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Apostelgeschichte 2010 - Teil 6

Freitag, 1. Juni 2007

Apostelgeschichte 2010

Die Apostelgeschichte ist ein Zeugnis aus der kraftvollen Frühzeit der Kirche: Der Geist Gottes ist in seinem Wirken spürbar, leibhaft, nicht bloß als Idee! Dass die einen tot umfallen, dass andere geheilt werden, dass Gefangene aus dem Kerker entkommen: Gott macht´s, ohne dass ein Mensch auch nur „einen Finger rührt“. Was die Menschen tun müssen? Nur eines: durchlässig sein für die Kraft von oben!

Zwei Themen aus diesem Kapitel 5 können auch heute uns ChristInnen bewegen: „Sie hatten alles gemeinsam, ... jedem wurde so viel zugeteilt, wie er nötig hatte“, dieses Ideal steht auch am Beginn des 5. Kapitels (1-11).

Apg 5,1-5

Ein Mann namens Hananias aber und seine Frau Saphira verkauften zusammen ein Grundstück, und mit Einverständnis seiner Frau behielt er etwas von dem Erlös für sich. Er brachte nur einen Teil und legte ihn den Aposteln zu Füßen. Da sagte Petrus: Hananias, warum hat der Satan dein Herz erfüllt, dass du den Heiligen Geist belügst und von dem Erlös des Grundstücks etwas für dich behältst? Hätte es nicht dein Eigentum bleiben können, und konntest du nicht auch nach dem Verkauf frei über den Erlös verfügen? Warum hast du in deinem Herzen beschlossen, so etwas zu tun? Du hast nicht Menschen belogen, sondern Gott. Als Hananias diese Worte hörte, stürzte er zu Boden und starb. Und über alle, die es hörten, kam große Furcht.

Erzählt wird von einem Ehepaar, das dem Ideal der Gütergemeinschaft gerne nachkommen möchte, aber sie schaffen es nicht, sie behalten etwas von einem Grundstücksverkauf zurück. Nicht ihr Bedürfnis, ihren Besitz oder wenigstens etwas davon zu behalten, wird als Problem gesehen, sondern, dass sie im heimlichen Zurückbehalten sich selbst, der Gemeinde, letztlich Gott etwas vormachen und alle belügen. In der Spannung zwischen Ideal und (allzu) menschlichem Bedürfnis, so sagt der Text, muss niemand sich selbst Gewalt antun, es ist besser, sich Zeit zu geben, auf das Ideal hin zu wachsen. Jene, denen wir die Mühe, aber auch die Sehnsucht des Weges und des Wachstums ansehen können, sind wohl die glaubwürdigeren, weil „menschlicheren“ ZeugInnen. Eine „frohe Botschaft“ für alle, die gerne großherzig, bereit zum Dienen und zum Verzeihen, freigiebig, „selbstlos“ engagiert sein wollen - und immer mehr werden können!

Im persönlichen Leben, aber auch in unseren Gemeinschaften und in der Pfarre stehen oft Entscheidungen an oder müssen Bewertungen vorgenommen werden: Was sollen wir tun, in welche Richtung soll sich ein Projekt ... entwickeln? Vielstimmig sind die Meinungen, auf allen Seiten gibt es Vorlieben und Vorbehalte, Interessen, Eigenwilligkeiten und Blockaden. Oft sind wir unfähig, uns von der eigenen Voreinstellung zu lösen, „Objektivität“ ist nicht zu haben. Wie können wir also vorgehen? Für ChristInnen geht es zudem ja darum, Gottes Willen zu erkennen und zu tun, nicht nur die eigenen (geistlichen) Steckenpferde zu reiten.

Apg 5,34-36.38-40

Da erhob sich im Hohen Rat ein Pharisäer namens Gamaliël, ein beim ganzen Volk angesehener Gesetzeslehrer; er ließ die Apostel für kurze Zeit hinausführen. Dann sagte er: Israeliten, überlegt euch gut, was ihr mit diesen Leuten tun wollt. Vor einiger Zeit nämlich trat Theudas auf und behauptete, er sei etwas Besonderes. Ihm schlossen sich etwa vierhundert Männer an. Aber er wurde getötet, und sein ganzer Anhang wurde zerstreut und aufgerieben … Darum rate ich euch jetzt: Lasst von diesen Männern ab, und gebt sie frei; denn wenn dieses Vorhaben oder dieses Werk von Menschen stammt, wird es zerstört werden; stammt es aber von Gott, so könnt ihr sie nicht vernichten; sonst werdet ihr noch als Kämpfer gegen Gott dastehen. Sie stimmten ihm zu, riefen die Apostel herein und ließen sie auspeitschen; dann verboten sie ihnen, im Namen Jesu zu predigen, und ließen sie frei.

In Apg 5,18-42 wird geschildert, wie die Apostel predigen und heilen, und wie die religiösen Machthaber mit allen Mitteln (Predigtverbot, Gefängnis, Verhör, Folter und Todesbeschluss) versuchen, ihr Tun zu stoppen. Doch keine Maßnahme hilft, sie sind nicht zum Schweigen zu bringen! Das lässt in dem frommen Rabbi Gamaliel den Gedanken aufkommen, man könnte es hier möglicherweise doch mit Gottes Werk zu tun haben. Er nennt einen Grundsatz, der sich schon in der Geschichte oft bewahrheitet hat: Menschenwerk ist vergänglich und zerstörbar, ein Vorhaben aber hinter dem Gott steht, das seinem Willen entspricht, wird sich durchsetzen. Es ist also Vorsicht geboten, denn man könnte in Gefahr geraten, als Feind Gottes dazustehen!

Diese Unterscheidungsregel finden wir ganz ähnlich in Jesu Worten, die die Evangelien uns überliefern: Von der Geduld, die Weizen und Unkraut zusammen wachsen lässt (Mt 13,24-30), und von den guten Früchten (Mt 7,17-19), die an einem guten Baum zu finden sind.

Mag. Christa Steiner
Pastoralassistentin
Sie leitet die Erstkommunionvorbereitung in St. Martin


Apostelgeschichte 2010 - Teil 1

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