Erntedank einst ...

Rosig waren sie nicht die ersten Jahre nach dem Krieg. Alles war rationiert und manchmal gab es nicht einmal das, was man mit den Abschnitten der Lebensmittelkarten bekommen sollte. Wir am Stadtrand hatten es ein wenig besser, jedes Fleckchen Erde wurde genützt um Kartoffel, Kukuruz und Gemüse anzubauen Es gab kaum ein Haus in dem nicht Hühner und Hasen gehalten wurden und so mancher "Kleinhäusler" fütterte heimlich ein Schwein. Heimlich deshalb - denn Tierhaltung war meldepflichtig, man hätte bei der Schlachtung einen Teil abliefern müssen.

"Not macht erfinderisch" und ein anderes Sprichwort sagt "Not lehrt die Menschen beten". Da die Bitte ums tägliche Brot erhört wurde, währe es unsere Pflicht, dem Herrgott auch DANKE zu sagen. Dies meinten damals unsere Pfarrkirchenräte und sie beschlossen ein Erntedankfest zu feiern.

Armselig und mit primitiven Mittel wurde begonnen, doch Jahr für Jahr ging es bergauf. Bestand der Festzug anfangs nur aus einigen Pferdewagen und viel "Fußvolk" (siehe Bild) wurde der Wein nicht mehr im Holzfass von Pillichsdorf geholt, sondern - welcher Fortschritt - in Flaschen geliefert. Gekühlt wurden die Getränke mit Blockeis in Aluwannen der Fleischerei Mitsch.

Der Festzug bekam fast den Charakter einer landwirtschaftlichen Ausstellung. Die Siedler zeigten stolz ihr Obst, die Gärtner präsentierten ihr Gemüse und die Bauern führten ihre landwirtschaftlichen Geräte mit. Der Begriff "Kaiserwetter" wurde bald umbenannt in "Franawetter", denn Pfarrer Frana hatte jahrelang das Glück zum Erntedankfest "Kaiserwetter" zu haben.

Kirchlicher Erntedank mit anschließend Tanz und Unterhaltung wurde jedes Jahr gefeiert, nur der Festzug wurde mangels an Interesse einige Jahre ausgesetzt. Doch seit 1988 gibt es ihn wieder und obwohl ich es kaum glauben kann - Prognose: "Interesse steigend". So wünsche ich mir, dass die Menschen noch weitere 50 Jahre nicht sagen - es war einmal - sondern - "Es gibtes noch immer .....!

Johannes Holba

Bilder folgen: Erntedankfestzug am 25.Oktober1949

Krone und Erntedankgaben wurden zu Fuß getragen.

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