Lilianna Jablonski

Mittwoch, 1. Juni 2005

Aus dem Pfarrgemeinderat

Vertreterin im Pfarrgemeinderat für die Polnische Gemeinde

Liebe Pfarrmitglieder, es freut mich, dass ich mich mit diesen Zeilen an viele AspernerInnen wenden kann. Ich bin in Polen geboren und lebe seit 24 Jahren mit meiner Familie in Wien.

Ähnlich wie meine Vorgänger (die in dieser Serie geschrieben haben) möchte auch ich Euch meine Beobachtungen und Reflexionen über das Leben eines jeden von uns mitteilen. Jeder Mensch sollte sich seiner Zugehörigkeit zu einer Gruppe bewusst sein. Das Menschsein bedeutet eine große Auszeichnung: Denken, Entscheiden, Leben - und gleichzeitig sich an die Gemeinschaft anpassen und darauf reagieren, was um uns herum geschieht. Das Bewusstsein, dass jemand, vielleicht jemand ganz fremder, unsere Hilfe braucht, sollte uns ständig begleiten. Das Motto „Helfen“ begleitet meine Familie, solange ich mich erinnern kann. Es geht dabei um einen unermesslichen Wert.

Die Vorfahren meines Vaters waren für ihre Großzügigkeit, ihr Wohlwollen und ihre Fürsorge bekannt. Meine Familie hat diese Tradition beibehalten und nie die armen und kinderreichen Familien vergessen, gleichwohl in einer viel bescheideneren Dimension (infolge anderer Zeiten und einer anderen geopolitischen Lage).

Meine eigene Familie reagiert auf menschliche Probleme und Schwierigkeiten des Alltags sehr empfindlich. Überall dort, wo es notwendig ist, sind wir bereit zu helfen, im Sinne des Lebensmottos meines Mannes: „Rechne nie damit, dass es dir entlohnt wird, dass es anerkannt wird, leiste Hilfe, mit ein wenig Herz ...“

Egoismus und Hochmut sind sehr unangenehme Eigenschaften, die es in der Hektik des Alltags manchmal gibt. Ich glaube, dass bald die Stunde der Besinnung und der Vernunft kommen und der falsche Stolz wie ein böser Traum verschwinden wird. Die Menschen werden zu einander freundlicher, wohlwollender und öffnen ihre Herzen auch ohne Grund. Das wäre mein innigster Wunsch.

Wenn ich noch einen persönlichen Wunsch für die Pfarre äußern darf: dass mehr Leute für andere arbeiten würden, was ja letztlich doch der ganzen Gemeinschaft dient. Und noch etwas sehr, sehr Wichtiges: Fürchten wir uns nicht vor Kritik, sie ist erwünscht und direkt notwendig, aber nur eine gesunde Kritik. Denn eine grundlose Kritik kann verletzen. Bevor du kritisierst, überlege dir gut, ob du es besser gemacht hättest...

Zum Schluss möchte ich mich bei all jenen bedanken, die in unserer Pfarre ganz anonym mitwirken - nur dem Ruf des Herzens und der Notwendigkeit folgend. Ich danke auch allen aktiven und ehemaligen Mitgliedern des Pfarrrgemeinderats für ihre Ausdauer und ihre Opferbereitschaft.

Ich danke Euch, dass iIhr da seid, dass es mir möglich ist, mit Euch zusammenzuarbeiten und gemeinsam zu Gunsten unserer Pfarre zu wirken und uns über ihren Aufschwung zu freuen.


Aus dem Pfarrgemeinderat

Samstag, 1. Jänner 2005 bis Sonntag, 26. Mai 2024

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