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Historische Entwicklung des Kreuzwegs

Der Begriff des Kreuzwegs geht zurück auf das Warendorfer Gebetsbuch von 1795, welches das Wesen und die Aufgaben eines Kreuzwegs beschreibt:

"Diese Andacht heißt Kreuzweg, weil sie uns den Weg vorstellet, den der leidende Heiland von dem Gerichtshofe des Pilatus nach der Schädelstätte mit seinem Kreuze gemacht hat. Sie besteht aus vierzehn Stationen oder Stillständen, weil wir auf diesem Leidenswege Jesu an vierzehn Orten mit unseren Gedanken stehenbleiben und das, was allda geschehen ist und uns in einem Bild vorgestellt wird, betrachten."

Als Quellen und Grundlagen gelten im Wesentlichen die Schriften des neuen Testaments:
Mt 26,1-27,66/ Mk 14,1-15,47/ Lk 22,1-23,56/ Joh 18,1-19,42.

Im weiteren sind in Berichten und Pilgerführern die neutestamentlichen und apokryphen Texte schon ab 400 miteinander verbunden worden, womit sie eine Übereinstimmung mit an Ort und Stelle entwickelten Traditionen erzielen wollten und zur Entwicklung des Kreuzweges beigetragen haben.

Die bildliche Darstellung der einzelnen Szenen hat ihre Grundlage in den Kreuzzügen (11. -13. Jh.) und folgen dem Bestreben, die Passionsereignisse Jesu in einem "neuen Jesrusalem" nachzugestalten, um der religiösen Compassio örtliche Anschaulichkeit zu geben.

Das 15. Jh. bringt eine Verdichtung der literarischen und bildlichen Bemühungen. Die stärkste Wirkung für die Weiterentwicklung des Kreuzwegs zu seiner heutigen Form hatten die Palästina-Schreiben des Christian Cruys (genannt Adrichornius). In seinem "Theatrurn terrae sanctae" (1590) beschreibt er die folgenden Stationen:

  1. Die Verurteilung durch Pilatus
  2. Kreuzauflegung
  3. Erster Fall
  4. Begegnung mit der Mutter
  5. Hilfe Simons
  6. Veronika
  7. Zweiter Fall an der Gerichtspforte
  8. Weinende Frauen
  9. Dritter Fall am Fuß des Berges
  10. Entkleidung
  11. Kreuzannagelung
  12. Kreuzaufrichtung

Im Text wird das Leiden der Kreuztragung hervorgehoben. Den vier Zusammenbrüchen (ursprünglich wird die Kreuzauflegung als erster Zusammenbruch gesehen) stehen die vier tröstlichen Momente (Mutter, Simon, Veronika und die weinenden Frauen) gegenüber.

Die beiden Darstellungen nach Christi Tod (Kreuzabnahme und Grablegung) werden erst 1625 durch den spanischen Franziskaner A. Daza angefügt.

Die Denkmäler und Bilderwelten entwickelten sich aus primären Formen, wie den sogenannten Labyrinthe der gotischen Kathedralen (Reims, Chartre), die als Ersatz einer Pilgerfahrt nach Jerusalern angeboten wurden.

Die selben Gedanken stehen hinter dem hl. Circulus der Franziskaner, die ab dem 14. Jh. die beauftragten Hüter der Heiligen Stätten wurden.

In Spanien entstanden Freilicht-Kreuzwege ab 1423 (Cordoba) und in Deutschland wurden ab 1468 „Jerusalemberge“ errichtet (Lübeck). In Italien entwickelten sich gegen Ende des 15. Jh. Kalvarienberge die auch bis zu 43 Stationen haben können (Varallo).

Der Kreuzweg in der heute üblichen Form der 14 Stationen beginnt mit der Verurteilung durch Pilatus und endet mit der Grablegung Christi. (Beim Kreuzweg in der Asperner Pfarrkirche stellt die 1. Station Jesus am Ölberg dar.) Dabei werden wesentliche Ereignisse der Passion (Todesangst, Gefangennahme, Geißelung usw.) nicht berücksichtigt.

Die Auswahl der Bildmotive erfolgt dabei meist unter dem Einfluss der sogenannten Kreuzwegbücher, die ab dem 15. Jh. vor allem von den ausgehend Niederlanden Verbreitung fanden.

Als wesentliche Eigenschöpfungen der Kreuzwegikonografie sind dabei die Begegnungen mit der Mutter, den heiligen Frauen und mitVeronika zu sehen. Ebenso die Szenen der Entkleidung, der Kreuzannagelung und der Kreuzestod.

Den letzten Anstoß zur Ausgestaltung des Kreuzwegs in der heutigen Form gab Italien durch Leonhard von Porto Maurizio (1676-1751).

Die erste große Blütezeit der Kreuzwege fällt in die Mitte des 18. Jh., während die Aufklärung anschließend die Andacht und das Bild mit dem Hinweis auf unbiblische Erweiterungen ablehnt.

Eine zweite Welle der Kreuzwegverehrung brachte die Romantik um die Mitte des 19. Jh. Unter anderen schuf Josef Ritter von Führich mit seinem Kreuzweg für die Nepomukkirche in Wien, Leopoldstadt, einen Prototypen, der durch Stiche in aller Welt verbreitet wurde und noch lange vielfach kopiert wurde.

Eine weitere Fülle von Kreuzwegen wurde in den Notzeiten nach dem 1. und 2. Weltkrieg geschaffen.
Im 19. und Anfang 20. Jh. herrscht das ein- bis zweifigürliche Bild vor. Ab der Mitte des 20. Jh. kommt es meist zu einer zeichenhaften Bildsprache bis hin zur reinen Abstraktion.


Quelle: Hrgb. Engelbert Kirschbaum SJ, Lexikon der Christlichen Ikonographie (in 8 Banden), Rom/Freiburg/Basel/Wien 1968 (1994).