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Psalm 18

Donnerstag, 1. Jänner 2015

Mit meinem Gott überspringe ich Mauern

Schon sehr lange beschäftigt mich in meinem Leben Psalm 18 und dabei ganz besonders der zweite Teil von Vers 30.

Da ich 21 Jahre in der DDR aufgewachsen bin, habe ich ganz einfach erlebt, wie bedrückend und lebensvernichtend eine einzige Mauer sein kann – in diesem Fall die in Berlin und damit natürlich alle Grenzanlagen dieses Unrechtsstaates.

Wer einmal in seinem Leben damals vor der „östlichen“ Seite der Berliner Mauer gestanden hat, kann vielleicht die Hoffnungslosigkeit und Gedankenwelt eines Jugendlichen dieser Zeit nachvollziehen: Egal was ich getan hätte, die „Mauer“ bleibt bestehen, sie engt mein Leben ein und bedroht mich. Wenn ich ihr zu nahe komme, werde ich getötet – entweder von einer seelenlosen Maschine oder von einem Menschen. Außerdem musste ich natürlich damit rechnen, dass mein Leben überwacht, kontrolliert und von eifrigen Zuträgern niedergeschrieben wird. Keine Aussicht auf Besserung der Lebenssituation, auf ein lebenswertes Leben, keine Zukunft!

In mir bohrte die Frage: „Wie kann Gott zulassen, dass ich als Christ so leiden muss? Gibt es diesen Gott vielleicht gar nicht? Ich weiß nicht, wie oft ich zu meinem Gott geschrien habe, wie oft ich ihn angeklagt habe? Und dann steht da in der Bibel dieses Wort: „Mit meinem Gott überspringe ich Mauern.” Wie kann das gehen, ohne dabei sein Leben zu verlieren?

Die Menschen des Alten Testamentes müssen also ähnliche Erfahrungen der Hoffnungslosigkeiten in ihrem Leben gemacht haben. Ich muss nicht in der DDR oder zur Zeit des Alten Testamentes gelebt haben, um solche ausweglosen Lebenssituationen zu kennen. Was kann ich also tun, um vernichtende Strukturen und ausweglos erscheinende Situationen zu überwinden?

Damals wie heute gilt für mich als Christ: Ich kann mir in meiner Not nicht selber helfen. Wenn ich einsehen kann, dass meine Kraft und Fähigkeit nicht ausreicht, um Probleme, Leid und Not zu überwinden …

Wenn ich ganz offen zu mir und zu meinem Gott im persönlichen Gebet sprechen kann, dann finde ich auch Gleichgesinnte, denn ich weiß ja: Gott lässt mich nie allein! Gott führt Menschen zusammen, die einander bestärken können. So kann auch die Menschwerdung Gottes immer wieder neu geschehen. Ich bin mir ganz sicher, dass Gott jeden einzelnen Menschen führt, sogar durch Zeiten, in denen mein Leben eingeengt und bedroht wird. Wer in der Geschichte verwurzelt ist, kann in der Gegenwart leben und hoffnungsvoll in die Zukunft gehen, denn es gibt einen Gott, der uns nicht allein lässt und uns Menschen braucht, um Mensch zu werden – nicht nur in Berlin, Leipzig oder Rostock, sondern auch in Wien und anderswo.

Thomas Wisotzki
Kaplan


Serie: Mein Lieblingspsalm

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