Christus berühren

Dienstag, 1. Jänner 2019

Jeden Sonntag finden sich ein paar aufgeschlossene und neugierige Ministrantinnen und Ministranten in St. Edith Stein ein, um gemeinsam mit der Gemeinde die heilige Messe zu feiern und den Dienst am Altar zu erlernen oder das Gelernte in die feierliche Praxis umzusetzen. Dass sie ihren Aufgaben mit viel Freude und Offenheit nachgehen, merkt man im  gemeinsamen Feiern. Nichts ist starr oder „in bester Ordnung“, sondern da wird hin und wieder improvisiert, es braucht den Kontakt untereinander und zum Priester oder zur Feiergemeinde, manchmal eine kurze Anweisung. Weil  MinistrantInnen auch in der Messfeier Kinder bleiben, wird manchmal auch das Zingulum – der farbige Gürtel –  geschwungen, Leuchtschuhe betrachtet, gekichert, über die richtige Praxis einer Aufgabe diskutiert. Am Altar wird gerne still im Messbuch mitgelesen, das wechselnde Gespräch zwischen Gemeinde und Priester beobachtet, die Gebete und zeichenhaften Handlungen des Priesters aufmerksam nachvollzogen.

Selbst am Altar, der Sinnbild für Jesus Christus ist, sind nicht alle Hände gefaltet, wie es im Lehrbuch steht; manche Hände liegen darauf, manche halten sich dort an; dort, wo das Geheimnis unseres Glaubens wahrhaftig wird, dort wo Christus uns ganz nahe ist. Mich bewegen diese Augenblicke von Mal zu Mal: Nicht vorrangig, weil ich sehe, was noch einzuüben ist. Nein, vielmehr komme ich immer wieder auf einen Gedanken zurück: Ist es nicht das, wonach wir uns als Menschen, als Christinnen und Christen sehnen? – Christus berühren und von Christus berührt werden. Zachäus (Lk 19,3), Thomas (Joh 20, 27-28), Jairus (Mk 5,22), die blutflüssige Frau (Lk 8,44), die Sünderin (Lk 7,38), die drängende Menschenmenge erhofften sich wohl alle dasselbe: Die Gegenwart Jesu zu spüren, Teil seiner Heiligkeit zu sein, sein Leben in ihrem Leben zu erkennen.

In diesem Sinn kann man auch den Dienst der Ministrantinnen und Ministranten am Altar als Ausdruck von Zuwendung, Hoffnung und Glaube und als Beziehungsgeschehen Gottes mit uns Menschen entdecken: In der Hand, die sich am Altar festhält, kommt unser Leben sinnbildlich mit Gott in Berührung.

Bernadette Schilling

Bernadette Schilling

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