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Campus der Religionen

Freitag, 19. Juni 2015 , 16:00 Uhr

Ansprache von Architekt Dipl.-Ing. Harald Gnilsen

Sehr geehrter Herr Vizebürgermeister Stadtrat Ludwig, sehr geehrter Herr Bezirksvorsteher Nevrivi!

Hochwürdige Herrn der Religionsgemeinschaften Bischofsvikar Dariusz Schutzky, Superintendant Hansjörg Lein, Präsident Fuant Sanaç, Generalsekretär Raimund Fastenbauer, Präsident Gerhard Weissgrab und Erzpriester Drago Vuji!

Sehr geehrte Festgäste, sehr geehrte Bewohnerinnern und Bewohner der Seestadt Aspern!

Architekt Dipl.-Ing. Harald Gnilsen„Muss es nicht die verschiedenen Religionen und Konfessionen geben, um der Vielfalt Gottes gerecht zu werden?“

Mit diesem Leitsatz wollen wir hier in der Seestadt Aspern für die neuen Bewohner einen „Campus der Religionen“ errichten, um auch der Vielfalt der Menschen hier in Aspern gerecht zu werden.

Die Seestadt wird einmal Wohnungen, Arbeitsplätze, Bildungsstätten und Lebensraum für mehr als 20.000 Menschen bieten. Für alle Bedürfnisse der neuen Bewohner wurde in der Stadtplanung Vorsorge getroffen: Geschäfte, Nahversorgung, Kindergärten, Schulen, Freizeit, Sport, Unterhaltung, Cafés, Restaurants, Apotheken, Ärztezentren, Gesundheitswesen, Geriatriezentren, Betriebe, Arbeitsplätze u.v.a.m.

Ein Aspekt des menschlichen Lebens und Daseins wurde seinerzeit bei der Neuplanung jedoch nicht berücksichtigt – die Religionen der Menschen. Immerhin sind 75% der Menschen in der Stadt Gläubige – gleich welcher Religionszugehörigkeit. Mit diesem Gedanken saß ich im Sommer 2010 beim damaligen Planungsstadtrat für Stadtentwicklung und hatte ihm vorgetragen, dass die Erzdiözese Wien Interesse hat, in der Seestadt Aspern eine römisch-katholische Kirche zu errichten.

Die Menschen, die neu in die Seestadt ziehen, kommen aus allen Teilen der Welt, aus Europa, aus den Nachbarländern, aus Österreich, aus allen Bundesländern, aus allen Bezirken Wiens – und sind in ihrer Herkunft, Kultur und Identität vielfältig und verschieden. Was sie eint, ist ihre Entwurzelung aus bestehenden sozialen Gefügen und ihr Neubeginn in einer neuen Stadt.

Was sie mitbringen, ist auch ihre Identität in ihrer Religionszugehörigkeit. Und hier können die Religionsgemeinschaften anbieten, einen Beitrag für neu hinzugezogene Menschen in der Bildung von neuen Gemeinschaften zu leisten und einen Sozialisierungsprozess zu unterstützen, der durch ein Caféhaus alleine nicht geleistet werden kann.

Jugendgruppen, Mütterrunden, Krabbelstuben, Familienrunden, Beratungsstellen, Seniorentreffen, Weiterbildungsvorträge, Veranstaltungen, Feste, Bälle und vieles mehr können Religionsgemeinschaften für die Bewohner anbieten und zum Mittun animieren, mit Gebet und Gottesdiensten der Gemeinschaft eine Seele geben und so das Leben in der Seestadt bereichern.

Bereits 2010 habe ich im Planungsbüro der Stadt Wien auf die Möglichkeiten eines gemeinsamen Dialogs hingewiesen und gemeint, dass dies nicht nur die römisch-katholische Kirche, sondern von allen Religionsgemeinschaften geleistet werden kann und soll. Meine Vision ist, dass dies gemeinsam geschehen soll, gemeinsam an einem Ort. In der Vielfältigkeit der Religionen an einem Ort für die Vielfältigkeit der Menschen in einem neuen Stadtteil.

In einem interreligiösen Miteinander sollen zeitgemäß dem wachsenden Interesse an religiösen Fragen Rechnung getragen werden, interkulturelle Begegnungen stattfinden sowie der Austausch und das gegenseitige Verständnis der einzelnen Religionsgemeinschaften gefördert werden. Es soll an diesem Ort das friedvolle Miteinander der Religionen Vorbild für das friedvolle Miteinander der Bewohner sein.

Die erste Idee der Stadtplaner war: „Wir bauen ein Hochhaus, wo wir alle kirchlichen Räume unterbringen.“ Meine spontane Gegenfrage nach „und welche Religionsgemeinschaften sollen oben, welche unten sein?“ hat angedeutet, mit welcher Sensibilität man an ein solches Projekt herangehen muss.

Den Begriff „Campus der Religionen“ habe ich gewählt, um die Gleichwertigkeit in der Unterschiedlichkeit und Vielfältigkeit darzustellen.

Ich bin dem damaligen Stadtrat Schicker sehr dankbar, dass er diese Idee aufgegriffen hatte und den von mir favorisierten Platz im Herzen des Stadtteils als Baufeld für religiöse Zwecke reservieren ließ.

Für diese Vision gibt es kaum Vorbilder und es braucht viele Menschen, eine Vision wie diese zu verwirklichen. Kardinal Schönborn hat von Anbeginn die Idee eines Zentrums mit allen Religionsgemeinschaften mitgetragen.

Ein „Campus der Religionen“ ist ein Bauprojekt, aber jedes Bauprojekt braucht auch einen Inhalt, eine Vision, eine religiöse Dimension und so bin ich unserem Bischofsvikar der Erzdiözese Wien, Dariusz Schutzki zu Dank verpflichtet, dass er zu den ersten Begeisterten zählte und die Vertreter der Religionsgemeinschaften einlädt, diese Idee mit Inhalten zu füllen und gemeinsam zu konkretisieren.

Juden, Buddhisten, Moslems, Orthodoxe Christen, evangelische Christen und Katholiken sitzen nun regelmäßig seit fast zwei Jahren zusammen, um das Konzept des gemeinsamen „Campus der Religionen“ für die Menschen in der Seestadt Aspern zu verwirklichen.

Einerseits muss der gemeinsame Wille der Religionsgemeinschaften geformt und entwickelt werden, anderseits muss das Projekt auch in die Planungsüberlegungen der Stadt Wien einfließen.

Wir danken Bürgermeister Dr. Michael Häupl und Vizebürgermeister Stadtrat Dr. Michael Ludwig für ihren Weitblick, mit dem sie die Bedeutung des Konzepts in städtebaulicher und demographischer Hinsicht erkannten und dieses mit Wohlwollen und Tatkraft unterstützen.

Weiters ist für die Konkretisierung und Formung des Baufelds für den Campus der Religionen der Projektleitung Seestadt Aspern – an der Spitze Projektleiterin Magistra Spiess und ihrem Mitarbeiter, Magister Laher – zu danken, die die Besonderheiten und die Einmaligkeit dieses Projekts rasch erkannten und uns Religionsgemeinschaften Raum und Zeit einräumen, das Projekt trotz Termindruck und Terminvorgaben entsprechend zu entwickeln. Für die vielen Hinweise, den Respekt und das entgegengebrachte Vertrauen in zahlreichen Gesprächen möchte ich mich sehr herzlich bedanken.

Ich danke auch den Vertretern des Verfügungsberechtigten des Grundeigentümers, der MA 3420, Hrn. Dr. Schuster mit seinen Mitarbeitern Hofstätter und Galli für ihr Verständnis, Wohlwollen, Entgegenkommen und ihre Unterstützung, dass dieses geistige Zentrum des „Campus der Religionen“ einen Mehrwert für die Bewohner der Seestadt Aspern darstellen wird, der sich nicht allein monetär messen lässt.

Aus den verschiedenen Bereichen – der Erzdiözese Wien, der einzelnen Religionsgemeinschaften, Stadtregierung, Projektleitung, Grundstücksentwickler - haben wir uns zusammengefunden, um diese Vision und dieses Konzept zu verwirklichen.

Wir, alle einzelnen Religionsvertreter, haben einen einmaligen, neuen Entwicklungsprozess vor uns und müssen erfahren, füreinander einzustehen und miteinander Verantwortung zu tragen, damit dieser „Campus der Religionen“ gelingen kann. Wir denken an einzelne Gotteshäuser für jede Religionsgemeinschaft, die um einen gemeinsamen Platz gruppiert werden sollen und in denen nach den eigenen Riten, Traditionen und Intensionen gebetet und gefeiert werden kann.

Die Schwierigkeit an die Planung ist durch die Vielfältigkeit der Anforderungen an die Objekte gestellt, die durch die Gruppierungen eine Einheit bilden sollen, deren Bedeutungen nicht mit der Größe, der Höhe, der Lage am Platz und den Ausstattungen konkurrieren. Auch sollen Raum und Platz für Objekte von weiteren Religionsgemeinschaften verfügbar bleiben. Synagogen, Moscheen, Tempel, Kirchen, Sakralräume haben unterschiedliche Orientierungen, unterschiedliche Vorräume, spezifische Ausstattungen und Anforderungen gemäß ihrer Religionsausübungen. Dies alles zusammenzustellen, erfordert ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen und Verantwortung in der Planung.

In einem angedachten gemeinsamen Veranstaltungszentrum sollen Platz und Raum für Feste der Religionsgemeinschaften sein, zu denen immer alle eingeladen und willkommen sein werden.

Damit das Vertrauen zueinander und der interreligiöse Dialog wachsen können, der neue Weg zu einem „Campus der Religionen“ gemeinsam beschritten werden kann, wird nun als Auftakt das künftige Baufeld gesegnet. Durch sichtbare Zeichen – den Fahnen, aber insbesondere durch gemeinsame, vielfältige Veranstaltungen an diesem Ort soll den Erstbewohnern der Seestadt Aspern signalisiert werden, dass im neu entstehenden Zentrum des Stadtteils, im Herzen der Seestadt ein geistiges Zentrum, eine Oase für die Seele entstehen wird.

Schon jetzt haben alle zusammengeholfen, das Baufeld für diese und nachfolgende Feiern in sehr kurzer Zeit herzurichten. Danken möchte ich in diesem Zusammenhang meinem Mitarbeiter im Bauamt, Ing. Deninger, den Magistratsabteilungen 3420, 37 und 19, dem Projektbüro, dem Fahnenhersteller, der Baufirma, unserem Bischofsvikar Schutzki, allen Religionsgemeinschaften insbesondere der Pfarre Aspern und Pfarrer Stockert und Herrn Vizebürgermeister Ludwig. Allen sei herzlichst gedankt.

Mit der heutigen Segnung des Platzes des künftigen „Campus der Religionen“ durch alle Religionsgemeinschaften beginnt der zukunftsweisende Auftakt zur Realisierung:

„Der Vielfalt der Menschen am Beispiel der Seestadt durch die Vielfalt der Religionen zu dienen und so der Vielfalt Gottes gerecht zu werden.“

Architekt Dipl.-Ing. Harald Gnilsen

Ort

Segnungsfeier in der Seestadt Aspern

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