Wegweiser für eine Rückkehr zur Verbundenheit

September 2025

10 Jahre sind vergangen, seit Papst Franziskus seine Umweltenzyklika Laudato si veröffentlicht hat. Darin beschreibt er detailliert die Missstände, welche eine Haltung des Immer-mehr und Nie-genug mit sich gebracht hat. Und er appelliert nachdrücklich an alle Menschen guten Willens, aktiv zu werden. Und sie ist wegweisend dafür, welche Veränderungsprozesse geschehen sollen.

Der Andachtsweg für die Erde

In dieser Zeit und auf diesem Hintergrund ist auch der „Andachtsweg für die Erde“ in St. Martin entstanden, der von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen – von innerhalb und außerhalb der Pfarrgemeinde – gestaltet wurde. Er beleuchtet einige Bereiche unserer Lebensart, in denen es dringend ein Hinwenden zu einer anderen Sichtweise, einem anderen Handeln braucht, wenn es uns am Herzen liegt, dass auch unsere Kinder und Enkelkinder noch eine lebenswerte Welt vorfinden.

Der materielle Wohlstand und seine Folgen

In den Industrienationen haben wir ständig verfügbaren Überfluss … in jedem noch so kleinen Supermarkt gibt es Meeresfische und Früchte aus fernen Ländern, massenhaft billige Kleidung in allen Einkaufszentren, zahllose Handys, Laptops, Elektrogeräte, Autos … einen bisher nie dagewesenen materiellen Wohlstand.

Gleichzeitig ist aber etwas ganz Wesentliches verloren gegangen. Mit der Herstellung von Massenware geht immer die Verbundenheit verloren. Wenn Tiere und Pflanzen oder der Boden nur noch unter dem Gesichtspunkt ihrer Produktivität betrachtet werden, werden sie zur Um-Welt statt zu einer Mit-Welt, die einen respektvollen Umgang verdient. Die ständige Verfügbarkeit führt zum Verlust der Dankbarkeit.

Verbundenheit schafft Dankbarkeit und Dankbarkeit Verbundenheit

Indigene Kulturen hatten und haben dazu eine andere Haltung. Bei den Haudenaussee in Nordamerika etwa gibt es ein tägliches Ritual der Danksagung an alle Aspekte der Schöpfung. Beispielhaft sollen hier zwei angeführt werden.

Wir sind unserer Mutter, der Erde, dankbar, denn sie gibt uns alles, was wir zum Leben brauchen. Sie trägt unsere Füße, wenn wir auf ihr gehen. Wir freuen uns, dass sie weiter für uns sorgt, so wie sie es von Anbeginn der Zeit getan hat. Unserer Mutter entrichten wir Dank, Liebe und Respekt. Unsere Gedanken, unsere Herzen sind nun vereint.

Nun wenden wir unsere Gedanken dem Schöpfer zu, dem großen Geist, und entrichten Gruß und Dank an alle Gaben seiner Schöpfung. Alles, was wir zum Leben brauchen, ist hier auf Mutter Erde. Für alle Liebe, die uns immer noch umgibt, vereinen wir unsere Gedanken und Herzen und entrichten unseren innigsten Gruß, unseren tiefsten Dank an den  Schöpfer. Jetzt sind unsere Gedanken, unsere Sinne vereint.

Wenn wir das auch vielleicht etwas anders formulieren würden, so ist doch eine Essenz spürbar, die uns auf einen Pfad des Miteinanders führt, der etwas für alle Heilsamens in sich trägt.

Der Andachtsweg wurde in der Hoffnung gestaltet, Wegweiser zu sein, um aus einer Kultur der Trennung zurückzufinden in eine Kultur der Verbundenheit, die getragen ist von Mitgefühl, Respekt und Achtsamkeit. Und er wurde in der Hoffnung gestaltet, dass er zu einem Zusammenwirken aller Menschen guten Willens beiträgt – für ein zukunftsfähiges Leben auf dieser von unserem Schöpfer so wunderbar gemachten Erde.

Denn unser Herz kennt die Verbundenheit, die es zwischen allem und jedem gibt. Weil sie da ist.

 

Renate Delpin


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