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Franziskus und Rosario

Sonntag, 24. März 2013 , 08:00 Uhr

Was haben Jorge Mario Bergolio und Rosario Graciela Sassano-Rausch gemeinsam?

Sie erblickten in Argentinien als Nachfahren italienischer Einwanderer das Licht der Welt, sie machen beide einen offenen, humorvollen Eindruck, lieben allem Anschein nach Tiere und sie sind beide – das spürt man deutlich – getragen von einem starken Glauben. Jorge ist der Welt seit wenigen Tagen als Papst Franziskus ein Begriff und lebt jetzt in Rom, Rosario wohnt seit Jahrzehnten in Aspern und spricht gern über ihre Heimat.

Franziskus und Rosario Jeder Dritte der 40 Millionen Argentinier lebt im Großraum Buenos Aires. Das Land ist flächenmäßig so groß, dass es eine reiche Vielfalt an Klimazonen, Landschaften, Bräuchen und Kulturen bietet. Was unterscheidet für Rosario das lateinamerikanische Land von Europa, Österreich? Die Verwaltung in Argentinien ist nicht immer zuverlässig, manchmal chaotisch. Sind die Menschen anders? Nach einer Weile zählt Rosario die Eigenschaften auf, die einem schon nach wenigen Tagen des neuen Pontifikats aufgefallen sind. Argentinier strahlen im Umgang mit ihren Mitmenschen herzliche Wärme aus, sie sind oft sehr spontan im Reden und Handeln und sie haben viel weniger Berührungsängste – im ursprünglichen Sinn des Wortes – als Europäer.

Auch die düsteren Seiten ihrer argentinischen Vergangenheit blendet Rosario nicht aus. Gibt es Erinnerungen an die Militärdiktatur? Rosario musste in den 70er Jahren ihr Soziologiestudium abbrechen, weil diese Wissenschaft der Junta als verdächtig galt. Terror und Angst waren so groß, dass die StudentInnen alle Bücher verbrannten, es durfte kein Druckwerk gefunden werden, in dem vielleicht der Name Marx aufschien. Rosario möchte jedenfalls Anschuldigungen nicht bewerten, zu unvorstellbar schrecklich war die Zeit, zu wichtig sind ihr Verzeihung und Versöhnung.

Wie erlebte Rosario die Wahl des neuen Papstes? Schmunzelnd meint sie, dass ihr schon eingefallen sei „Jetzt sind wir Papst.“ Über die Jesuiten in Argentinien weiß sie viel Positives zu berichten, ihren Einsatz für die indigenen Völker, ihre Bildung, ihre vorurteilsfreie Haltung. Die Frage nach Erwartungen an Franziskus muss noch gestellt werden. Rosario wünscht sich eine gemeinsame Erneuerung der Kirche, eine vor allem betende und dienende Kirche, eine Kirche der Sehnsucht vom Evangelium genährt, eine Kirche der Zuwendung zu den Armen als Verwirklichung des Auftrags Jesu. Rosario verfolgt in den Medien genau, welche Worte Papst Franziskus verkündet. Viele der Hoffnungen, die sie mit dem neuen Pontifikat verbindet, könnten demnach in Erfüllung gehen. Franziskus und Rosario haben in der Tat viel mehr gemeinsam, als der erste Blick zeigt.

Das Gespräch führte
Brigitta Mychalewicz


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