St. Josef am UlanenwegMan schrieb das Jahr 1948 - die russische Besatzungsmacht war bei uns, bedingt durch die Nähe des Flugfeldes, sehr präsent. Die Straßenbahnlinie 317 war damals das einzige öffentliche Verkehrsmittel, Autos gab es kaum und auch Fahrräder waren noch Mangelware. Langsam aber normalisierte sich der Alltag und auch das pfarrliche Leben begann wieder aktiv zu werden. Pfarrer Frana und seinem Kaplan Rohrer war es ein großes Anliegen, auch jenen Gläubigen den Besuch einer Sonntagsmesse zu ermöglichen, die weit entfernt von St. Martin wohnten. Auf der Ladefläche eines LKW wurde ein Tisch montiert, an den Ecken des Tisches vier Stangen befestigt und darüber eine Plane gelegt. So war bei schlechtem Wetter zumindest das Allerheiligste geschützt. Um 8 Uhr gab es eine hl. Messe in der Stadtrandsiedlung und um 9 Uhr ganz draußen am Biberhaufenweg. Im Schnitt besuchten jeweils ca 70 Personen den "fliegenden" Gottesdienst.
Auf der Fahrt zum Gottesdienst wurde eine Schallplatte mit Glockengeläute abgespielt und über einen Lautsprecher, der am Dach des Wagens montiert war, nach außen übertragen. Trotz einer Plane, die man vom Wagendach wegspannen konnte, gab es bei Schlechtwetter Probleme.
Just zu der Zeit, als man in der Pfarre Aspern große Sorgen um die "obdachlos" gewordenen Kirchengeher der Region Lobau hatte (baupolizeiliche Sperre der Notkirche), war die Pfarre Glanzing im 19. Bez. ebenfalls mit Sorgen beladen allerdings ganz konträrer Art. Ihre Notkirche - ein barackenähnlicher Holzbau- wurde nicht mehr benötigt und sollte abgerissen und kostenpflichtig entsorgt werden. Diese Gelegenheit nützte unser damaliger Pfarrer Otto Klohna. Aspern besorgte kostenlos und schonend den Abbruch in Glanzing und bekam dafür die Holzkirche. Die Abtragung begann im Februar 1972. Zerlegt und die Teile numeriert wurde sie nach Aspern gebracht. Die Lagerung erfolgte teils auf dem Bauplatz, teils im Pfarrsaal. Nach einigen Verzögerungen erfolgte im Juni 1972 der Baubeginn und auf einen kircheneigenen Grundstück am Ulanenweg wurde die Kirche wieder aufgestellt. Was hier in wenigen Sätzen einfach und flott zu lesen ist, war in Wirklichkeit eine mühsame und langwierige Arbeit.
Mit der Christmette 1972 wurde der Betrieb in der neuen Filialkirche aufgenommen. Die feierliche Einweihung erfolgte am 2. Juni 1973 durch Erzbischof-Koadjutor Dr. Franz Jachym. 29 Jahre leistete das Kirchlein "St Josef, der Arbeiter" am Ulanenweg gute Dienste.
Zu besonderen Anlässen, z.B. zur Christmette, fanden sich freilich viel mehr Mitfeiernde ein. St. Josef war dann bis auf den letzten Platz gefüllt. Weil die Stimmung in der kleinen Kirche familiärer als in der großen Pfarrkirche war, kamen immer wieder Gläubige aus dem Ortskern von Aspern nach St. Josef. Anziehend wirkte auch, dass nur hier die Vorabendmesse am Samstag gefeiert wird. Durch den Zuzug von neuen Bewohnern wurde die Kirche noch bekannter, auch wenn sie wegen der hoch gewachsenen Birken vom Biberhaufenweg, her kaum sichtbar ist. Zwar war die Schar der Mitarbeiter nicht sehr groß, trotzdem lief alles reibungslos ab. Von Beginn an machte Herr Leopold Zima die Mesnerarbeit und die Kirchenreinigung (er wohnte gleich neben der Kirche). Nach seinem Tod 1982 übernahm unsere treue Frau Mayer die Kirchenreinigung, die Mesnerarbeit wurde seither von Alfred Gruber gemacht. Gemeinsam mit seiner Frau hielt er die Verbindung zur Pfarrkanzlei aufrecht. Durch das Wegsterben der alten Stammkirchenbesucher und der "Pioniere" von damals, sowie die "Konkurrenz" in Form der sehr modernen und auch wesentlich praktischeren Seelsorgestation St. Katharina wurde die Zahl der Kirchenbesucher immer geringer. Größere Reparatur- und Instandhaltungsarbeiten wären in nächster Zeit dringend notwendig gewesen. Deshalb beschloss im November 2000 der Asperner Pfarrgemeinderat, die Filialkirche zu schließen ( Aus für St. Josef). Die letzte liturgische Handlung war eine Maiandacht am 1. Mai 2001 ( Letzter Gottesdienst in St. Josef) November 2003 - Aus St. Josef wird kein Vinzidorf
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