Sünderin oder Verkünderin?

Juli 2025

Magdalena, Marlene und manche Lena feiern ihren Namenstag am Festtag der hl. Maria von Magdala. Warum wir diese verehren.

„Dieser Mann ist nur ein Mann, wie es so viele für mich gab vorher – von ihrer Art ist er, nur einer mehr”, seit Maria Magdalena das bei „Jesus Christ Superstar“ sang, sehen viele in ihr eine Prostituierte und Jesu‘ „Gefährtin“, oder wie wir heute sagen würden: Geliebte. Diese Darstellung ist nicht gänzlich Erfi ndung des britischen Musical- Texters Tim Rice, sondern setzt auf einen Irrtum aus dem sechsten Jahrhundert auf.

In Israel soll zur Zeit Jesu jede vierte Frau den Namen Mirijam – Maria – getragen haben, auch viele der in der Bibel erwähnten Frauen. Laut Bibeltheologin Annete Jantzen unterlag wohl Papst Gregor I einem Missverständnis, indem er aus Maria von Magdala, Maria von Betanien und einer anonymen Frau, von der es im Lukas-Evangelium (Lk 7,36-50) heißt, sie sei „eine Sünderin“ gewesen, eine einzige Frau machte.

Die Synoptiker Lukas, Matthäus und Markus erzählen, Jesus habe aus Maria Magdalena sieben Dämonen ausgetrieben, die aber nicht näher defi niert werden. Die Bibel meint mit Dämonen meist böse Geister, die Menschen verführen oder krank machen. Papst Gregor deutete die sieben Dämonen als die „sieben Todsünden“ der christlichen Lehrtradition, deren eine die Wolllust ist. Er stellte Maria Magdalena als Prototyp für den sündigen Menschen schlechthin dar. Viele Maler*innen zeigten Maria Magdalena daher mit lang-wallendem, „sündig“-rotem Haar und teilweise entblößt, oder wie bei Anton Raff ael Mengs im 18. Jahrhundert mit einer Geisel als Symbol für die in Sünde gefangene Seele.

Maria Magdalen gehörte aber auch zur ständigen Gefolgschaft Jeus und wird – wie Petrus – immer dann mitgenannt, wenn es um den engsten Kreis der Jüngerschaft geht. So erklärt sich, warum in anderen Gemälden Maria Magdalena mit dem Mantel der Apostelschaft , mit Totenkopf und Salbgefäß als Augenzeugin der Kreuzigung, oder mit dem Buch der Lehre und Verkündung dargestellt wird.

Alle Evangelien bezeugen, dass der Auferstandene zuerst Maria Magdalena erschien und sie beauft ragte, den anderen seine Auferstehung zu verkünden – auch wenn die anderen Jünger das dann erst nicht glauben konnten. Von den Kirchenvätern Hippolyt von Rom im dritten Jahrhundert und Th omas von Aquin im Mittelalter als „Apostelin der Apostel“ bezeichnet, dürfen wir die Hl. Maria Magdalena seit 2016 an ihrem eigenen Festtag am 22. Juli als solche verehren; als jene, die den Verkündern verkündete. Wir dürfen sie aber auch als jene verehren, die Jesus mutig über den Tod hinaus folgte und auch heute als erste Apostelin uns allen von der Auferstehung verkündet.

  • Mehr zum  Thema: https://orf.at/stories/3207524/
  • Buch zum  Thema: Silke Petersen, Maria aus Magdala Die Jüngerin, die Jesus liebte ISBN: 978-3374028405

Eva Kohl


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