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Erntedank einst …

„… unser tägliches Brot gib uns heute …“

Die Worte im Gebet des Herrn, dem Vater unser, stören manche Kritiker und Spötter, denn sie meinen, da wird um etwas gebeten, das ohnehin im Überfluss vorhanden ist. Solche Menschen bedenken aber nicht, dass dieser Überfluss keine Selbstverständlichkeit ist. Wie war es denn während und nach den Kriegen? Alles war rationiert und nur mit Lebensmittelkarten erhältlich und da konnte es schon vorkommen, dass man trotz gültigen Lebensmittelabschnittes manchmal leer ausging. Wer konnte, fuhr auf 's Land, um zu „hamstern“. Da wurden so manche Wertsachen bei den Bauern gegen einige Lebensmittel eingetauscht.

Auch in der Pfarrchronik findet man Notizen über Brot- und Lebensmittelknappheit. So schreibt z.B. 1914 der damalige Pfarrer Josef Jeglinger unter anderem: „Es waren auch Brotkarten ausgegeben worden, per Person und Tag 70 gr. Brot oder 50 gr. Mehl. Manchmal hatten wir wirklich nicht genug Brot zu Hause! Hie und da brachte uns eine gute Seele ein Hausbrot, denn die Wirtschaftsbesitzer (die Asperner Bauern) konnten sich aus ihren Vorräten das Brot selber backen.“

Und 1916 schrieb er: „Manche Frauen wussten oft nicht, was sie kochen sollten. Es wird nur Mehl verkauft, wenn gleichzeitig Maismehl oder Grieß gekauft wird. Mit letzterer Sorte ist aber schwer zu kochen. Erdäpfel waren oft nicht zu haben, ebenso Schmalz und Butter und Eier oft tagelang keine am Markt u.s.w.“

Rosig waren auch die ersten Jahre nach dem 2. Weltkrieg nicht. Alles war rationiert und manchmal gab es nicht einmal das, was man mit den Abschnitten der Lebensmittelkarten bekommen sollte. Wir am Stadtrand hatten es ein wenig besser, jedes Fleckchen Erde wurde genützt um Kartoffel, Kukuruz und Gemüse anzubauen Es gab kaum ein Haus in dem nicht Hühner und Hasen gehalten wurden und so mancher "Kleinhäusler" fütterte heimlich ein Schwein. Heimlich deshalb - denn Tierhaltung war meldepflichtig, man hätte bei der Schlachtung einen Teil abliefern müssen.

"Not macht erfinderisch" und ein anderes Sprichwort sagt "Not lehrt die Menschen beten". Da die Bitte ums tägliche Brot erhört wurde, währe es unsere Pflicht, dem Herrgott auch DANKE zu sagen. Dies meinten damals unsere Pfarrkirchenräte und sie beschlossen ein Erntedankfest zu feiern.

Armselig und mit primitiven Mittel wurde begonnen, doch Jahr für Jahr ging es bergauf. Bestand der Festzug anfangs nur aus einigen Pferdewagen und viel "Fußvolk" wurde der Wein nicht mehr im Holzfass von Pillichsdorf geholt, sondern - welcher Fortschritt - in Flaschen geliefert. Gekühlt wurden die Getränke mit Blockeis in Aluwannen der Fleischerei Mitsch.

Erntedank 1969Der Festzug bekam fast den Charakter einer landwirtschaftlichen Ausstellung. Die Siedler zeigten stolz ihr Obst, die Gärtner präsentierten ihr Gemüse und die Bauern führten ihre landwirtschaftlichen Geräte mit. Der Begriff "Kaiserwetter" wurde bald umbenannt in "Franawetter", denn Pfarrer Frana hatte jahrelang das Glück zum Erntedankfest "Kaiserwetter" zu haben.

Kirchlicher Erntedank mit anschließend Tanz und Unterhaltung wurde jedes Jahr gefeiert, nur der Festzug wurde mangels an Interesse einige Jahre ausgesetzt. Doch seit 1988 gibt es ihn wieder und obwohl ich es kaum glauben kann - Prognose: „Interesse steigend“. So wünsche ich mir, dass die Menschen noch weitere 50 Jahre nicht sagen - es war einmal - sondern - „Es gibt es noch immer …!“

Johannes Holba

Bilder folgen: Erntedankfestzug am 25.Oktober 1949

Krone und Erntedankgaben wurden zu Fuß getragen.

Johannes Holba