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Sebastianikapelle

Um den Pestheiligen Sebastian zu ehren und an die Pestgefahr zu erinnern, wurde diese Kapelle neben der Asperner Pfarrkirche 1670 erbaut. Die 1706 gegründete Sebastiani Bruderschaft übernahm die Kapelle und 1707 dachte man bereits an eine Erweiterung. Nach Auflösung der Bruderschaft 1783 durch Kaiser Josef wurde die Kapelle, obwohl sie ausserhalb des Friedhof stand, als Beinhaus verwendet.

Bei der Schlacht am 21. u. 22. Mai 1809 blieben in Aspern nur zwei Gebäude unbeschädigt stehen - das Feuerrequisitenhaus und das Beinhäusl. Letzteres wurde, da die Kirche ausgebrannt war, in der ersten Zeit nach der Schlacht von Pfarrer Mathias Kramer als "Notkirche" benutzt.

Wie in einen Keller musste man in die Kapelle hinabsteigen, da ihr Fußboden ca 1m unter dem Normalniveau lag. 1813 entschlossen man sich den Raum aufzuschütten, frisch zu pflastern und den Altar neu aufzumauern.

Bei der Erweiterung des Friedhofes 1822 wurde die Kapelle in diesen eingeschlossen.1903 wurde ein Teil des Friedhofes aufgelassen, die Mauern teilweise abgetragen und durch ein Eisengitter ersetzt. Das Holzschindeldach war schon sehr desolat und wurde deshalb 1933 durch ein Flachblechdach ersetzt. Als Beinhäusl hatte die Kapelle ausgedient und stand nun ungenützt da. Nach 1945 wurde sie für einige Jahre wieder zum "Leben erweckt". Ministranten Seelsorge und Jugendstunden sowie diverse pfarrliche Zusammenkünfte fanden in ihr statt. An die Kapelle wurde sogar eine provisorische Klosettanlage gebaut (im Bild ganz links). Als 1955/56 ein Pfarrsaal gebaut wurde hatte sie endgültig ausgedient. Bei der Umgestaltung des alten Friedhofes in einen Park 1962 stand sie als trauriger, baulicher "Schandfleck" im Wege und sollte abgetragen werden. 

Das Ungenützt, unbedacht und von der Spitzhacke bedroht, stand die desolate Kapelle in einer verwachsenen Ecke des Kirchenparkes und träumte von besseren Zeiten. Der Heimatforscher Dir. Alfred Rother hatte schon vor dem Krieg ein kleines privates Heimatmuseum in der Zachgasse eingerichtet. Durch einen Bombentreffer wurde es 1945 zerstört. Ebenso gingen in den letzten Kriegstagen Schaustücke und Funde von den Schlachtfeldern, die in einigen Gasthäusern ausgestellt waren, verloren. Im Mai 1959 gab es eine große Gedenkfeier bei der Direktor Rother mit Bildern und mühsam gesammelten Schaustücken eine kleine Ausstellung organisierte.

Mangels geeigneter Räumlichkeiten wurde sie in der Holzbaracke im Pfarrgarten eingerichtet. Dies war der Anfang des Museumsgedanken. Es bot sich als geeigneter Ort das Beinhäusl an, doch die Idee scheiterte vorerst am lieben Geld. 1970 griffen der belgische Kulturattaché Georges Engelbert (ein profunder Napoleonkenner) und Josef Mühlhauser, der leider schon verstorbene, spätere Leiter des Museums, diesen Gedanken wieder auf. Nach Verhandlungen mit der Kulturabteilung der Gemeinde Wien - Wiener Bezirksmuseen - Präs. Prof. Ludwig Sackmauer - wurde die Kapelle nach alten Plänen von Stadtbaumeister Emmerich Fasching revitalisiert. 1979 feierliche Eröffnung durch Vizebürgermeisterin Fröhlich Sandner und Einweihung durch Pfarrer Otto Klohna. Seither mauserte sich das kleine Museum vom Geheimtip zum Publikumsliebling - speziell für Schulen und ausländische Gäste. Die Franzosen kennen den Namen Aspern kaum, doch Essling ist ihnen ein Begriff. Konnte doch der von ihnen besetzte und verteidigte Schüttkasten von den Österreichern nicht eingenommen werden. Seit 1993 hat das Museum "Aspern 1809" eine Dependance im Esslinger Schüttkasten (Schlachtendiorama mit 8546 Figuren). Auch der Museumsname wurde geändert - "MUSEUM ASPERN-ESSLING 1809".

Johannes Holba