Das Grundstück Flugfeld Aspern
Noch nicht Marchfeld, aber auch nicht
mehr Lobau, so könnte man die geografische
Lage jenes ca. 200 Hektar großen
Areals definieren, auf dem in den kommenden
Jahren ein eigenständiger Stadtteil
entstehen wird.
Dieses Gebiet diente den Menschen Jahrhunderte
lang für den Ackerbau. Besiedlungsspuren
(durch Ausgrabungen belegt)
reichen ca. 5000 Jahre zurück. 1809
musste hier Napoleon, nach verlustreichen
Kämpfen mit dem österreichischen
Heer unter Erzherzog Karl, seiner Armee
den Befehl zum Rückzug in die Lobau
geben.
Rund hundert Jahre später wurde die
Wiener Fluggesellschaft m.b.H. gegründet
und man begann, auf der von der
Gemeinde Wien zur Verfügung gestellten
großen Ackerfläche einen Flugplatz
zu bauen. Eröffnet wurde er mit einem
Flugmeeting (23. - 30. Juni 1912).
Auf dem sorgfältig planierten
und fest gewalzten Ackerboden
starteten und landeten die damals
noch sehr filigranen Flugapparate.
Die Piloten in ihren fliegenden
„Kisten“ begeisterten die Menschen
derart, dass sie in Scharen
nach Aspern pilgerten. Mit
Höhen- und Weitflugrekorden,
mit Sternflügen, Punktlandungen,
Wettfliegen usw. demonstrierten die
Flugpioniere ihr Können.
Der Ausbruch des ersten Weltkrieges
beendetet 1914 diese internationale,
friedliche und bunte Betriebsamkeit.
Ausbildung von Kriegspiloten, Endmontage
und Einfliegen der Aeroplane, die
in der Eßlinger Flugzeugfabrik „Aviatik“
gebaut wurden, lösten die Zivilfliegerei
ab. 1918 nach verlorenem Krieg musste
auf Anordnung der Siegermächte
alles demontiert und
zerstört werden. 1922 erlangte
Österreich wieder seine Lufthoheit
und Asperns Flugfeld
entwickelte sich zu einen Verkehrsflughafen.
Anfänglich wurde
mit der JU-F13 (2 Piloten und
4 Fluggästen) nur auf Inlandsstrecken
geflogen, doch bald
folgten auch Ziele im Ausland.
Nicht nur die Luftfracht und die
Passagierzahlen nahmen zu,
auch die Flugzeuge wurden immer
größer (Ju-G31de für 12 und die JU 52-
3m für 17 Fluggäste). 1931 wurde der
Flughafen Wien-Aspern von insgesamt
10 Fluggesellschaften angeflogen. Er war
einer der modernsten und durch seine
Nachtbefeuerung, Ansteuerungsfeuer,
Flugfunk- und Pfeilfunkstelle und sein
UKW-Funkbake-Instrumenten-Landesystem
(ILS) auch einer der sichersten
Flugplätze.
Johannes Holba
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