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Unsere Kosovo-Aktion

Samstag, 1. April 2000 bis 01:00 Uhr

Lebenszeichen aus dem Kosovo

Im Oktober erreichte die Pfarre ein Schreiben von ICMPD (International Centre for Migration Policy Development). ICMPD ist eine in Wien ansässige internationale Organisation, die sich um die Rückführung und Wiederintegration von Flüchtlingen in ihrer Heimat bemüht.

"Fahrije und Muja Ibrahimi, die bis zum Sommer in Aspern gewohnt haben und nun nach Gjilan zurückgekehrt sind, sind Teilnehmer an unserem Rückkehrprojekt für Kleinunternehmer und haben im September ein Existenzgründungsseminar in Pristina besucht.

Ich habe beide Ende September in Kosovo getroffen. Familie Ibrahimi hat mich gebeten, allen Bekannten und Freunden von der Pfarre herzliche Grüße auszurichten und eine Tasche mit Geschenken nach Wien mitzubringen. Der Familie geht es soweit ganz gut, Fahrije hat ihren Friseursalon eröffnet und ist für den Anfang ganz zufrieden.

Muja arbeitet zur Zeit hauptsächlich am Wiederaufbau ihres Hauses. Fahrije meinte, ich sollte die Tasche einfach im Pfarramt vorbeibringen, die Weiterleitung der Geschenke würde dann von dort übernommen. Nochmals herzliche Grüße von Fahrije, Muja und den drei Kindern.

Mit besten Grüßen
Eva Kitzler (Projektkoordinatorin ICMPD)


Knapp vor Ostern ist unsere "Kosovo"-Familie wohlbehalten in die Heimat zurückgekehrt, anfangs Mai konnte ein großer LKW mit Anhänger beladen werden, der dann eine Woche später mit Möbel, Küche, Waschmaschine und vielen anderen gespendeten Sachen im Kosovo eintraf. Der Familie Ibrahimi geht es recht gut, sie haben sich schon einige Male telefonisch bei Lotte Hochrieder und Silvia Holubetz gemeldet.

Diesen beiden möchten wir namens der Pfarre nochmals sehr herzlichen Dank sagen für die Betreuung der Flüchtlingsfamilie durch zehn Monate hindurch. Ihnen vor allem und ihrem unermüdlichen Einsatz gilt der Dankesbrief des Wiener Caritasdirektors:

Liebe Pfarrgemeinde Aspern!

Wie in etwa 30 anderen Pfarren unserer Erzdiözese auch, haben Flüchtlinge aus dem Kosovo bei Ihnen Quartier erhalten. Mittlerweile sind Ihre Gäste wieder heimgekehrt und ich möchte Ihnen für den geleisteten Einsatz Dankeschön sagen.
Auch wenn die Gruppe der Flüchtlinge diesmal viel kleiner als in der Bosnienkrise war, war das pfarrliche Engagement wieder sehr wichtig. Zum einen, weil es kaum andere Unterbringungsmöglichkeiten gibt, wo Familien selbständig haushalten (z.B. kochen) können und auch vielfältige materielle und seelische Hilfe bekommen.
Zum anderen ist es wohl auch ein wichtiges Signal in unserer Gesellschaft, dass wir uns aufnahmebereit für Menschen zeigen, die in ihrer Heimat um ihr Leben fürchten müssen.
Abgesehen von dieser ganz praktischen Hilfe und der gesellschaftlichen Bedeutung, freut mich Ihr pfarrliches Engagement auch aus kirchlicher Sicht. Schließlich hängt die Glaubwürdigkeit und so auch die Zukunft unserer Kirche in ganz großem Maß ab, wie es unseren Pfarrgemeinden gelingt, die "Option für die Armen" zu leben.

In diesem Sinn grüßt in aufrichtiger Verbundenheit Ihr

Dr. Michael Landau

Hiermit kann die "Kosovo" Aktion abgeschlossen werden. Danke auch allen, die viele Monate hindurch Geld gespendet, gesammelt und Aktionen durchgeführt haben: Großartige ÖS 235.861,-- wurden gespendet, ÖS 157.000,-- wurden vom Magistrat der Kosovohilfe zur Verfügung gestellt. Davon konnten wir den insgesamt drei Familien bei ihrer Rückkehr in die Heimat insgesamt 24. 000 Deutsche Mark als Starthilfen mitgegeben werden. Nochmals vielen, vielen Dank.

Rückblick (Oktober 1999)

Sie haben sicherlich einen "guten" Eindruck vom Zuhause unserer Flüchtlingsfamilie: das Haus ist ausgebrannt und geplündert, der Dachstuhl explodiert. Das Bild zeigt die ausgebrannte Küche des Hauses, angeblich der beste Raum im vorher dreistöckigen fast neuen Haus.....

Derzeit (Stand 20.10.1999) sind noch 6 Personen aus der Bund-Länder-Aktion in der Pfarrbetreuung: ein 24-jähriger Student, der vor kurzem um Asyl angesucht hat und daher demnächst in Bundesbetreuung überstellt wird, und eine 5-köpfige junge Familie: 3 Kinder: 7 Monate, 5 und 6 Jahre, Eltern.

Der Magistrat der Stadt Wien hat Anfang September eine "fact-finding”-Kommission in den Kosovo entsandt. Herr Mag. Graßl, MA 12, hat in wirklich vorbildlicher Weise zuerst alle in Wien untergebrachten Flüchtlinge persönlich ausführlich befragt und anschließend im Kosovo jedes einzelne Haus besichtigt und fotografiert.

Herr Kaplan König und ich hatten im Rahmen einer Betreuerbesprechung Gelegenheit, mit Herrn Mag. Graßl persönlich über seine Reise und seine Eindrücke zu sprechen. Das Engagement und der Einsatz dieses Beamten kann wirklich nur als außergewöhnlich bezeichnet werden, und ich möchte mich an dieser Stelle ausdrücklich beim Magistrat für die kompetente und effektive Zusammenarbeit bedanken.

Im Konkreten ergibt sich für unsere Familie, dass derzeit eine Rückkehr nicht möglich ist, da das Haus nicht mehr rechtzeitig winterfest gemacht werden kann: Das Dach fehlt, alle Räume sind ausgebrannt, es gibt weder Heizung, noch elektrische Leitungen und kein Wasser, auch der Stall und andere Nebengebäude sind zerstört. Die Kuh wurde zwar gefunden, musste aber notgeschlachtet werden, sämtliche Vorräte, das Saatgut und alle landwirtschaftlichen Maschinen sind gestohlen worden.

Der Großvater "unserer Kinder” ist seit September im Kosovo, er lebt als Pensionist in der Schweiz, wo er 40 Jahre am Fließband gearbeitet hat. Mit Hilfe von Verwandten und Nachbarn hat er das oberste Stockwerk abgetragen und das Material für den Dachstuhl besorgt. Nun fehlen die finanziellen Mittel für weitere Arbeiten. Bedingt durch eine große Baustelle für eine NATO-Basis in unmittelbarer Nähe sind sowohl die Preise für Arbeiter als auch für Baumaterial exorbitant gestiegen und vieles ist auf legalem Weg - ohne sich der Mafia zu bedienen - gar nicht zu erhalten. Die Währung ist die D-Mark und die Preise sind etwa zwei- bis dreifach so hoch wie in Österreich oder Deutschland.

Selbst der Magistrat der Stadt Wien hat anlässlich oben erwähnter Besprechung festgestellt, dass die Rückkehrer in erster Linie Geld, Geld und wieder Geld brauchen. Leider fließen die Mittel aus "Nachbar in Not” nicht in die Regionen, wo die "Wiener” Flüchtlinge überwiegend herkommen. Aber das Geld der Rückkehrer hilft letztendlich allen Kosovaren einer Gegend, weil die lokale Wirtschaft gestärkt wird.

Neben dem Geld für die Dacheindeckung benötigen die Helfer unserer Familie vor Ort dringend eine Wasserpumpe, um weiter bauen zu können. Da das Haus auf einem Berg steht, funktioniert die Ortswasserleitung, wenn überhaupt höchstens einige Stunden während der Nacht. Das Hauswasserwerk wurde leider auch gestohlen.

Die Familie möchte so bald als möglich zurückkehren, wird sich wohl aber bis nach der Heizperiode gedulden müssen. Für den jungen Vater ist die Situation besonders bedrückend: Er leidet unter Depressionen und hat große Probleme mit seinem Rücken, da er schon in frühester Jugend die Arbeit des Bauern übernehmen musste, da der Vater in der Schweiz als Gastarbeiter, das Überleben der Familie sichern musste. Er leidet stark unter seiner erzwungenen Untätigkeit.

Ein besonderer Dank an Fr. Dr. Strohmayer, prakt. Ärztin in Aspern, und alle anderen Asperner Ärzte, die die Familie medizinisch und menschlich betreuen und an alle Asperner, die sich an unseren Beschäftigungstherapieprogramm beteiligen und beteiligt haben. Ich kann Ihnen versichern, dass jeder Spendenschilling von der Familie für den Hausaufbau gehortet wird. Das Geld für die Pumpe ist schon fast erspart bzw. wird Dank der grosszügigen Hilfe der Fa. Röder reichen.

Allerdings scheint derzeit, der  "billigste” und sicherste Weg, der zu sein, dass der Familienvater das kostbare Stück persönlich in den Kosovo bringt. Seit 25. Oktober fliegt die Tyrolean Airway Pristina direkt an und Hr. Ibrahimi hat einen gültigen jugoslawischen Pass und die Erlaubnis der Österr. Behörden zur Wiedereinreise. Das Ticket kostet allerdings ca.. 5000 ATS. Der billige Landweg scheidet wegen der Wegelagerer aus.

Zum Schluss noch einige erfreuliche Neuigkeiten: Baby Miranda hat ihre ersten beiden Zähnchen bekommen und versucht gerade das Krabbeln zu erlernen; Majlinda und Ylber besuchen vormittags den Pfarrkindergarten, wo sie von Barbara und Maria, bzw.. Martina und Monika liebevoll betreut werden und haben ihre ersten deutschen Worte gelernt.

Die Erwachsenen bemühen sich sehr, Deutsch zu lernen und sich möglichst unserem Lebensrhythmus anzupassen.

Ein besonderer Dank an alle AspernerInnen, die aktiv auf die Flüchtlinge zugehen und ihnen so soziale Kontakte ermöglichen, allen voran Frau Lotte Hochrieder, die sich unermüdlich aller großen und kleinen Sorgen, Probleme und Wünsche der Flüchtlinge annimmt.

Silvia Holubetz

Ort

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Aspern - Pfarre Aspern
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