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Heerlager in der Lobau

Nach der Schlacht bei Aspern zog sich Erzherzog Karl mit seiner Armee hinter den Russbach zurück. Sein Hauptquartier war zunächst Markgrafneusiedel und ab 3. Juni Deutsch Wagram. Vom Bisamberg aus beobachtete man starke französische Truppenbewegungen und rege Bautätigkeit in der Lobau. Die österreichischen Befestigungen waren Feldverschanzungen und reichten von Stadlau bis Groß Enzersdorf. Der Rückzug Napoleons in die Lobau löste vorerst großen Jubel aus und man sprach schon von einer vernichtenden Niederlage der Franzosen.

DonauüberquerungDoch bald wurde klar, dass das militärische Kräftemessen noch nicht entschieden war. Napoleon ließ nämlich verlauten, dass die Donau („General Danube” wie er sie nannte) diesen Übergang durch Hochwasser vereitelt habe. Es gab also keinen Verlierer, ergo dessen auch keinen Sieger. So findet man in französischen Darstellungen kaum den Namen Aspern, höchstens gibt es eine „Bataille bei Essling”, also nur ein Vorgefecht, ein Geplänkel, das man mit einem taktischen „Schachzug” durch einen Rückzug in die Lobau beendete. Im Laufe des Juni wurde - unbehelligt von den Österreichern - die Insel Lobau zu einer „Festung” ausgebaut. Es entstand ein Heerlager mit allem drum und dran. Von der Feldschmiede bis zur Bäckerei und vom Lazarett bis zum Pulvermagazin war alles in der Lobau untergebracht. In Gewaltmärschen zog Napoleon aus vielen Teilen Europas hier Truppen zusammen, und aus dem Debakel des ersten Brückenschlages klug geworden ließ er die Brücken über den Hauptarm - eine Joch- und eine Schiffsbrücke - durch Pfahlwerksbauten gegen Rammschiffe sichern. 18 Flöße, die am Abend des 5. Juli von den Österreichern abgelassen wurden, konnten dem Brückenbauwerk keinen Schaden zufügen. Weiters wurden 7 Brücken über die Nebenarme zum Übergang ins Marchfeld geschlagen. Alle Brückenköpfe waren mit Schanzen befestigt. In der Nacht zum 5. Juli zogen schwere Gewitterstürme über die Donauauen und das Marchfeld. Just in diesem Wetterinferno kam der Marschbefehl. In bemerkenswerter Schnelligkeit vollzog sich der Übergang der französischen Armee von der Insel Lobau in das Marchfeld.

Johannes Holba