Kirchenchor St. Martin Aspern

Es war einer der wunderschönen Nachmittage in der Osterwoche 2000 im Garten von Frau Katharina Zügler. „Begeisterung", sagte sie, „hatten wir damals im Jahre 1945. Viel mehr auch schon nicht!" Diese Begeisterung steht in ihren Augen geschrieben, wenn sie von „damals" erzählt. Immerhin hat sie über 20 Jahre auch alle Sopran-Soli gesungen! Mit drei Sopranen, einem Alt, zwei Tenören und zwei Bässen bemühte sich Frau Hermine Speyl in den Nachkriegsjahren um gute Kirchenmusik.

Anfang der 50er-Jahre übernahm Frau Prof. Hermine Bily den Organistenposten und die Chorleitung. Alsbald wuchs der Chor auf ca. 20 Damen und Herren an, auch ein Orchester wurde zusammengestellt. Aushilfen besorgte Frau Prof. Bily vom Theresianum, wo sie unterrichtete. Geprobt wurde zweimal pro Woche, vor größeren Aufführungen auch am Sonntag nach dem „Amt"! Zu den Hochfesten brachte man klassische Orchestermessen, wie die Spatzenmesse (Mozart), die Theresienmesse (Haydn) oder die Jubel-Messe (C.M. von Weber) zu Gehör, was vom Pfarrvolk mit viel Begeisterung aufgenommen wurde.

Der gesellschaftliche Höhepunkt im Kirchenjahr war die Cäcilienfeier, die zunächst im Gasthaus Kiesling (Lobaugasse) und ab 1956 im Pfarrsaal abgehalten wurde. Hannes Holba, dem ich auch für die Informationen und Fotos danken möchte, und der heute noch die Orgel „schlägt", war damals in Sketches und Gesangsszenen zu bewundern.

Die letzte Eintragung in der Pfarrchronik, die den Kirchenchor erwähnt, datiert aus dem Jahr 1964 und berichtet von der Cäcilienfeier am 22. November. Vier Jahre später, am 17. Juli 1968, starb Hermine Bily. Danach versuchte Sr. Else Hornung den Chor weiterzuführen, allerdings mit mäßigem Erfolg. Nach ihrem Weggang wurde es sehr still. Da auch unter Pfarrer Otto Klohna keinerlei musikalische Initiative stattfand, verstummte der Chorgesang in Aspern bis auf einzelne Gottesdienste, die der Asperner Gesangsverein mitgestaltete.

Autor: Gerhard Schmiedpeter