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Apostelgeschichte 2010 - Teil 20

Montag, 1. Dezember 2008

Apostelgeschichte 2010

Ich schreibe diese Zeilen im Bildungshaus in Freising bei München, wo ich diese Woche, zusammen mit anderen Priestern unserer Diözese Wien, an einem Jungpriestertreffen teilnehme. Was ich schreibe wird stark davon beeinflusst sein, was wir hier diese Woche besprechen.

Unsere Kirche scheint heute in einem tiefen Wandel zu stehen, weg von einer Volkskirche, zu der selbstverständlich alle dazugehören, zu einer Kirche von wenigen, dafür aber entschlossenen Christen. Die Zahl der Kirchenbesucher nimmt seit Jahren ab, gleichzeitig aber gibt es durchaus Gruppen, auch von jungen Christ- Innen, die umso entschiedener für den Glauben eintreten und sich aktiv in die Gemeinden einbringen.

Von diesem Wandel sind natürlich auch die Priester betroffen. Während sie früher von vorn herein Autorität besaßen, müssen sie heute immer mehr zu Lebenskünstlern werden, die mit viel Einfall erst mal herausfinden müssen, wie sie sich in ihre Gemeinden positiv einbringen, wo ihr Beistand und Einsatz wirklich gebraucht werden.

Das Bild, welches die Apostelgeschichte von Paulus zeichnet, ist auch das eines Lebenskünstlers. Er hat es gelernt, „allen alles zu werden um wenigstens einige zu retten“ (1Kor 9, 22). Ergriffen von der Botschaft vom Heil in Jesus Christus, hat er sein Leben dem Ziel verschrieben, dass sie allen bekannt wird, und dass Gemeinden von Glaubenden entstehen und wachsen können. Seine leidenschaftliche und kompromisslose Verkündigung eckte oft bei einflussreichen Bürgern an – er fand aber auch immer einen Weg, wenn es für ihn in einer Stadt „zu heiß“ wurde, in die nächste zu ziehen, um dort neue Freunde für die Botschaft zu gewinnen.

Davon erzählt uns im 19. Kapitel der köstliche Bericht vom Aufruhr der Silberschmiede, den ich hier aus Platzmangel nicht ausführe. Ich möchte hier nur ein paar Gedanken mitteilen, die in mir die ersten zwei Abschnitte des Kapitels auslösen.

Apg 19, 1-6

Während Apollos sich in Korinth aufhielt, durchwanderte Paulus das Hochland und kam nach Ephesus hinab. Er traf einige Jünger und fragte sie: Habt ihr den Heiligen Geist empfangen, als ihr gläubig wurdet? Sie antworteten ihm: Wir haben noch nicht einmal gehört, daß es einen Heiligen Geist gibt. Da fragte er: Mit welcher Taufe seid ihr denn getauft worden? Sie antworteten: Mit der Taufe des Johannes. Paulus sagte: Johannes hat mit der Taufe der Umkehr getauft und das Volk gelehrt, sie sollten an den glauben, der nach ihm komme: an Jesus. Als sie das hörten, ließen sie sich auf den Namen Jesu, des Herrn, taufen. Paulus legte ihnen die Hände auf, und der Heilige Geist kam auf sie herab; sie redeten in Zungen und weissagten.

In Ephesus begegnet Paulus zuerst einer Gruppe von Jüngern, also Bekennern, Gläubigen, denen jedoch ein wesentliches Element fehlte. Der strenge Bußprediger Johannes hat sie auf den Weg gebracht, aber es fehlte ihnen der Geist, ja sie haben „noch nicht einmal gehört, dass es einen Heiligen Geist gibt“. Es geht dabei, denke ich, weniger darum, dass ihnen das präzise dogmatische Bekenntnis fehlte, als vielmehr, dass sie noch nicht die Erfahrung gemacht haben, in der Dynamik und der Freude, die der Heilige Geist schenkt, ihren Glauben zu bekennen. Die eigentliche Kraft des Glaubens kommt aus einer lebendigen Beziehung zu Christus, durch den Heiligen Geist. (V. 5-6). Als Paulus ihnen die Hände auflegt und sie diesen Geist empfangen, beginnen sie, auf eine neue Art Zeugnis zu geben.

Es ist sicher nicht gerecht, das Amt und das Charisma, die Strukturen und den „Geist“ gegeneinander auszuspielen. Aber vielleicht gibt es in unserer Kirche strukturelle Zwänge, die einer immer größeren Anstrengung bedürfen, um aufrechterhalten zu werden, deren geistlicher Ertrag aber fraglich ist? Die mit unserem Kernauftrag der Glaubensverkündigung und Bezeugung nichts mehr zu tun haben? Die unsere Energie und Personal „verheizen“, so dass für eine neue missionarische Kreativität keine Kapazitäten mehr übrig bleiben?

Apg 19, 8-10

Er ging in die Synagoge und lehrte drei Monate lang freimütig und suchte sie vom Reich Gottes zu überzeugen. Da aber einige verstockt waren, sich widersetzten und vor allen Leuten den (neuen) Weg verspotteten, trennte er sich mit den Jüngern von ihnen und unterwies sie täglich im Lehrsaal des Tyrannus. Das geschah zwei Jahre lang; auf diese Weise hörten alle Bewohner der Provinz Asien, Juden wie Griechen, das Wort des Herrn.

Die Synagoge bildete immer den Ausgangspunkt für die Predigertätigkeit des Paulus. Es kommt jedoch – hier wie andernorts – zu einem Konflikt: seine Botschaft scheint den traditionellen Rahmen der jüdischen Frömmigkeit unreparierbar zu sprengen. Seiner genialen Entscheidung, die bis dahin unhinterfragbare Trennung zwischen den Gläubigen (Juden) und den Heiden zu überwinden, verdanken wir die Zukunft des Christentums. Diese Entscheidung, die Paulus viele Kontroversen und Feinde, auch innerhalb der jungen Kirche, bereitet hat, die er selbst gegenüber Petrus verteidigen musste (Gal 2,14) – sie hat es erst ermöglicht, dass der Glaube an Jesus Christus den engen volkstümlichjüdischen Rahmen überschreiten und sich in der von den Römern „globalisierten“ Welt etablieren konnte.

Diese Passage empfinde ich als eine Ermutigung, eine Einladung, keine Angst zu haben, Grenzen zu überschreiten, wenn es darum geht, die Botschaft vom Heil in unserer Welt durch Wort und Tat zu verkünden.

MMag. Daniel Kamieniecki
Kaplan


Apostelgeschichte 2010 - Teil 1

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