Zum schönen Platzerl

„Unter den Kastanien“ so lautet die offizielle Bezeichnung jenes Stückchens Lobau, wo die Vorwerkstraße (vom Lobaumuseum kommend) und die von Aspern her führende Saltenstraße ihre Endpunkte haben. Dort stand das Wohnhäuschen des „Oberstjägers“. So nannte man den amtlichen Plättenführer, dessen Aufgabe es war, die kaiserlichen Jagdgesellschaften mit seiner Plätte (= flaches Boot) die Donauarme, die damals noch das ganze Augebiet durchzogen, zu übersetzen.

Nach der Donauregulierung 1870-76 trockneten diese Wasserläufe aus und somit wurden die Dienste eines Plättenführers nicht mehr benötigt. Aus dem nun leer stehenden Häuschen wurde eine kleine Gaststätte, die „Waldschenke Novorzy“. Wegen der ruhigen, idyllischen Lage nannte der nächste Pächter Franz Daschovsky sein Lokal „Zum schönen Platzerl in der Lobau“, beliebt und geschätzt von den Lobauausflüglern und auch von den Badegästen der Panozzalacke. Gerne machte man mit dem Drahtesel einen Einkehrschwung beim „Daschovsky“ auf ein kühles Hubertusbräu, ein Vitus oder ein Florida-Gold und einen kleinen Imbiss.

Zum schönen Platzerl in der Lobau

Dies änderte sich auch nicht, als ab Dezember 1965 Erika Bonito die neue Pächterin wurde. Zusammen mit dem Erfrischungsstand bei der Panozzalacke sorgte sie vortrefflich für Speis und Trank der Lobaubesucher. 1973 wurde einige hundert Meter neben dem Gasthaus ein Grundwasserwerk mit etlichen Pumpstationen gebaut und die Lobau zum Teilnaturschutzgebiet erklärt. Grund genug, amtlicherseits eine Schließung des Lokales zu fordern. Trotz Schikanen (z.B. Beanstandung der WC-Anlage usw.) wollte die Pächterin Bonito ihr „schönes Platzerl“ nicht aufgeben. Da schlug das Schicksal zu, als in der Nacht zum 9. Februar 1974 das Anwesen abbrannte. Ein Brandstifter wurde trotz intensiver Nachforschung nicht gefunden, (ein Versicherungsbetrug war auszuschließen) und so blieb die Brandursache ungeklärt.

Trinkwasseraufbereitungsanlage

Ein Wiederaufbau im Brunnenschutzgebiet war nicht möglich, deshalb musste der Brandplatz geräumt werden. Kurze Zeit danach entstand genau an der Stelle des schönen Platzerls die Trinkwasseraufbereitungsanlage, in der das geförderte Grundwasser mit Chlorgas behandelt wird, bevor es dem Wiener Wassernetz zugeführt wird.

Autor: Johannes Holba