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Der letzte Groß-Enzersdorfer

Am 30. August 1970 sah man ihn zum letzten mal. Geschmückt mit Girlanden, Fähnchen, Blumen und dem Wappen der Stadt Groß-Enzersdorf fuhr der K-Triebwagen mit dem Liniensignal 317 in den Betriebsbahnhof Kagran.

Am 7. Juni 1886 wurde diese Strecke als Dampfstraßenbahnlinie eröffnet und am 23. Jänner 1922 auf elektrischen Betrieb umgestellt. Die Linie 317 fuhr mit einem Intervall von 30 Min, die Einlagezüge (nur bis Aspern) im 15-Minunten-Takt. Ab 1938 wurde bis Groß-Enzersdorf viertelstündlich und bis Essling im Siebeneinhalb-Minuten-Betrieb gefahren. Vom 6. April bis 15. Nov. 1945 gab es keinen Straßenbahnbetrieb.

Dann wurden die Züge einheitlich mit 317 beschildert und fuhren im 16 Min Takt nach Groß- Enzersdorf und alle 8 Minuten bis Englisch Feld. Ab 1963 gab es sporadisch wieder die Linie 217 bis Aspern (bei Großveranstaltungen am Flugfeld). Ab 16. Juli 1966 wurde der seit 1912 unterbrochene durchgehende Verkehr Floridsdorf - Groß-Enzersdorf wieder aufgenommen. 217 fuhr von Floridsdorf bis Englisch Feld, 317 bis Groß-Enzersdorf.

Die in dieser Zeit eingesetzten Z Triebwagen (Amerikaner) fuhren nur bis Englisch Feld, da sie mit ihrer "Überbreite" von 2 m 45 die Stadtmauer in Groß-Enzersdorf nicht passieren konnten. Dem Trend folgend - flexibel, nicht schienengebunden - stellte man 1970 diese Strecke auf Autobusbetrieb um.

Ein weiterer Grund war der zunehmende Autoverkehr, dem die eingleisig meist in Seitenlage geführte Strecke nicht mehr gewachsen war. Brav am rechten Straßenrand fahrende Auto wurden oft mit dem Entgegenkommen einer Straßenbahn überrascht. Eine Besonderheit der Linie 317/217 war das "Streckentelefon" in allen Ausweichstellen und beim Bahnübergang in Hirschstetten die Stechuhr.

Vor dem Überqueren der Bahngleise musste der Schaffner mit einem Stechstempel die Uhr makieren, dann dem Zug vorausgehen, sich vergewissern dass keine Eisenbahn kommt (trotz Bahnschranken) dann erst durfte die Straßenbahn den Übergang queren. 84 Jahre lang gehörte der Groß-Enzersdorfer zum Alltag - vor 30 Jahren wurde er "pensioniert" und heute erinnert man sich und sagt: "Es fuhr einmal...."

Hannes Holba

Peter Haiden