällt. Deshalb endet die heftige Auseinadersetzung beim Apostelkonzil mit einem Kompromiss zwischen der jüdischen Urgemeinde und den Neuen, die aus dem Heidentum kommen:
Beide Gruppen sollen einander achten und aufeinander Rücksicht nehmen. Ein guter Rat für die Kirche und jede Gemeinschaft. Anna Nessmann PS: Kürzlich habe ich herausgefunden, was „Ersticktes“ bedeutet: „Fleisch von Tieren, deren Blut nicht vollständig ausgeflossen ist“. Trotzdem bin ich mir sicher, dass ein Steak hin und wieder keine Sünde ist … 17. Teil
Komm! Vor etwa zehn Jahren hat Sr.
Karin Weiler CS, die damals hier in
Aspern gearbeitet hat, meinem Mann
Markus und mir von Aspern erzählt.
Hier wurden Pastoralassistenten gesucht
und gebraucht. Für uns war das ein riesengroßer
Schritt – über die Donau, nach
So wie damals ja (fast) alle, ist Lydia erst als Erwachsene zum Glauben gekommen und getauft worden. Die Taufe wurde, so scheint es, ganz spontan nach der Begegnung mit Paulus gefeiert. Bei mir war es ganz anders, viel unspektakulärer: schon als Kind bin ich selbstverständlich in die Kirche gegangen und immer mehr in die Pfarre hineingewachsen. Glaube und Kirche – das war und ist für mich Gewohnheit. Eine gute, tragende Gewohnheit – das ist ja nichts Schlechtes. Ich habe auch sehr gern und interessiert Theologie studiert und bin schließlich als Pastoralassistentin„Berufschristin“ geworden. Es ist mir sehr wichtig, was ich tue – aber: Lydia, so möchte ich sagen, steck mich doch an mit deiner Begeisterung, deiner Freude, deiner Spontaneität, mit deinem großen Glauben. Ein offenes Herz, wie du es hast, wünsche ich mir auch! Exotisch? Leider nein!
Wenn ich hier an meinem Schreibtisch im sicheren Österreich sitze, erscheint mir diese Geschichte zunächst unwirklich und exotisch. Aber: auch in unserer Zeit werden in vielen Ländern Christen und Christinnen verfolgt, misshandelt, gefangen genommen, getötet. Etwa sind im beliebten Urlaubsland Ägypten erst unlängst Christen ermordet worden. Paulus wird auf wunderbare Weise befreit. Dadurch wird auch der Gefängniswärter gläubig. – Wenn wir uns über Christenverfolgungen informieren, für diese Gläubigen beten, Mails und Briefe an verantwortliche Politiker schicken, so können wir beitragen, dass auch heute immer wieder „Wunder“ wahr werden und Menschen aus dem Gefängnis befreit werden. Nähere Informationen dazu auf der Homepage von „Christen in Not“ www.csi.or.at. bzw. Telefon: 712 15 07. Mag. Petra Pories, 18. TeilAuf seiner Missionsreise durch Griechenland kommt Paulus auch in die Hauptstadt Athen. Auf dem Areopag will er über „Evangelium“ und über seine Auferstehung predigen und den Glauben bei den Athenern erwecken. Aber was er dort auf dem Markt sagt, ist den Menschen zutiefst fremd.
Paulus verurteilt nicht, was seinem Glauben widerspricht. Er macht sich nicht lustig über das, was er nicht nachvollziehen kann. Er verletzt nicht, was anderen heilig ist. Aber Paulus verschweigt auch nicht, wovon er zutiefst überzeugt ist. Er will die Menschen für den Glauben an Jesus Christus gewinnen. Denn Paulus hat selber die Liebe Gottes erfahren und er wurde von Jesus bei seiner Bekehrung vor den Toren von Damaskus zutiefst im Herzen berührt. Er weiß, wer Gott ist und was er alles geben kann. Paulus möchte, dass auch andere Menschen diese einzigartige und wundervolle Erfahrung machen. Auch heutzutage sind Menschen sehr schwer zu überzeugen, dass Gott existiert. Viele sind einfach der Meinung, dass sie Gott nicht brauchen, weil sie alles haben. Vielleicht lädt auch Sie dieser Text ein, sich zu fragen: Habe ich wirklich den inneren Frieden gefunden? Bin ich im Herzen voll Freude und Liebe? Wenn nicht, dann ist es an der Zeit, Gott zu suchen. Gott wartet darauf, dass wir ihn suchen. Er wartet jeden Tag auf uns, aber wir müssen ihn aus ganzem Herzen suchen, dann finden wir ihn und spüren seine grenzenlose Liebe für jeden einzelnen von uns.
Es gibt einen Altar für einen unbekannten Gott, weil Gott verborgen ist. Auch die gebildeten Hörer des Paulus werden der Meinung gewesen sein: Der Mensch kann Gott nicht erkennen… Aber Gott ist nicht unbekannt und verborgen. Die Zeit der Unwissenheit ist vorbei. Gott hat sich bekannt gemacht in dem Menschen Jesus. Gott ist Mensch geworden, weil er die Welt so sehr liebt. Gott trägt das Leid der Welt und überwindet, was uns von ihm trennt. Er erweckt Jesus, den Gekreuzigten, vom Tod. Was alles hatte Jesus für uns leiden müssen, und trotzdem ertrug er seine Schmerzen und sagte betend zum Vater: Dein Wille geschehe und verzeihe den Menschen, sie wissen nicht, was sie tun. Gott hat dem Menschensohn ein großes Herz geschenkt um zu verzeihen. In diesen Zusammenhang können wir auch sehen, dass Paulus den Athenern verzeihen konnte, die über ihn spotteten und sich über seinen Glauben lustig machten. So erlebe ich es manchmal: wenn sich Mitmenschen auch über meinen Glauben lustig machen. Sie sagen, das alles ist nur Unsinn. Aber ich denke, wir dürfen wie Paulus im Glauben an Jesus Christus stark und mutig bleiben, unseren Glauben tiefer bekennen und dazu noch für die Menschen ganz fest beten, die über uns lachen oder nicht wissen, dass es einen wunderbaren Gott gibt.
Gott hat uns Menschen so geschaffen, dass wir ihn suchen, ihn erfahren wollen, uns nach ihm sehnen. „Denn er ist ja jedem einzelnen von uns nicht fern.“ Der heilige Augustinus betete immer so: „Du selbst, Gott, bist es, der dem Menschen die Freude schenkt, dich zu loben; denn für dich hast du uns geschaffen. Unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe in dir findet.“ Jedes Leben und die ganze Welt ist seine Schöpfung. Je tiefer wir die Welt und das Leben verstehen, umso tiefer ist auch unsere Ehrfurcht vor Gott und unsere Sehnsucht nach Gott. Eines sollte uns klar sein, dass niemand Gott kennenlernen kann, ohne die Liebe zu erlernen. Sherin Aratil 19. Teil
Paulus verlässt Athen und kommt nach Korinth, eine Stadt von wirtschaftlicher Wichtigkeit zwischen Ost und West, wo viele Menschen verschiedener Länder und Kulturen aufeinandertreffen. Sie ist eine sehr vielfältige, lebendige und unruhige Stadt mit viel Abwechslung aber auch mit vielen Verführungen. Daher ist es sehr gut zu verstehen, dass Paulus immer wieder in seinen früheren Briefen seine Sorgen und Mahnungen kundtut. Paulus kommt also nach Korinth und trifft dort die aus Rom vertriebenen Juden Aquila und Priscilla. Da diese auch Zeltmacher sind, wie Paulus selbst, schließt er sich ihnen an, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Er weigert sich, Entgelt für seine Dienste entgegen zu nehmen, obwohl er weiß, dass er Anspruch auf Unterhalt durch die Gemeinde hat. Durch diesen Verzicht wollte er zeigen, dass es ihm einzig nur um die Verkündigung des Evangeliums geht. Er selbst macht sich klein, er kommt sich nicht besser vor oder lässt sich nicht als Verkündiger Paulus feiern. Nein, er verzichtet, will niemandem zur Last fallen, niemanden ausnützen. Er will keinen Profit noch möchte er sich bedienen lassen. Er sieht sich einzig als Diener Gottes. Mit dieser selbstlosen Art will er ein Beispiel sein, soll auch für uns ein Vorbild sein. Wie oft denken wir: „Das steht uns zu. Das Recht habe ich! Aber: Wie komme ich dazu?!“ Manchmal hätten auch wir es nötig uns klein zu machen, nicht immer auf unser Recht zu pochen.
Paulus hat immer Sorge um das jüdische Volk. Er nimmt viel Spott, Schmach und Hohn auf sich. Er kann nicht begreifen, dass Gottes Volk das Evangelium nicht annehmen will, macht aber unermüdlich weiter. Er zerbricht nicht an den Ablehnungen und Enttäuschungen, nicht an den harten Worten. Auch nicht daran, als die Juden ihn sogar vor den Richterstuhl zerren, wo sie von höherer Instanz ein Urteil gegen ihn erzwingen wollen. Aber diesmal wendet er sich von den Juden ab, er „schüttelt seine Kleider aus“, und wendet sich den Heiden zu. Wie oft passiert uns so etwas. Wir werden belächelt, weil wir Dinge anders sehen, weil unsere Einstellung sich unterscheidet oder weil wir manchmal gegen den Strom schwimmen müssen und uns nicht von der Masse treiben lassen. Oft werden wir als naiv oder verrückt hingestellt, weil wir etwas glauben, was man nicht sehen kann. Aber die Menschen lehnen nicht uns ab, sondern den, an den wir glauben – Gott! Gerade deswegen dürfen wir uns nicht vergraben und schweigen, damit man ja nicht auffällt. Gott gibt Paulus einen Zuspruch. Er sagt: „Sei ohne Furcht, sondern rede und schweige nicht. Ich bin mit dir und keiner soll nach dir greifen und dir ein Leid antun!“ Ist das nicht auch ein wunderbarer Trost für uns? Das soll unsere Hoffnung sein. Unser Auftrag damals wie heute heißt: „Rede – und schweige nicht!“ Wir dürfen uns auf Gott verlassen. Er ist unser Schutz und Schild. Er geht mit uns den Weg, auch wenn es schwer ist. Wenn wir niederfallen, hilft er uns auf. Das ist ein Versprechen, wenn wir ihm vertrauen. Es ist nicht leicht, Kritik und Belustigung wegzustecken, man ist gekränkt, angegriffen. Wir trauen uns vielleicht nichts mehr zu, wir haben das Gefühl nicht zu genügen. Aber keine Angst! Gott sagt zu Paulus, aber auch zu jedem einzelnen von uns „Lass dir an meiner Gnade genügen, denn die Kraft kommt in der Schwachheit zur Vollendung.“ Also lasst uns voll Tatendrang das Evangelium weitersagen, den Mut haben den Mund dort aufzumachen, wo es notwendig ist. Nehmen wir die Aufforderung Gottes in uns auf, um ihm zu dienen. „Rede und schweige nicht!“ Doris Brandstätter 20. TeilIch schreibe diese Zeilen im Bildungshaus in Freising bei München, wo ich diese Woche, zusammen mit anderen Priestern unserer Diözese Wien, an einem Jungpriestertreffen teilnehme. Was ich schreibe wird stark davon beeinflusst sein, was wir hier diese Woche besprechen. Unsere Kirche scheint heute in einem tiefen Wandel zu stehen, weg von einer Volkskirche, zu der selbstverständlich alle dazugehören, zu einer Kirche von wenigen, dafür aber entschlossenen Christen. Die Zahl der Kirchenbesucher nimmt seit Jahren ab, gleichzeitig aber gibt es durchaus Gruppen, auch von jungen Christ- Innen, die umso entschiedener für den Glauben eintreten und sich aktiv in die Gemeinden einbringen. Von diesem Wandel sind natürlich auch die Priester betroffen. Während sie früher von vorn herein Autorität besaßen, müssen sie heute immer mehr zu Lebenskünstlern werden, die mit viel Einfall erst mal herausfinden müssen, wie sie sich in ihre Gemeinden positiv einbringen, wo ihr Beistand und Einsatz wirklich gebraucht werden. Das Bild, welches die Apostelgeschichte von Paulus zeichnet, ist auch das eines Lebenskünstlers. Er hat es gelernt, „allen alles zu werden um wenigstens einige zu retten“ (1Kor 9, 22). Ergriffen von der Botschaft vom Heil in Jesus Christus, hat er sein Leben dem Ziel verschrieben, dass sie allen bekannt wird, und dass Gemeinden von Glaubenden entstehen und wachsen können. Seine leidenschaftliche und kompromisslose Verkündigung eckte oft bei einflussreichen Bürgern an – er fand aber auch immer einen Weg, wenn es für ihn in einer Stadt „zu heiß“ wurde, in die nächste zu ziehen, um dort neue Freunde für die Botschaft zu gewinnen. Davon erzählt uns im 19. Kapitel der köstliche Bericht vom Aufruhr der Silberschmiede, den ich hier aus Platzmangel nicht ausführe. Ich möchte hier nur ein paar Gedanken mitteilen, die in mir die ersten zwei Abschnitte des Kapitels auslösen.
In Ephesus begegnet Paulus zuerst einer Gruppe von Jüngern, also Bekennern, Gläubigen, denen jedoch ein wesentliches Element fehlte. Der strenge Bußprediger Johannes hat sie auf den Weg gebracht, aber es fehlte ihnen der Geist, ja sie haben „noch nicht einmal gehört, dass es einen Heiligen Geist gibt“. Es geht dabei, denke ich, weniger darum, dass ihnen das präzise dogmatische Bekenntnis fehlte, als vielmehr, dass sie noch nicht die Erfahrung gemacht haben, in der Dynamik und der Freude, die der Heilige Geist schenkt, ihren Glauben zu bekennen. Die eigentliche Kraft des Glaubens kommt aus einer lebendigen Beziehung zu Christus, durch den Heiligen Geist. (V. 5-6). Als Paulus ihnen die Hände auflegt und sie diesen Geist empfangen, beginnen sie, auf eine neue Art Zeugnis zu geben. Es ist sicher nicht gerecht, das Amt und das Charisma, die Strukturen und den „Geist“ gegeneinander auszuspielen. Aber vielleicht gibt es in unserer Kirche strukturelle Zwänge, die einer immer größeren Anstrengung bedürfen, um aufrechterhalten zu werden, deren geistlicher Ertrag aber fraglich ist? Die mit unserem Kernauftrag der Glaubensverkündigung und Bezeugung nichts mehr zu tun haben? Die unsere Energie und Personal „verheizen“, so dass für eine neue missionarische Kreativität keine Kapazitäten mehr übrig bleiben?
Die Synagoge bildete immer den Ausgangspunkt für die Predigertätigkeit des Paulus. Es kommt jedoch – hier wie andernorts – zu einem Konflikt: seine Botschaft scheint den traditionellen Rahmen der jüdischen Frömmigkeit unreparierbar zu sprengen. Seiner genialen Entscheidung, die bis dahin unhinterfragbare Trennung zwischen den Gläubigen (Juden) und den Heiden zu überwinden, verdanken wir die Zukunft des Christentums. Diese Entscheidung, die Paulus viele Kontroversen und Feinde, auch innerhalb der jungen Kirche, bereitet hat, die er selbst gegenüber Petrus verteidigen musste (Gal 2,14) – sie hat es erst ermöglicht, dass der Glaube an Jesus Christus den engen volkstümlichjüdischen Rahmen überschreiten und sich in der von den Römern „globalisierten“ Welt etablieren konnte. Diese Passage empfinde ich als eine Ermutigung, eine Einladung, keine Angst zu haben, Grenzen zu überschreiten, wenn es darum geht, die Botschaft vom Heil in unserer Welt durch Wort und Tat zu verkünden. MMag. Daniel Kamieniecki 21. TeilDie Apostelgeschichte ist für mich eines der Bücher in der Bibel, das spannend, packend, lebensnah, nachvollziehbar und in weiten Bereichen erlebbar ist. In diesem Sinne hört für mich die Apostelgeschichte nicht auf. Sie ist von Frauen und Männern weitergeschrieben worden, die mit dem lebendigen Gott etwas erlebt haben, die mit Jesus ihrem Herrn und Heiland in enger Beziehung gelebt haben, die sich vom Heiligen Geist führen und leiten ließen und sich für die Sache Gottes eingesetzt haben und so Zeichen und Wunder erlebt haben. Und diese Apostelgeschichte, liebe Leserin, lieber Leser, kann mit jedem von uns weitergeschrieben werden, wenn wir uns darauf einlassen.
In Zeiten wie diesen ist die Mobilität so hoch ist wie noch nie. Lassen wir uns von Gott auf unseren Reisen benutzen? Sei es durch unser Lebenszeugnis, durch ein liebes Wort, eine Grußkarte, durch die Zeit des Zuhörens, um mit jemandem zu reden, ein Gebet für eine Person, die es gerade braucht, dass sie die Liebe Gottes spüren und erleben darf, … Vor ein paar Jahren habe ich eine Jugendgruppe aus Hirschstetten mit dem Bus zu einem Teenagerkongress nach Deutschland gefahren. Parallel zu der Hauptveranstaltung hat auch eine Fürbittekonferenz mit ca. 800 Teilnehmern stattgefunden. An einem Abend hat Gott mir durch seinen Heiligen Geist ein Wort der Erkenntnis geschenkt. Ein Wort der Erkenntnis ist eine Äußerung, die von Gott inspiriert und von einer Person ausgesprochen wird. Es ist eine Einsicht in Dinge, die wir nicht wissen können, die uns „von Gott geschenkt sind“. Ich habe das Wort empfangen: „dass sich unter uns eine Person befindet, die nach einem Unfall starke Schmerzen im linken Bein hat. Gott möchte heute diese Person anrühren.“ Nachdem ich das von vorne übers Mikro ausgesprochen hatte, ist ein junger Mann aus den letzten Reihen aufgestanden und nach vorne gegangen. Das hat jeder in der Halle gehört. Der Mann hat eine Lederjacke mit vielen Ketten, eine Lederhose und Stiefel getragen und der linke Fuß ist kürzer gewesen. So ist er bei jedem Schritt eingeknickt und die Ketten haben gerasselt. Der junge Mann hat uns erklärt, dass er einen schweren Motorradunfall gehabt hat und mehrmals operiert worden ist. Er hat seit diesem Zeitpunkt ständig Schmerzen im Knie gehabt. Die Verantwortlichen für die Fürbittekonferenz haben mich aufgefordert auf der Bühne für den jungen Mann zu beten, denn wenn der Herr ankündigt etwas zu tun, dann können sich auch alle mitfreuen wenn er es tut. Also habe ich die beiden Beine hochgenommen. Der Län- genunterschied von ca. 3 cm ist deutlich erkennbar gewesen. Und als ich da begon- nen habe zu beten, sind mir neben den Gedanken, dass der Herr hier etwas tut auch Gedanken gekommen, wie peinlich die Situation wird wenn nichts passiert. Ich habe mich gefragt, ob ich mir das Ganze nur eingebildet habe. Doch das habe ich nicht, denn ich habe die Stimme des Heiligen Geistes schon zu gut gekannt. Durch das zweite Mikro habe ich einen Leiter voll Begeisterung sagen hören: „Seht her, das Bein wächst nach!“ In diesem Moment habe ich gewusst, dass ich mich nicht verhört habe und Gott keine halben Sachen macht. Ich habe für vollständige Wieder- herstellung gebetet und das Bein ist gleich lang geworden. Drei Tage später ist die Abschlussveranstaltung vom Kongress mit mehreren tausend Teilnehmern gewesen. Und unser junger Mann ist gegangen, ja fast auf die Bühne gelaufen und hat erzählt, was ihm alles durch das Gebet passiert ist. Er hat als Antwort auf Gottes Eingreifen in seinem Leben, sein Herz Jesus geschenkt und ihn gebeten, ab nun die Führung zu übernehmen. Dies hat mir persönlich aufgezeigt, dass es Zeichen und Wunder mitten unter uns geben kann, wenn wir uns darauf einlassen. Gott verfolgt damit ein großes Ziel: Sie sollen beitragen, Menschen für Jesus den Retter und Herrn zu gewinnen. Dabei ist es egal wie nah oder wie weit Sie von ihm weg sind. Er will eine ehrliche und persönliche Beziehung.
Ing. Manfred Dunkl 22. Teil
Der Prophet Agabus kommt von Judäa und weissagt mit seiner symbolischen Geste dem Apostel Paulus von seinem drohenden Unheil in Jerusalem. Er hatte auf seinem Weg von Antiochien den Menschen von der Bekehrung der Heiden erzählt. Agabus will ihn auf die Gefahr aufmerksam machen, wie schlecht die Dinge in Jerusalem für ihn stehen. Pau- lus schreibt daher auch im Brief an die Römer: „Steht mir bei im Kampf durch euer Beten …“ Paulus geht im Wissen um „Fesseln und Drangsale“ in der Nachfolge Jesu nach Jerusalem, ungeachtet der prophetischen Stimmen, ungeachtet der drängenden Bitten seiner Freunde, in voller Bereitschaft, sich „nicht nur binden zu lassen, sondern auch für den Namen des Herrn in Jerusalem zu sterben“. Unweigerlich kommt bei mir dabei der Gedanke: „Wie steht es um meine Bereitschaft, Jesus nachzufolgen? Bin ich bereit, meinen Glauben gegenüber anderen – Nichtgläubigen (Nachbarn, Arbeitskollegen, Bekannten…) – offenzulegen? Oder ist es mir unangenehm, dafür belächelt oder für konservativ gehalten zu werden? Paulus verspürte in sich einen Auftrag, und diesem ist er auch nachgegangen, ungeachtet aller Schwierigkeiten, die dieser Weg mit sich bringt. Ich würde mir wünschen, dass auch wir alle solchen Mut hätten, unseren Glau- ben zu bezeugen. Oft sind wir aber zu schwach dafür. Wir brauchen die Hilfe des Gebets, wie auch Paulus im Brief an die Römer darum gebeten hat. Wie trostvoll ist es zu wissen, jemand trägt mein Leben im Gebet mit! Nicht umsonst beten wir auch im Schuldbekenntnis: „… darum bitte ich die selige Jungfrau Maria und alle Heiligen und euch Brüder und Schwestern für mich zu beten …“. Wie viele glauben noch an die Macht des Gebetes und treten bewusst im Gebet für andere ein? Wie schön wäre es, wenn uns wirklich während der Messe bewusst würde, wir sollen auch für alle anderen und deren Familien, die sich hier befinden, beten. Durch das bewusste Gebet für die anderen und gerade für die Menschen, mit denen wir uns schwer tun, kann auch unser so oft verstocktes Herz dabei verwandelt werden. Ich konnte das für mich jedenfalls schon oft feststellen. Z.B. wenn ich mit dem Auto unterwegs bin und sich ein anderer Autofahrer mir gegenüber „sehr rücksichtslos“ benimmt, dass ich diesen Menschen segne, statt mich über „ihn auszulassen“ (auch wenn es mir in diesem Moment schwer fällt). So habe ich schon oft die Erfahrung gemacht, dass durch dieses kurze Gebet mein Zorn auf wunderbare Weise verschwindet und ich wieder Frieden finde. Keiner von uns ist perfekt. Oder wenn ich mit ein paar Müttern in unserer Pfarre einmal in der Woche für unsere Kinder bete (Gebetsgruppe: „Mütter beten“) und wir unsere Kinder ganz bewusst namentlich in die Hände Gottes legen, ist es so trostvoll zu wissen, es gibt einen, der einen Plan für jeden hat und diesem vertrauen und übergeben wir unsere Kinder. Im Gebet mitgetragen geht also Paulus seinen Weg im Vertrauen darauf, dass sein Schicksal in Gottes Händen liegt. (Des Herrn Wille geschehe). Wie entscheidend ist doch die Berufung des Paulus für den Weg der Kirche geworden! Einen ganz besonderen Wunsch bezüglich Gebet für andere trage ich zur Zeit gerade in meinem Herzen. Ich habe im Jänner einen Kurs über „Lebens-, Sterbeund Trauerbegleitung“ beendet und würde gerne in Form einer Sitzwache bzw. Gebetswache für die Sterbenden im Pflegeheim bzw. SMZ-Ost wachen und beten. Dafür sind aber Menschen notwendig, die sich auch vorstellen können, für die Sterbenden zu beten und bei ihnen zu wachen, je nach den möglichen Zeitresourcen. (…„Ich war krank und ihr habt mich besucht“…) Wer möchte mit mir diese neue Tür öffnen und einen Anfang wagen? Nähere Information bei mir unter: 283 54 08 oder per E-Mail oder über unsere Pfarre. Silvia Mohr 23. TeilPaulus ist in Jerusalem angekommen und wird verhaftet wegen seiner Verkündigung des „neuen Weges“ an Juden und Heiden. Den gesetzestreuen Judenchristen Palästinas und der führenden Schicht des jüdischen Volkes erscheint Paulus nicht geheuer und sehr gefährlich. Er bittet den Oberst zum Volk sprechen zu dürfen, um sich verteidigen zu können. Paulus erzählt seine Lebens- und Berufungsgeschichte. Übrigens wird uns die Berufungsgeschichte des Paulus drei Mal in der Apostelgeschichte berichtet, jedes Mal mit einer anderen Akzentsetzung. Gottes Wirken ist so groß, dass wir mehrere Ansätze brauchen, um ein wenig an die Wirklichkeit heranzukommen: Apg 9,1-22; Apg 22,1-21 und Apg 26,9-18. Der Berufung des Paulus kommt im Leben der jungen Kirche eben eine sehr große Bedeutung zu. Paulus weiß sein Recht als römischer Bürger einzusetzen – er handelt klug in der Welt und verkündet dabei die Großtaten Gottes: Wie Gott, Jesus, ihn berufen hat – und wie seine Antwort auf dieses Angerufen-Sein ist. Diese Berufung wird in der Taufe besiegelt. Auch wir sind getauft – auch wir sind von Gott gerufen. Für uns gilt dieses liebevolle Wort Gottes: „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Ich habe dich in meine Hand geschrieben. Mein bist du.“ (Jesaja) In der Taufe geben wir Antwort auf diesen Ruf: wir sagen bewusst Ja zu unserer Erwählung als Kind Gottes, als geliebtes Kind Gottes. Die meisten von uns wur- den als Kinder getauft, unsere Eltern haben für uns das Ja zum Glauben und Vertrauen auf Gott in der Kirche gesprochen. Als Heranwachsende sind wir eingeladen, unser persönliches Ja zu sagen. Gott liegt etwas an uns, er sehnt sich nach uns, er will uns mit seiner Liebe beschenken – Er ladet uns ein, mit ihm mitzulieben: die Menschen, die Schöpfung, die Welt. Er will uns führen und begleiten – uns nahe sein. Er lässt uns nicht allein – weder im Schönen noch im Schweren, das sagt er uns zu. Ich bin sehr dankbar für das Geschenk der Taufe – für die Erwählung als Kind Gottes, als seine Tochter in Christus, meinem – unserem Bruder und Herrn. Ich denke auch jedes Jahr an meinen Tauftag und begehe ihn festlich. Ich darf wissen, dass ich einen Vater im Himmel habe, der sich um mich sorgt, der für mich da ist in jeder Lebenslage, zu dem ich immer kommen darf – wie oft habe ich das schon dankbar in meinem Leben erfahren! Ich darf „Abba“ – „Lieber Vater“ – eigentlich sagt dieses aramäische Wort noch mehr aus – es ist Ausdruck einer ganz zärtlichen Beziehung – rufen, sagen. Jesus ist mein Bruder – nach seinem Wort versuche ich mich Tag für Tag im Alltag auzurichten. Sein Wort ist mir Orientierung, Lebenshilfe. Ich liebe den kurzen Kehrvers: „Dein Wort, o Herr, ist Licht über meinem Pfad.“ Mit ihm und durch ihn und in der Kraft des heiligen Geistes darf ich seine Liebe, die ich ständig empfange, weiterschenken, durchlassen – in den Be- gegnungen mit den Menschen, in der Verantwortung der Schöpfung gegenüber, in den kleinen und oft mühevollen und frohen Situationen des Alltags, in den Turbulenzen auf dem Weg der Kirche, in den gesellschaftlichen Fragen un- serer Zeit. Es gibt keine Patentrezepte, oft keine Lösungen,… aber: gelebte Liebe, Solidarität, teilen und helfen verwandeln die Welt! Und ich gehe diesen Weg nicht einsam, ich gehe ihn gemeinsam mit allen Ge- tauften – in der Gemeinschaft der Kirche. Im Miteinander und Füreinander. Wieviele Menschen waren und sind mir treue Begleiter und Begleiterinnen! Viele hat Gott schon heimgerufen – von dort aus stehen sie mir – uns bei. Wir alle gehören in die Familie Gottes – und in allen Men- schen guten Willens wirkt der Geist Gottes, auch durch Menschen mit einem anderen Glauben kann uns viel Gutes, Wahres und Hilfreiches geschenkt werden. All diese Gedanken kommen mir, wenn ich an Taufe und Leben aus der Taufe, Leben als Berufene denke. In dieser Zeit bereiten sich in unserer Diözese und in der ganzen Welt Erwachsene auf die Taufe vor, die ihnen in der Osternacht gespendet wird. Begleiten wir sie mit unserem Gebet. Es ist schön und eine Freude, als Christin mitten in der Welt zu leben. „Freut euch, wir sind Gottes Volk, erwählt durch seine Gnade – Die Freude an Gott, halleluja, ist unsere Kraft, halleluja! – Der Herr ist mein Licht und mein Heil. – Der Herr ist mein Hirt, er führt mich an Was– ser des Lebens. – Geht in alle Welt, halleluja, und seid meine Zeugen, halleluja!“ Vielleicht finden Sie im Gotteslob oder in einem anderen Gesangbuch noch solche „Ohrwürmer“, die Sie durch den Tag begleiten und Sie immer wieder ausrichten auf unserem Weg als Getaufte und Berufene. Paulus sagt zu seiner Gemeinde in Korinth: „Ihr seid der Brief Christi!“ Das sagt er auch uns. Und dieser „Brief“ wird heute von unseren Mitmenschen ge- lesen. Elisabeth Mitsch 24. Teil
Durch sein Damaskuserlebnis wird Paulus von Tarsus von einem Verfolger der Urchristen zum Apostel Jesu Christi, eine Glaubenserfahrung, die ihn ein Leben lang nicht mehr loslässt. Am Ende seiner 3. Missionsreise wird Paulus in Jerusalem verhaftet. Bedeutet dies das Ende seiner Missionstätigkeit? Nein! In einer nächtlichen Vision spricht ihm der Herr Mut zu, er soll in der damaligen Welthauptstadt Rom als Missionar tätig sein. Wenn ich das heute lese, frage ich mich: Kann denn der Glaube so stark werden, dass alles andere in den Hintergrund gestellt wird? Kann man in Zeiten des Internet, der MP3-Player oder der Energiesparlampe überhaupt noch glauben? Doch und sogar viel mehr als man vermuten sollte. Bei Gesprächen in meinem beruflichen und privaten Umfeld wird mir sehr oft der (vorhandene) Glaube an Gott bestätigt, der Kirche gegenüber wird jedoch eine reservierte Haltung eingenommen. Und in der Tat: die medialen „Eigentore“ der letzten Wochen, besonders der röm. kath. Kirche, sind tatsächlich nicht ohne. Jetzt ist es allerdings so, dass man diese negativen Schlagzeilen in den Medien mehr wahrnimmt (oder wahrnehmen will z.B. für eine persönliche Ausrede, um den Gottesdiensten fernzubleiben) als die tatsächliche Arbeit, die von der Kirche geleistet wird. Ich möchte da nur die zahl- reichen sozialen Einrichtungen (z.B. Caritas und Missio) und auch die direkte Hilfe für notleidende Menschen in Aspern erwähnen. Es ist schön zu sehen, wie viele freiwillige Helfer im Hintergrund sich für die gute Sache einsetzen und einen Beitrag für die Allgemeinheit leisten. Nicht zu vergessen ist auch die oft sehr schwierige Tätigkeit in Hospizeinrichtungen, an der die Kirche maßgeblich beteiligt ist. Und ohne einen gewissen Konservatismus würde die Kirche nicht Bestand haben. Dass die Rehabilitation von Galileo Galilei durch Papst Johannes Paul II. erst 1992 erfolgte, zeigt von diesem Konservatismus. Der berühmte Ausspruch „und sie dreht sich doch“ (die Erde um die Sonne) bei der Anhörung vor Papst Urban VIII. im Jahr 1632 ist bis heute in Erinnerung. Aber immerhin. Und wer hätte damals gedacht dass Galileo Galilei jetzt eine Statue im Vatikan erhalten soll. Gibt es eigentlich noch heute einen Paulus, der so fest und unbeirrt für seinen Glauben eintritt? Ich musste da nicht lange suchen und bin, stellvertretend für viele andere, bei Maximilian Kolbe fündig geworden. Er ließ sich 1941 im KZ Auschwitz-Birkenau bei einer Strafaktion freiwillig anstelle eines bereits aussortierten Mithäftlings in den berüchtigten „Hungerbunker“ einsperren und wurde dann später mit einer Giftspritze hingerichtet. Der Mithäftling, für den Kolbe gestorben war, überlebte das KZ. Er war Zeuge bei der Heiligsprechung Kolbes durch Papst Johannes Paul II. am 10. Oktober 1982. Ich möchte aber nicht den Eindruck erwecken, dass nur ein Märtyrerschicksal den Glauben bezeugt. Im projekt.firmung (der Firmvorbereitung), bei dem ich mitarbeite, wird der Glaube von den jugendlichen Firmlingen sehr offen und kritisch hinterfragt. Ich konnte aber eine sehr po- sitive Einstellung „hin zur Kirche“ feststellen. Zum Beispiel: Das Sammeln der Plastikverschlüsse zur Unterstützung für den behinderten Levente hat sich bei den Firmlingen regelrecht zu einem internen Wettbewerb entwickelt. Wie ist es dann Paulus weiter ergangen? Durch seine Standhaftigkeit – und durch seinen, sagen wir einmal, Draht nach oben war Paulus der Feindschaft seiner Umgebung ausgesetzt. Und so kam es wie es kommen musste:
– so stand es im Begleitbrief, den der Oberst dem Gefangenentransport nach Cäsarea mitgab. Noch mal davongekommen. Paulus, der unerbittliche Verfolger ist selbst zum Verfolgten geworden. Aber er hatte das Glück, den richtigen Pass zu besitzen und konnte sich sozusagen in die Botschaft flüchten. Ohne römische Staatsbürgerschaft hätte er diesen Vorfall nicht überlebt. Man kann heute davon ausgehen, dass es ohne die Missionstätigkeit des Paulus im Mittelmeerraum und in Rom kein Christentum in Europa geben würde. Obwohl er dem irdischen Jesus persönlich niemals begegnet ist, hat Paulus bis zu seinem gewaltsamen Lebensende an seinem Missionsauftrag festgehalten. Der Legende nach wurde Paulus im Jahr 64 unter Kaiser Nero als römischer Bürger „nur“ enthauptet. Petrus, der nicht Bürger von Rom war, wurde hingegen mit dem Kopf nach unten gekreuzigt. Das Hochfest von Paulus wird am 29. Juni gefeiert, das Fest der Bekehrung des hl. Paulus am 25. Jänner. Harald Labenbacher 24. TeilGerne greife ich hin und wieder zu einer englischen Bibelübersetzung. Dort heißt die Apostelgeschichte kurz Acts, ein „Arbeitstitel“, der Fragen aufwirft: Wer ist aktiv? Wer handelt? Wer setzt Taten? Zuerst war es Jesus selbst, das Alpha der Apostelgeschichte. Dann löste der Heilige Geist so etwas wie eine Initialzündung bei den Aposteln aus, aktivierte sie, worauf sie dann ihrerseits in alle Welt ausschwärmten, um den Menschen die Frohe Botschaft zu verkünden. Heute aber sind wir an der Reihe „Aktionen“ als Christinnen und Christen zu setzen. Die Handlung des 24. Kapitels ist schnell erzählt. Das jüdische Establishment bringt in Cäsarea seine Klagen gegen Paulus vor. Man spart nicht mit schmeichelnden Worten für den römischen Statthalter, der – wie antike Historiker berichten – besonders grausam war, und man hat auch gleich einen Staranwalt mitgebracht. Paulus verteidigt sich im Bewusstsein der Unschuld und ist auf Verständigung mit den jüdischen Anklägern bedacht. Der Apostel fasst zusammen: Der Stein des Anstoßes sei die Auferstehung der Toten. Der Fall wird vertagt, der genannte Statthalter nach zwei Jahren abgelöst und Paulus – weiterhin im Gefängnis – dem Nachfolger überlassen. Genau dieser erste Statthalter, Felix, hat mich sofort interessiert. Da ist einmal sein Name, das lateinische Wort für glücklich. Ist er tatsächlich glücklich? Macht er andere glücklich? Die Karriere des Mannes ist auf jeden Fall bemerkenswert. Er war ein ehemaliger Sklave, der als Gipfel seines Aufstiegs mit dem Amt des Prokurators von Judäa betraut wurde. Seine Ehefrau war Jüdin und stammte aus vornehmem Haus. Felix war beim Volk allerdings verhasst, erwies er sich doch als unberechenbar und brutal.
Ja, Felix hat Glück! Er weiß von dem neuen Glauben, er sitzt dem Apostel Paulus gegenüber, er hört aus berufenem Mund, was Gott auch ihm zu sagen hat. Aber dann beschließt er: Was Gott von mir will, kommt mir unbequem vor. In meinem Leben stimmt manches nicht, ändern möchte ich es trotzdem nicht. Der Richter will keine Belehrung, der Mächtige kann keinen Verlust ertragen, der Ungerechte möchte nicht mit Gerechtigkeit belästigt werden. Was seine Gier verlangt, ist Lösegeld. Für Erpressungsversuche nimmt sich Felix Zeit. Die Auswüchse der Gewaltausübung der Mächtigen, die schier grenzenlose Gier der Reichen erleben wir heute wieder mit schwerwiegenden Folgen für Millionen selbst in den reifen Demokratien. Kor- ruption blüht rund um den Erdball. Wie aber schätzen wir uns selbst ein? Fehlt nicht jedem einzelnen von uns oft der Mut und die Zeit den (neuen) Weg konsequent zu gehen? Plagt uns nicht auch die Angst, in der Nachfolge Christi Privilegien aufgeben zu müssen, ehrgeizige Ziele nicht verwirklichen zu können, durch Verzicht hohe Verluste zu erleiden? Paulus lehrt uns in diesem Kapitel mehr durch Standhaftigkeit und Taten als durch Worte. Er verbringt zwei Jahre unbeirrt in Gefangenschaft. Diese lange Zeitspanne, in der Apostelgeschichte in einem Vers wiedergegeben, muss für Paulus eine Qual gewesen sein. Statt der Fortsetzung seiner Missionsreisen stehen Konfrontationen mit Felix und dessen verantwortungsloser Haltung zum Amt auf seinem Programm. Er braucht Geduld in einem hohen Ausmaß, wie sie letztlich nur auf tiefem Vertrauen auf Gott beruhen kann. Aktuell sollten vielleicht auch Reformen, die die katholische Kirche selbst betreffen und die mit Drängen gefordert werden, in diesem Geist diskutiert und erwartet werden. Ein Evangelist schreibt bildhaft: An ihren Früchten also werdet ihr sie erkennen (Mt 7, 20). Verschiedene Talente ergeben eine bunte Vielfalt an Werken. Große Freude bringen Aktionen in der Gemeinschaft, Beten, Feiern, Hilfe für Mitmenschen. Notwendig sind jedoch auch manchmal – wie die Apostelgeschichte bezeugt – Akte des Glaubens, die mit Schmerz und Gefahr verbunden sind. Nicht Theorie darf das Zentrale sein! Gottes Angebot anzunehmen und tatkräftig Christin oder Christ zu sein, das ist Auftrag für jede(n) von uns, unsere gesamte Pfarrgemeinde, das ganze Volk Gottes. Mag. Brigitta Mychalewicz 25. Teil
Wie eine heiße Kartoffel wird der ungelöste Fall des gefangenen Paulus vom scheidenden Statthalter Felix an Festus, seinen Nachfolger übergeben. Was Felix nicht zu entscheiden wagte soll der neue Statthalter nun in die Hand nehmen. Wir kennen das ja auch: unangenehme Dinge werden gerne auf die lange Bank geschoben, selber will man sich mit so einem heiklen Fall nicht die Finger verbrennen. Ein anderer soll da entscheiden, was man selber nicht anzupacken wagte. Doch Festus ist entschlossen, den Fall Paulus beschleunigt zu erledigen. Er scheint ein pflichtbewusster, nüchterner, schlicht denkender Beamter gewesen zu sein. Gleich nach Amtsantritt sprechen die Gegner des Paulus bei ihm vor und drängen zu einer Entscheidung. Mit Hilfe des neuen Gouverneurs wollen sie den ungeliebten Paulus ein für alle Mal aus der Welt zu schaffen. Eine Flut von Anklagen bringen sie gegen Paulus vor, doch nichts Neues. All diese alten Vorwürfe sind nichts anderes als der Vorwand für ihren unversöhnlichen Hass gegen den, der einst zu ihnen gehörte. Sie sind bitter enttäuscht, dass der ehemalige Gesinnungsgenosse Paulus seit seinem Erlebnis vor Damaskus die Seiten gewechselt und sich zum unermüdlichen Verkünder des gekreuzigten Jesu von Nazareth gemacht hat. Aber gegen diese hasserfüllte Leidenschaft kann Paulus mit Argumenten nichts ausrichten. Er kann nur erklären:
Und als Festus – parteiergreifend für die Paulusgegner – vorschlägt, den Verhandlungsort nach Jerusalem zu verlegen – eine gute Gelegenheit für einen mörderischen Anschlag gegen Paulus unterwegs – tritt der Gefangene die Flucht nach vorn an: als römischer Bürger legt er Berufung ein und appeliert an das kaiserliche Gericht in Rom. Paulus ist nicht feig und will sich auch nicht der strafenden Gerechtigkeit entziehen. Aber er fordert nur ein gerechtes Urteil. Schließlich geht es ihm nicht um seine private Angelegenheit, sondern um seine Stellung als Apostel, als Zeuge Christi und als Vertreter der Kirche. Nun ist sein Weg als Apostel nach Rom entschieden, er wird in die Hauptstadt des damaligen Weltreiches gehen – freilich ganz anders als er im Brief an die Christen in Rom noch geschrieben hatte:
Es ist interessant, wie sich seine Lebenspläne nun unter anderen Vorzeichen erfüllen werden: Rom als Welthauptstadt war das erklärte Ziel für seine Missionstätigkeit. Als Gefangener und Angeklagter wird er dorthin gebracht werden. Ob ich je so eine Geduld aufbringen könnte? Immer nur zuwarten auf Verhöre und Gerichtstermine. Paulus ist nun schon viele Monate lang der Freiheit beraubt. Von der Ohnmacht des Kreuzes hatte Paulus in seinem 1. Brief an die Christengemeinde in Korinth geschrieben. Nun erlebt er es am eigenen Leib: den Großen ausgeliefert, wehrlos, zur Untätigkeit verurteilt. Aber er läßt sich nicht kleinkriegen oder mundtot machen. Auch als Gefangener tritt er für den Gekreuzigten und Auferstanden ein. Darin liegt die wahre Größe eines Völkerapostels Paulus. Heutzutage müssen es viele Christinnen und Christen in vielen Ländern erdulden und erleiden, wenn Bischöfe oder einfache Gläubige – in China oder im Iran, Saudiarabien oder Myanmar – inhaftiert oder unter Hausarrest stehen. Aber so eine Kirche ist echt, bewundernswert und glaubwürdig. Pfarrer Georg Stockert 26. Teil
Am Ende des vorherigen Kapitels haben wir Paulus in einer Gefängniszelle in Fesseln zurückgelassen. Festus, der Stadthalter, weiß nicht, wie er es rechtfertigen soll, dass Paulus vor den Kaiser nach Rom geschickt wird. Die Anklage ist sehr dünn und Festus hofft, dass König Agrippa vielleicht eine kreative Idee für eine Anklageschrift hat, die man mit Paulus nach Rom schicken könnte. Man muss sich die Situation einmal bildlich vorstellen: Paulus wird in Fesseln in den Gerichtssaal geführt und beginnt seine Verteidigungsrede vor König Agrippa und den Versammelten mit „Ich bin sehr froh!“ Was für ein Einstieg!! Paulus wird beschuldigt, muss leiden, hat Fesseln, wird fälschlich angeklagt und er freut sich??? Was für einen Grund hat er, sich zu freuen?? Er freut sich, wieder seinen Glauben zu verteidigen. Er hat wieder eine Möglichkeit Zeugnis zu geben! Er hätte allen Grund, die Fassung zu verlieren, aggressiv zu werden, zu raunzen oder sogar Gott selbst anzuklagen. „Gott ich habe dein Wort verkündet, ich habe alles gemacht was du wolltest! Schau, wo das mich hingebracht hat! Ist das, wie du deine treusten Mitarbeiter behandelst? Paulus aber vertraut völlig seinem Gott und weiß, dass er genau jetzt im Willen Gottes steht und Gott ihn nicht einen Moment alleine lässt. Paulus ist ruhig, höflich und voller Respekt gegenüber seinem Publikum, das gelinde gesagt einen völlig anderen Lebenswandel hat als er. Paulus gibt Zeugnis und alle hören ihm gebannt zu! Paulus bleibt bei den Fakten, lässt nichts vom Evangelium aus und beschönigt auch nichts aus seiner Vergangenheit. Er hat nichts zu verbergen und nach all den Jahren im Dienst des Herrn merkt man ihm immer noch seine tiefe Dankbarkeit darüber an, dass Jesus damals sein Leben um 180 Grad gedreht hat. Paulus gibt Zeugnis von dem, was Gott für ihn getan hat, und verkündet die ganze Botschaft des Evangeliums. Und auch als Festus ihn schlussendlich unterbricht und hinausschreit, dass Paulus wahnsinnig geworden sei, lässt Paulus sich nicht aus der Ruhe bringen und verliert den Faden nicht, sondern sagt einfach: „Ich bin nicht wahnsinnig, verehrter Festus. Meine Worte sind wahr und ich weiß, was ich sage.“ (Vers 25) Paulus ist mutig. Dann macht Paulus etwas ungeheuer Mutiges, er spricht König Agrippa direkt an! Er appelliert geschickt an dessen Kenntnis der Schriften und stellt ihm eine direkte Frage. König Agrippa ist so aufgewühlt, dass er sich zu der Aussage hinreißen lässt: „Es fehlt nicht viel und du überredest mich noch ein Christ zu werden!“ (Vers 28) Jetzt kommt Paulus’ bester Moment, wo er einfach in die versammelte Menge hineinruft: „Ich bitte zu Gott, dass nicht nur du, sondern alle hier über kurz oder lang Christen würden wie ich – allerdings ohne Fessel!“ (Vers 29) Was für ein epochaler Moment! Die Worte von Paulus bringen den stolzen Agrippa so nahe an den Thron Gottes, dass er sich fast vor dem König der Könige verneigt hätte!! Dann erhebt er sich aber schnell, hat sich wahrscheinlich innerlich geschüttelt und geht mit seiner Gefolgschaft hinaus, um die Angelegenheit zu diskutieren. Alle sind sichtlich beeindruckt von Paulus’ Worten. Paulus bleibt natürlich Gefangener aber er selbst betrachtet seine Verteidigungsrede sicher als einen vollen Erfolg. Alle haben das Evangelium gehört! Die Ironie ist unübersehbar: Der in Fesseln ist der wahrhaft Freie und die, die ungehindert den Gerichtssaal verlassen, sind immer noch gefesselt in Ahnungslosigkeit und Unglaube. Wer weiß, wie lange die Worte von Paulus dem König Agrippa noch nachgegangen sind! Ich weiß nicht, ob ich je vor einem König meinen Glauben verteidigen muss, aber ich weiß, dass ich in meinem Alltag unzählige Situationen erlebt habe und noch erleben werde, wo ich mit Abwehr gegenüber Jesus Christus, der Wahrheit und den christlichen Werten konfrontiert bin. Auch mir ist es eine Freude, an meinem Arbeitsplatz in der Schule mit den Schülern und den Lehrerkollegen, am Elternabend, an der Universität, in Gesprächen mit den Lehrern meiner Töchter, im Flugzeug mit meinem Sitznachbar, beim Frauenfrühstück usw. meinen Glauben zu bezeugen… Jeder Tag birgt eine Möglichkeit, etwas von dem, was Gott in meinem Leben getan hat, weiterzugeben – egal wie die Situation ist. Ich möchte von Paulus lernen, mit voller Begeisterung immer bereit zu sein für die Wahrheit einzustehen, nie bitter und herablassend zu werden und stets voller Dankbarkeit zu bleiben für das, was Jesus Christus für mich getan hat. Edith Farley 27. und letzter TeilDas Ende ist der Neuanfang (Apg 28,11-31) Die letzten Verse der Apstelgeschichte berichten von den letzten Stationen, die Paulus als Gefangener auf seiner Reise nach Rom erlebt. Der Schiffbruch vor Malta zwingt die Schiffsbesatzung zum Überwintern auf der kleinen Mittelmeerinsel. Nun erreichen sie mit günstigem Wind Italien. Gemeindemitglieder – hier „Brüder“ genannt – empfangen den Apostel. Dann geht es auf dem Landweg in die große Hauptstadt Rom. Auch andere Brüder reisen Paulus entgegen und begleiten ihn auf den letzten Kilometern in die große Hauptstadt. Dieses Zeichen der menschlichen Zuneigung „baut“ Paulus innerlich auf. Er wird die kommenden Wochen und Monate unter Hausarrest verbringen müssen. Bewacht durch einen Soldaten kann er von dieser Wohnung aus als Prediger und Verkünder des Evangeliums wirken.
Paulus ist in seiner Bewegungsfreiheit sehr eingeschränkt. Das muss für den so rastlosen und emsigen Apostel eine furchtbare Belastung gewesen sein. Er kann jedoch mit Juden in Kontakt treten und seine Position als Jesus-Anhänger verteidigen. Unermüdlich versucht er deshalb die Anführer der jüdischen Gemeinde von seinem Glauben zu überzeugen. Dass er diesen aufgrund der Bücher des Mose und der Propheten gefunden habe: Jesus Christus ist die Erfüllung der Verheißungen des Alten Testaments. Der Erfolg seiner Predigt und seiner Überzeugungsversuche ist geteilt: teils Zustimmung, teils große Ablehnung. Das hat Paulus immer sehr geschmerzt. Dass seine Botschaft gerade bei den jüdischen Glaubensbrüdern auf taube, ungläubige Ohren gestoßen ist, während die HörerInnen aus dem Heidentum mit großer Anteilnahme und innerer Bereitschaft das „Heil von Gott“ aufgenommen haben. Dann folgen in der Apostelgeschichte noch zwei Verse:
Der Text bricht unvermutet ab. Ein merkwürdiger Schluss der Apostelgeschichte, denn wir erfahren nichts mehr über das Schicksal des Paulus. Wir wissen nicht, wie es dann zur Verurteilung und zur Hinrichtung durch das Schwert kam. „Die Lehre über Jesus Christus, dem Herrn“ sind die letzten Worte dieser Schrift. Ein Ende und ein Abschluss, die nochmals das bekräftigen und bestätigen, worauf es im Christentum eigentlich ankommt: es geht allein um den Herrn Jesus Christus, um die innere Beziehung und den Glauben an ihn. Der letzte Vers der Apostelgeschichte will nicht der Schlusspunkt sein, mit dem alles zu Ende ist, sondern Neuanfang und Start. Das habe ich auch heuer im Sommer als Jakobspilger beim Erreichen des Zieles, der großen Kathedrale in Santiago de Compostela entdeckt. Über einem der gotischen Portale findet sich das Christusmonogramm und die Inschrift mit dem Alpha und Omega, Α und ω, dem ersten und letzten Buchstaben des griechischen Alphabets: ein Hinweis auf Christus, der Anfang und Ende und Herr über alle Zeiten ist. Aber die Inschrift über dem Portal ist umgedr eht : Zuerst das ω und dann das Α. In einer Deutung dieser „verkehrten“ Inschrift habe ich gelesen: Du bist als Wallfahrer zwar am Ende und am Ziel deiner Pilgerschaft angelangt. Aber du bist gleichzeitig an einem Neuanfang. Wenn du in deinen Alltag zurückkehrst, bist du an einem neuen Beginn. So ist es auch mit dem Ende Apostelgeschichte. Sie ist Neuanfang für die Kirche, die Pfarrgemeinde heute. Wir dürfen die Apostelgeschichte mit unserem Leben weiterschreiben. Im Sinn unseres Erzbischofs Christoph Schönborn. „Apostelgeschichte 2010“ – wir bezeugen unseren Glauben an Jesus Christus in der Welt von heute. Pfarrer Georg Stockert |
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