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Seit dem 15. Mai 2020 dürfen in den Kirchen die Gottesdienste wieder öffentlich gefeiert werden. mehr …

Die sieben Schmerzen Mariens

1. Der Spruch Simeons

Pieta in der Pfarrkirche Jede männliche Erstgeburt soll dem Herrn geweiht sein. Daher bringen die Eltern Jesu ihr Kind in den Tempel zu Jerusalem, um das von Mose vorgeschriebene Opfer darzubringen. Simeon, der in Jerusalem lebte, wartete auf die Rettung Israels und darauf, den Messias zu sehen, wie ihm vom Herrn geoffenbart worden war. Als er nun Jesus sah, nahm er ihn in die Arme und pries Gott mit jenen Worten, die wir als "nunc dimittis" kennen (Gotteslob 90,2: Nun lässt du, Herr, deinen Diener in Frieden scheiden...). Dann allerdings sagt er zu Maria:

Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen. (Lk 2, 21-35)

2. Die Flucht nach Ägypten

Nachdem die Sterndeuter unter Vermeidung eines weiteren Zusammentreffens mit Herodes heim in ihr Land gezogen waren, befahl ein Engel des Herrn dem Josef, nach Ägypten zu fliehen, da Herodes plante, alle männlichen Erstgeborenen unter 2 Jahren ermorden zu lassen („Bethlehemitischer Kindermord“ – Fest der Unschuldigen Kinder, 28.12.). Dort blieben sie bis zum Tod des Herodes. So erfüllte sich das Wort des Propheten Hoseas:

Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen. (Mt 2, 13-15; Hos 11,1)

3. Jesus ist drei Tage lang in Jerusalem verschwunden

Als Jesus 12 Jahre alt war, pilgerte die Familie nach Jerusalem, um das Paschafest zu feiern. Auf der Rückreise nach Nazareth fehlte allerdings einer: Jesus. Der war im Tempel geblieben und erklärte den Anwesenden die hl. Schrift. Für ihn war das eine klare Sache, denn das war das Haus seines Vaters. Josef und Maria hingegen sind vor Angst fast gestorben, denn sie konnten Jesus nirgendwo in dem langen Pilgerzug entdecken. Also kehrten sie nach Jerusalem zurück, wo sie ihren Sohn im Tempel fanden. Jeder Elternteil, der jemals sein Kind in einem Einkaufszentrum verloren hat, kann den Schmerz der Eltern nachvollziehen! (Lk 2, 41-52)

4. Der Kreuzweg Jesu

Über diesen Lebensabschnitt Jesu, der ja nur etwa zwei Stunden gedauert hat, berichten alle vier Evangelisten. Ihren eigenen Sohn den steinigen Weg nach Golgotha gehen sehen zu müssen, bleibt Maria nicht erspart. Von den eigenen Leuten verraten, von den Römern verurteilt, tritt er unter dem Gespött der Massen seinen Leidensweg an.
Die Liturgie erinnert uns in der Fastenzeit an diesen schmerzvollen Gang Jesu: die Kreuzwegandacht führt uns diesen Weg entlang, am Palmsonntag hören wir die Passion des jeweiligen Jahresevangelisten (Lesejahr A: Matthäus, B: Markus, C: Lukas) und am Karfreitag die Johannespassion.

5. Die Kreuzigung Jesu

Der Tod durch Ersticken und Herzversagen ist das Los ihres Sohnes. Das Zerbrechen der Gebeine mitansehen zu müssen bleibt Maria erspart. Sie harrt bis zuletzt unter dem Kreuz aus, zusammen mit dem Lieblingsjünger Jesu, dem Evangelisten Johannes.
Hier setzt Jacopone da Todi, der Textdichter der Sequenz Stabat mater an:

Christi Mutter stand mit Schmerzen
Bei dem Kreuz und weint’ von Herzen,
Als ihr lieber Sohn da hing.

Was sonst konnte sie tun? Sie war ja machtlos – als Jüdin unter römischer Besatzung, wie auch als Frau.

6. Die Kreuzabnahme

Josef von Arimathäa, von dem zwar alle Evangelisten berichten, dass er ein Jünger Jesu war, jedoch nur Johannes hinzufügt: aber aus Furcht vor den Juden nur heimlich nimmt sich des Leichnams Jesu an und legt ihn in die Arme Mariens. Diese Darstellung, die die 13. Kreuzwegstation prägt (bei uns ist es die 14., da unsere Bilderserie mit der Auslieferung an den Hohen Rat beginnt und daher 15 Stationen umfasst - Asperner Kreuzweg), ist und war immer wieder Anregung für Künstler. Die berühmteste Pieta ist sicherlich die von Michelangelo geschaffene im Petersdom zu Rom, doch auch wir sind jedesmal, wenn wir die Kirche betreten, mit dieser Darstellung konfrontiert. Die zahlreichen Kerzen, die vor der Pieta entzündet werden, zeugen vom lebendigen Glauben der Christen, die in unserer Kirche vor der Statue beten.

7. Die Grablegung Jesu

Jeder von uns hat schon einen lieben Menschen verloren. Geht es uns nicht auch so, dass wir eigentlich erst im Angesicht des Grabes wirklich begreifen, wie groß dieser Verlust ist? Wir glauben aber daran, dass wir einst alle wieder vereint sind in der ewigen Herrlichkeit Gottes. Maria konnte diesen Glauben (noch) nicht haben. Wie denn auch? Christus war ja noch nicht auferstanden! Um wieviel schwerer muss sie dieser Verlust des eigenen Sohnes getroffen haben!

Noch am Kreuz hat Jesus seiner Mutter seinen Lieblingsjünger Johannes zur Seite gestellt:
Als Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zu seiner Mutter: Frau, siehe, dein Sohn! Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich. (Joh 19, 26f)

Die Legende berichtet, dass Maria mit Johannes nach Ephesus gegangen und dort auch gestorben und begraben sei. Stichhaltige Beweise dafür gibt es allerdings nicht!


Mag. Gerhard Schmiedpeter