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Apostelgeschichte 2010 - Teil 27

Dienstag, 1. September 2009

Apostelgeschichte 2010

Apg 26,1-3

Da sagte Agrippa zu Paulus: Du hast die Erlaubnis, in eigener Sache zu reden. Paulus erhob die Hand und sagte zu seiner Verteidigung: Ich schätze mich glücklich, König Agrippa, dass ich mich heute vor dir verteidigen darf wegen all der Dinge, die mir die Juden vorwerfen, besonders, da du ein Kenner aller jüdischen Satzungen und Streitfragen bist. Deshalb bitte ich, mich geduldig anzuhören.

Am Ende des vorherigen Kapitels haben wir Paulus in einer Gefängniszelle in Fesseln zurückgelassen. Festus, der Stadthalter, weiß nicht, wie er es rechtfertigen soll, dass Paulus vor den Kaiser nach Rom geschickt wird. Die Anklage ist sehr dünn und Festus hofft, dass König Agrippa vielleicht eine kreative Idee für eine Anklageschrift hat, die man mit Paulus nach Rom schicken könnte.

Man muss sich die Situation einmal bildlich vorstellen: Paulus wird in Fesseln in den Gerichtssaal geführt und beginnt seine Verteidigungsrede vor König Agrippa und den Versammelten mit „Ich bin sehr froh!“ Was für ein Einstieg!! Paulus wird beschuldigt, muss leiden, hat Fesseln, wird fälschlich angeklagt und er freut sich???

Was für einen Grund hat er, sich zu freuen?? Er freut sich, wieder seinen Glauben zu verteidigen. Er hat wieder eine Möglichkeit Zeugnis zu geben! Er hätte allen Grund, die Fassung zu verlieren, aggressiv zu werden, zu raunzen oder sogar Gott selbst anzuklagen. „Gott ich habe dein Wort verkündet, ich habe alles gemacht was du wolltest! Schau, wo das mich hingebracht hat! Ist das, wie du deine treusten Mitarbeiter behandelst?

Paulus aber vertraut völlig seinem Gott und weiß, dass er genau jetzt im Willen Gottes steht und Gott ihn nicht einen Moment alleine lässt. Paulus ist ruhig, höflich und voller Respekt gegenüber seinem Publikum, das gelinde gesagt einen völlig anderen Lebenswandel hat als er.

Paulus gibt Zeugnis und alle hören ihm gebannt zu! Paulus bleibt bei den Fakten, lässt nichts vom Evangelium aus und beschönigt auch nichts aus seiner Vergangenheit. Er hat nichts zu verbergen und nach all den Jahren im Dienst des Herrn merkt man ihm immer noch seine tiefe Dankbarkeit darüber an, dass Jesus damals sein Leben um 180 Grad gedreht hat.

Paulus gibt Zeugnis von dem, was Gott für ihn getan hat, und verkündet die ganze Botschaft des Evangeliums. Und auch als Festus ihn schlussendlich unterbricht und hinausschreit, dass Paulus wahnsinnig geworden sei, lässt Paulus sich nicht aus der Ruhe bringen und verliert den Faden nicht, sondern sagt einfach: „Ich bin nicht wahnsinnig, verehrter Festus. Meine Worte sind wahr und ich weiß, was ich sage.“ (Vers 25)

Paulus ist mutig. Dann macht Paulus etwas ungeheuer Mutiges, er spricht König Agrippa direkt an! Er appelliert geschickt an dessen Kenntnis der Schriften und stellt ihm eine direkte Frage. König Agrippa ist so aufgewühlt, dass er sich zu der Aussage hinreißen lässt: „Es fehlt nicht viel und du überredest mich noch ein Christ zu werden!“ (Vers 28)

Jetzt kommt Paulus’ bester Moment, wo er einfach in die versammelte Menge hineinruft: „Ich bitte zu Gott, dass nicht nur du, sondern alle hier über kurz oder lang Christen würden wie ich – allerdings ohne Fessel!“ (Vers 29)

Was für ein epochaler Moment! Die Worte von Paulus bringen den stolzen Agrippa so nahe an den Thron Gottes, dass er sich fast vor dem König der Könige verneigt hätte!! Dann erhebt er sich aber schnell, hat sich wahrscheinlich innerlich geschüttelt und geht mit seiner Gefolgschaft hinaus, um die Angelegenheit zu diskutieren. Alle sind sichtlich beeindruckt von Paulus’ Worten.

Paulus bleibt natürlich Gefangener aber er selbst betrachtet seine Verteidigungsrede sicher als einen vollen Erfolg.

Alle haben das Evangelium gehört! Die Ironie ist unübersehbar: Der in Fesseln ist der wahrhaft Freie und die, die ungehindert den Gerichtssaal verlassen, sind immer noch gefesselt in Ahnungslosigkeit und Unglaube.

Wer weiß, wie lange die Worte von Paulus dem König Agrippa noch nachgegangen sind!

Ich weiß nicht, ob ich je vor einem König meinen Glauben verteidigen muss, aber ich weiß, dass ich in meinem Alltag unzählige Situationen erlebt habe und noch erleben werde, wo ich mit Abwehr gegenüber Jesus Christus, der Wahrheit und den christlichen Werten konfrontiert bin. Auch mir ist es eine Freude, an meinem Arbeitsplatz in der Schule mit den Schülern und den Lehrerkollegen, am Elternabend, an der Universität, in Gesprächen mit den Lehrern meiner Töchter, im Flugzeug mit meinem Sitznachbar, beim Frauenfrühstück usw. meinen Glauben zu bezeugen… Jeder Tag birgt eine Möglichkeit, etwas von dem, was Gott in meinem Leben getan hat, weiterzugeben – egal wie die Situation ist.

Ich möchte von Paulus lernen, mit voller Begeisterung immer bereit zu sein für die Wahrheit einzustehen, nie bitter und herablassend zu werden und stets voller Dankbarkeit zu bleiben für das, was Jesus Christus für mich getan hat.

Edith Farley
verheiratet, Mutter dreier Töchter
unterrichtet Religion in einer Handelsakademie


Apostelgeschichte 2010 - Teil 1

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