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Apostelgeschichte 2010 - Teil 24

Mittwoch, 1. April 2009

Apostelgeschichte 2010

Apg 23,11

In der folgenden Nacht aber trat der Herr zu Paulus und sagte: Hab Mut! Denn so wie du in Jerusalem meine Sache bezeugt hast, sollst du auch in Rom Zeugnis ablegen.

Durch sein Damaskuserlebnis wird Paulus von Tarsus von einem Verfolger der Urchristen zum Apostel Jesu Christi, eine Glaubenserfahrung, die ihn ein Leben lang nicht mehr loslässt. Am Ende seiner 3. Missionsreise wird Paulus in Jerusalem verhaftet. Bedeutet dies das Ende seiner Missionstätigkeit? Nein! In einer nächtlichen Vision spricht ihm der Herr Mut zu, er soll in der damaligen Welthauptstadt Rom als Missionar tätig sein.

Wenn ich das heute lese, frage ich mich: Kann denn der Glaube so stark werden, dass alles andere in den Hintergrund gestellt wird? Kann man in Zeiten des Internet, der MP3-Player oder der Energiesparlampe überhaupt noch glauben?

Doch und sogar viel mehr als man vermuten sollte. Bei Gesprächen in meinem beruflichen und privaten Umfeld wird mir sehr oft der (vorhandene) Glaube an Gott bestätigt, der Kirche gegenüber wird jedoch eine reservierte Haltung eingenommen. Und in der Tat: die medialen „Eigentore“ der letzten Wochen, besonders der röm. kath. Kirche, sind tatsächlich nicht ohne.

Jetzt ist es allerdings so, dass man diese negativen Schlagzeilen in den Medien mehr wahrnimmt (oder wahrnehmen will z.B. für eine persönliche Ausrede, um den Gottesdiensten fernzubleiben) als die tatsächliche Arbeit, die von der Kirche geleistet wird. Ich möchte da nur die zahl- reichen sozialen Einrichtungen (z.B. Caritas und Missio) und auch die direkte Hilfe für notleidende Menschen in Aspern erwähnen.

Es ist schön zu sehen, wie viele freiwillige Helfer im Hintergrund sich für die gute Sache einsetzen und einen Beitrag für die Allgemeinheit leisten. Nicht zu vergessen ist auch die oft sehr schwierige Tätigkeit in Hospizeinrichtungen, an der die Kirche maßgeblich beteiligt ist.

Und ohne einen gewissen Konservatismus würde die Kirche nicht Bestand haben. Dass die Rehabilitation von Galileo Galilei durch Papst Johannes Paul II. erst 1992 erfolgte, zeigt von diesem Konservatismus. Der berühmte Ausspruch „und sie dreht sich doch“ (die Erde um die Sonne) bei der Anhörung vor Papst Urban VIII. im Jahr 1632 ist bis heute in Erinnerung. Aber immerhin. Und wer hätte damals gedacht dass Galileo Galilei jetzt eine Statue im Vatikan erhalten soll.

Gibt es eigentlich noch heute einen Paulus, der so fest und unbeirrt für seinen Glauben eintritt? Ich musste da nicht lange suchen und bin, stellvertretend für viele andere, bei Maximilian Kolbe fündig geworden. Er ließ sich 1941 im KZ Auschwitz-Birkenau bei einer Strafaktion freiwillig anstelle eines bereits aussortierten Mithäftlings in den berüchtigten „Hungerbunker“ einsperren und wurde dann später mit einer Giftspritze hingerichtet. Der Mithäftling, für den Kolbe gestorben war, überlebte das KZ. Er war Zeuge bei der Heiligsprechung Kolbes durch Papst Johannes Paul II. am 10. Oktober 1982.

Ich möchte aber nicht den Eindruck erwecken, dass nur ein Märtyrerschicksal den Glauben bezeugt. Im projekt.firmung (der Firmvorbereitung), bei dem ich mitarbeite, wird der Glaube von den jugendlichen Firmlingen sehr offen und kritisch hinterfragt. Ich konnte aber eine sehr po- sitive Einstellung „hin zur Kirche“ feststellen. Zum Beispiel: Das Sammeln der Plastikverschlüsse zur Unterstützung für den behinderten Levente hat sich bei den Firmlingen regelrecht zu einem internen Wettbewerb entwickelt.

Wie ist es dann Paulus weiter ergangen? Durch seine Standhaftigkeit – und durch seinen, sagen wir einmal, Draht nach oben war Paulus der Feindschaft seiner Umgebung ausgesetzt. Und so kam es wie es kommen musste:

Apg 23,27

Dieser Mann wurde von den Juden ergriffen und wäre beinahe von ihnen umgebracht worden; da habe ich mit der Wachtruppe eingegriffen und ihn befreit. Ich hatte nämlich erfahren, dass er Römer ist. 29 Ich fand heraus, dass er wegen Streitfragen über ihr Gesetz angeschuldigt wird, dass aber keine Anklage gegen ihn vorliegt, auf die Tod oder Haft steht.

– so stand es im Begleitbrief, den der Oberst dem Gefangenentransport nach Cäsarea mitgab.

Noch mal davongekommen. Paulus, der unerbittliche Verfolger ist selbst zum Verfolgten geworden. Aber er hatte das Glück, den richtigen Pass zu besitzen und konnte sich sozusagen in die Botschaft flüchten. Ohne römische Staatsbürgerschaft hätte er diesen Vorfall nicht überlebt.

Man kann heute davon ausgehen, dass es ohne die Missionstätigkeit des Paulus im Mittelmeerraum und in Rom kein Christentum in Europa geben würde. Obwohl er dem irdischen Jesus persönlich niemals begegnet ist, hat Paulus bis zu seinem gewaltsamen Lebensende an seinem Missionsauftrag festgehalten.

Der Legende nach wurde Paulus im Jahr 64 unter Kaiser Nero als römischer Bürger „nur“ enthauptet. Petrus, der nicht Bürger von Rom war, wurde hingegen mit dem Kopf nach unten gekreuzigt.

Das Hochfest von Paulus wird am 29. Juni gefeiert, das Fest der Bekehrung des hl. Paulus am 25. Jänner.

Harald Labenbacher
Mitarbeiter in St. Katharina und Firmbegleiter


Apostelgeschichte 2010 - Teil 1

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