Asperner Kirchturm

der Kirchturm heuteDas ursprüngliche Aspern war ein charakteristisches „Wehrdorf“. Die lückenlosen Häuserzeilen: Donau- und Auzeile (Zachgasse), Bodenzeile (Lobaugasse) und Feldzeile (Wimpffengasse) umschlossen den 450 x 130 m großen Anger, den heutigen Siegesplatz. Diese geschlossene Bausubstanz war nur durch 3 Tore (Falltore, die man bei Gefahr schließen konnte) unterbrochen. Der Gemeindegraben, (ein schiffbarer Donauarm) südlich und ein Wassergraben nördlich des Ortes waren ein zusätzliches Hindernis für „ungebetene Besucher.“ Im Laufe der Jahrhunderte gab es im Marchfeld genug davon, z.B. die Kumanen, Hussiten, Schweden, Türken, aufständische Ungarn und Tataren, protestantische Böhmen, Kuruzzen und andere, dazwischen immer wieder Räuberbanden.

Ein Wehrdorf wie Aspern konnte zwar keiner Belagerung oder einem kriegerischen Ansturm standhalten, aber gegen kleine Gruppen, die abseits ihrer Truppen auf leichte Beute aus waren, oder Horden, die schnell grenzüberschreitend hier raubten und mordeten und sich dann rasch zurückzogen, dagegen konnte man sich wohl wehren.

Von einem Wehrturm, den man westlich, knapp außerhalb des Ortes auf einem kleinen Hügel errichtete, hatte man einen guten Weitblick tief ins Marchfeld hinein. Bei Gefahr konnte man rechtzeitig Alarm schlagen und sich zur Verteidigung vorbereiten. Vom Turm aus hatte man auch den „Feind Donau“ im Blickfeld. Bei Hochwasser und besonders bei einem drohenden Eisstoß konnte man genau beobachten, welche Richtung die Wasser- bzw. Eismassen nahmen und dem entsprechend Melker Pfarre St. Martin Aspern (Ausschnitt)reagieren. Wann dieser Wehr- bzw. Wartturm erbaut wurde ist leider nicht bekannt. Anfang 1670 gab es extrem strengen Frost, und ein plötzlich darauf eintretendes Tauwetter löste ein gewaltiges Hochwasser aus. Die Asperner Kirche, sie stand damals am östlichen Ende des Ortes, wurde dabei total zerstört. Pfarrer Rämpelhuber bewog die Gemeinde (unter Ortsrichter Georg Pannzer), einen Kirchenneubau westlich
des Ortes, mit Einbeziehung des bestehenden Wehrturmes (als Kirchturm) zu errichten. Die Weihe dieses Gotteshauses war am 27. November 1671.

Der brennende KirchturmDas 1670/71 an den bestehenden Wehr- und Wartturm angebaute Kirchenschiff machte diesen alten romanischen Turm zum Kirchturm. Die Pfarrkirche St. Martin-Aspern hatte nun zwei „Hausherren“. Der Turm war und blieb auch weiter im Eigentum der Gemeinde Aspern, das neu gebaute Gotteshaus aber gehörte der Kirche.

Der zerschossene KirchturmDie finanziellen Mittel, die Aspern zum Bau der Kirche und zum Adaptieren des Turmes aufwenden musste, rissen ein gewaltiges Loch in den Säckel der Gemeindekasse. Heute würde man sagen, die Gemeinde Aspern rutschte in die roten Zahlen. Aus diesem Grund wurde der Bau eines Pfarrhauses auf unbestimmte Zeit verschoben und die Pfarrgeistlichkeit in Bauernhäusern untergebracht.

Wenn man sich bei Hochwasser im Ort nur mit Zillen und Plätten fortbewegen konnte, bekamen Kirche und Turm dank ihrer etwas höheren Lage keine „nassen Füße“. Der Niveauunterschied von fast 4 m wurde im Lauf der Zeit durch Aufschütten, speziell beim Bau der Dampftramway fast ausgeglichen.

Der provisorische Kirchturm (bis 1856)Es ist nicht bekannt, wie weit der Turm in den folgenden Jahren als Wachturm genützt wurde. Überliefert ist jedoch, dass die Franzosen anno 1809 vor und während der Schlacht den Turm für Observationen benützten. Schon in der Nacht vom 20. zum
21. Mai schickte Napoleon Marschall Massena mit seinem Adjutant Oberst Graf Hochberg auf den Turm und ließ sich dann berichten, wo und wie viele Lagerfeuer der Österreicher zu sehen sind. Auch konnten die Franzosen vom Turm aus die Aufmarsch- und Truppenbewegungen sowie die Geschützstellungen der Österreicher beobachten. Dieser Umstand und auch die Tatsache, dass sich die Franzosen hinter den Mauern der Kirche und des Friedhofes ideal verschanzen konnten, bewog Feldmarschall Hiller die Kirche in Brand zu stecken und die Friedhofmauern schleifen zu lassen. Nach der Schlacht war Aspern ein Trümmerfeld, Pfarrhof, Kirche und Turm eine Brandruine, nur das etwa 20 Schritt neben den Turm stehende Beinhäusl (heute Museum) war unversehrt.

Originaltext aus der Chronik – etwas gekürzt:

1830 musste auf Anordnung des H.H. Vicedechant Joseph Kainz der Thurm auf Kosten der Gemeinde repariert werden.

1856 Seit dem für Aspern verhängnisvollen Jahr 1809 hatte der Thurm nur ein niedriges Spitzdach, welches mit Schindeln gedeckt und mit einen einfachen Kreuze versehen war. Der Zahn der Zeit hat an dieser Notbedachung auch seine Macht erprobt und es gelang fürsorglichen Bemühungen, den Gemeindevorstand dahin zu vermögen, die Herstellung des Kirchenthurmes zu beschließen.

Da der Thurm um einige Klafter erhöht werden sollte um eine würdige Zierde des Gotteshauses zu werden, so musste nothwendiger Weise ein Plan hiezu entworfen werden. Der hiesige Zimmermeister Martin Bennesch legte selben vor. Selber und der Kostenvoranschlag wurden von KK Bez. Amte Großenzersdorf und dem hochw. Dechante und dem Ortseelsorger begutachtet und genehmigt. Kosten: Maurerarbeiten 130f, Zimmerarbeiten 550f, Spenglerarbeiten 495f (33 Quadratklafter Weißblech) und 60f für die Vergoldung des Thurmkreuzes = 1235f Conventionalmünze.

Am 31. Aug. 1856 (Schutzengelfest) wurde die Einweihung des Kirchenthurmes bzw des Thurmkreuzes von dem hochw. Hr. Dechant von Probstdorf unter Assistent der Geistlichkeit in Gegenwart des KK Bez. Vorstehers Löschnigg und der Pfarrkinder und einer ansehnlichen Menge der benachbarten Bevölkerung vorgenommen. Das Thurmkreuz wurde aus dem Hause des Gem. Vorstehers Gregor Springenfels in feyerlicher Prozession von der Kirche aus unter Führung des hochw. Hr. Dechant Simon Schwarz unter geistlicher Assistenz abgeholt. Das Kreuz war auf einer eigenen Tragbahre von 4 Jünglingen getragen, von vielen weiß gekleideten mit Blumen geschmückten Mädchen begleitet.

Am Kirchenplatze angelangt, folgte die Einweihung desselben. Dann bestieg Hr. Dechant die Kanzel und hielt eine ergreifende salbungsvolle Rede. Hierauf
folgte ein Solemnes Hochamt. Und nach Vollendung desselben die Aufziehung des
Thurmkreuzes unter Absingen des Te Deum laudamus.

Johannes Holba

1904 geht der Turm in den Besitz der 1978 lässt die Gemeinde Wien den Turm generalsanieren und die Weißblechdeckung durch Kupferblech ersetzen 1999 kommt der Turm in Besitz der Kirche

Autor: Johannes Holba