Datenschutz und Verwendung von Cookies

Wir setzen Cookies ein, um Ihnen den Besuch unserer Website so angenehm wie möglich zu machen. Wenn Sie mit der Nutzung der Website fortfahren, erklären Sie sich automatisch mit unserer Erklärung zum Datenschutz und zu Cookies einverstanden.

Wappen der Aspernkämpfer

Die heftigsten und grausamsten Kämpfe des Jahres 1809 fanden um die beiden Dörfer Aspern und Eßling statt, die auch die Zivilbevölkerung in schwerste Mitleidenschaft zogen. Als sich am Abend des 22. Mai der Pulverdampf und die Rauchschwaden lichteten, waren nicht nur die Bauernhäuser ein Raub der Flammen, sondern auch die Kirche mit dem Pfarrhof zerstört worden. Besonders die auf einer kleinen Erhebung situierte Kirche und der angrenzende, mit einer Mauer umgebene Friedhof lagen durch ihre strategisch günstige Lage und durch ihren Bollwerkscharakter im Brennpunkt der Auseinandersetzungen. Darüber hinaus bot der Kirchturm einen idealen Aussichtspunkt. Wer den Pfarrhof in seinem Besitz hatte, für den lag ganz Aspern auf dem Präsentierteller, deshalb wurde auch um ihn so erbittert gekämpft, sowohl durch Artilleriebeschuss, als auch im Nahkampf, Mann gegen Mann. Speziell diese letzte Kampfesweise hinterließ einen starken persönlichen Eindruck, den viele Teilnehmer, so sie heil überlebten, mit sich nahmen.

Kallinger von Aspernkampf Der im Jahr 1781 in Wien geborene Oberleutnant Joseph KALLINGER nahm seit Beginn seiner militärischen Laufbahn 1796 an allen militärischen Einsätzen gegen Frankreich teil. Als er dann im Jahre 1828 um die Verleihung des Adels ansuchte, hatte er mehr als einundreißig Dienstjahre aufzuweisen. Rückblickend betrachtet muss ihm die Schlacht von Aspern auch nach zwanzig Jahren wie ein Alptraum erschienen sein, dem er glücklich und heil entrinnen konnte. Denn er verarbeitete seine Erinnerung nicht nur in seinem Wappen, sondern auch bei der Auswahl seines Adelsprädikats: Fünf Wortkombinationen im Zusammenhang mit Aspern bot er zur Auswahl an: Aspernkampf, Aspernmuth, Aspernehre, Aspernglanz und Aspernstolz. Kallinger durfte sich schließlich „von Aspernkampf" nennen.

In seinem Wappen lässt er noch einmal den Kampf um das Kirchenareal Revue passieren, das eine Hälfte des Schildes einnimmt. In seinem Adelsgesuch berichtet er, dass er als der „hartnäckige und blutige Kampf, um den zu behauptenden Besitz, des in lichten Flammen aufgeloderten, und in Blut getränkten Dorfes Groß-Aspern und seines Kirchhofes gestritten wurde", er der erste gewesen wäre, „der vor die Front des Bataillons trat, den mit einen aufgeworfenen Graben versehenen Kirchhof nebst dem von dieser Seite anliegenden Teil des Dorfes Aspern erstürmte, welcher auch in der Folge, nachdem das Pfarrhaus, so wie der Turm, von den in demselben noch immer Widerstand leistenden Feinden gereinigt war, durch das Regiment behauptet wurde". Diese mit seinen eigenen geschraubten Worten geschilderte Konfrontation zeichnet er in seinem Schild noch einmal nach. Er skizziert dabei ein ziemlich realistisches Bild, das zwar nicht so sehr den Intentionen der Heraldik, jedoch der zeitgenössischen Kunstauffassung entspricht. Im Gegensatz zu heute fällt auf, dass unterhalb der hoch aufragenden und zerschossenen Mauer ein vorbeifließendes Gewässer zu sehen ist. Dies zeigt die topographische Situation des Kirchengeländes von damals, das noch umgeben war von einem Nebenarm der Donau und von Schutzdämmen gegen Hochwasser.

Adler von Adlerskampf Ein anderer Offizier, der 1772 in Kunersdorf in Böhmen geborene Anton ADLER, macht ebenfalls die Asperner Kirche zum Mittelpunkt seines Wappens. Adler war schon ein erfahrener Offizier, der seit 1793 alle militärischen Auseinandersetzungen gegen Frankreich mitgefochten hatte, und auch in der Schlacht von Aspern sich auszeichnen konnte. Sein Verdienst war es mit der größten Schnelligkeit gegen diesen Ort vorzurücken und die dort aufgestellten feindlichen Geschütze durch sein eigenes, gut dirigiertes Feuer zum Rückzug zu nötigen. Als ihm 1827 der Adelsstand mit dem Prädikat „von Adlerskampf" verliehen wurde, erinnerte er sich noch genau an die mit einer Mauer umgebenen Kirche, die lange so heiß umkämpft war. Dabei zeigt sich eine ziemlich andere künstlerische Gestaltung der Mauer als zuvor: die Kirche scheint vielmehr wie eine Burg über einer Mauer zu thronen.

Murmann von Marchfeld Noch ein drittes Mal wurde die Kirche von Aspern symbolisch verarbeitet, nämlich im Wappen des Georg Murmann, der 1811 in den Freiherrnstand mit dem Prädikat „von Marchfeld" erhoben worden war. Er war 1766 zu Aschaffenburg in Deutschland geboren worden und hatte nach Eintritt in die Armee zuerst gegen die Türken und später gegen Frankreich gefochten. Es war in jenem entscheidenden Augenblick, als Erzherzog Karl, der Oberbefehlshaber, am ersten Schlachttag von Aspern den Befehl ausgab, den Ort, den die Franzosen bereits besetzt hielten, um jeden Preis zu nehmen. Als der Angriff begann trat Hauptmann Murmann an die Spitze und riss seine Mannschaft durch sein eigenes Vorbild mit. Die Mauern des Kirchhofes wurden erstürmt, und Aspern, das schon 12.000 Mann der besten französischen Truppen besetzt hatten, wurde zurückerobert. Murmann war einer der Ersten, die in die Verschanzungen eindrangen und seiner Mannschaft das Beispiel an kaltblütiger Entschlossenheit gab. Diesen Heldenmut belohnte Erzherzog Karl noch auf dem Schlachtfeld mit dem Maria-Theresien-Orden. Murmann beendete seine tatenreiche Laufbahn schließlich in Prag und wandte sich mit der Gestaltung seines Wappens an einen lokalen Heraldiker, dem er wohl die Grundstrukturen seines Wappen schilderte, der aber offenbar mit dem wirklichen Aussehen der Asperner Kirche nicht vertraut war. Deshalb zeichnete er in seinen Schildentwurf einfach einen gotischen Turm als Symbol für eine Kirche.

Michael Göbl