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Apostelgeschichte 2010 - Teil 8

Montag, 1. Oktober 2007

Apostelgeschichte 2010

Das erfolgreiche Auftreten des Diakon Stephanus - „... voll Gnade und Kraft, tat Wunder und große Zeichen unter dem Volk“ (Apg 6,8) - ereifert und erregt die Feinde der urchristlichen Gemeinde in Jerusalem. Deshalb ergreift man den Diakon und schleppt ihn – wie einst Jesus – vor den Hohen Rat. In einer langen Rede verteidigt Stephanus sein Tun. Er zitiert in diesem 7. Kapitel der Apostelgeschichte das Alte Testament und kommt auf jene bekannte Geschichte zu sprechen: wie das so mit Moses war und seinem Mord an dem Ägypter, der Unrecht getan hatte.

Apg 7,26-29

Am folgenden Tag kam er (Moses) dazu, wie sie sich stritten; er versuchte, sie auszusöhnen und Frieden zu stiften, und sagte: Männer, ihr seid doch Brüder. Warum tut ihr einander Unrecht? Der Mann aber, der seinem Nächsten Unrecht getan hatte, stieß ihn weg und sagte: Wer hat dich zum Anführer und Schiedsrichter über uns bestellt? Willst du mich etwa umbringen, wie du gestern den Ägypter umgebracht hast? Daraufhin floh Mose und hielt sich als Fremder in Midian auf …

Das Davonlaufen vor der eigenen Verantwortung, vor dem, was wir einmal versprochen haben, kennen wir. Auch Moses war nicht davor gefeit. Vielleicht durfte er deshalb das Gelobte Land nicht betreten?

Apg 7,54-60;8,1a

Als sie das hörten, waren sie aufs Äußerste über ihn empört und knirschten mit den Zähnen. Er aber, erfüllt vom Heiligen Geist, blickte zum Himmel empor, sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen und rief: Ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen.

Da erhoben sie ein lautes Geschrei, hielten sich die Ohren zu, stürmten gemeinsam auf ihn los, trieben ihn zur Stadt hinaus und steinigten ihn. Die Zeugen legten ihre Kleider zu Füßen eines jungen Mannes nieder, der Saulus hieß. So steinigten sie Stephanus; er aber betete und rief: Herr Jesus, nimm meinen Geist auf! Dann sank er in die Knie und schrie laut: Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an! Nach diesen Worten starb er. Saulus aber war mit dem Mord einverstanden.

Wenn Stephanus in seiner Todesstunde sagt: „Ich sehe den Himmel offen“, dann ist das wie ein Bekenntnis zum Gelobten Land. Moses hat es nie betreten, Stephanus erfährt es im eschatologischen Blick ins Jenseits durch die Gnade Jesu Christi.

Was aber kann uns heute diese Bibelstelle sagen? Es ist recht einfach und doch schwierig zu leben: da wird jemand ermordet wegen seines Glaubens. Natürlich: Caligula und Nero sind längst tot, und die beliebten Spiele in Rom längst Vergangenheit. Sind sie das wirklich? Wie viele Christen werden heutzutage wegen ihres Glaubens verfolgt? Warum wurde ein Erzbischof Romero ermordet? Weil er sich für die Armen eingesetzt hat! Das hat nicht in das Konzept der führenden Schicht gepasst. Wie auch Jesus nicht in die Regie der Hohenpriester gepasst hat. Stephanus ist nicht wie Moses davon gelaufen, er hat uns den offenen Himmel gezeigt. Wir, die wir gottlob weder am Scheiterhaufen verbrannt, noch gesteinigt werden, können nur danach trachten, diesen offenen Himmel, der unsübrigens jeden Tag in unseren Mitmenschen begegnen kann, immer mehr anzustreben.

Für uns Christen in Österreich ist es heute zwar nicht lebensgefährlich, sich zum Glauben an den dreifaltigen Gott zu bekennen, aber dennoch nicht einfach. Man wird oft belächelt, wenn man dazu steht, regelmäßig zum Gottesdienst zu gehen, zu beten, die Sakramente zu empfangen. Das Bekenntnis zum Glauben erfordert in der säkularisierten Welt Mut. Stephanus hatte diesen Mut. Diesen Mut wünsche ich uns allen, in der Familie, am Arbeitsplatz und in der Gesellschaft!

Gerhard Schmiedpeter
Leiter des Fachausschusses für Liturgie
im Pfarrgemeinderat, seit vielen Jahren
Organist und Chorleiter in Aspern


Apostelgeschichte 2010 - Teil 1

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