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Apostelgeschichte 2010 - Teil 11

Dienstag, 1. Jänner 2008

Apostelgeschichte 2010

Apg 10,1-5

In Cäsarea lebte ein Mann namens Kornelius, Hauptmann in der sogenannten Italischen Kohorte; er lebte mit seinem ganzen Haus fromm und gottesfürchtig, gab dem Volk reichlich Almosen und betete beständig zu Gott. Er sah um die neunte Tagesstunde in einer Vision deutlich, wie ein Engel Gottes bei ihm eintrat und zu ihm sagte: Kornelius! Kornelius blickte ihn an und fragte erschrocken: Was ist, Herr? Er sagte zu ihm: Deine Gebete und Almosen sind zu Gott gelangt, und er hat sich an sie erinnert. Schick jetzt einige Männer nach Joppe, und lass einen gewissen Simon herbeiholen, der den Beinamen Petrus hat.

Mit dem Hauptmann Kornelius und Simon Petrus begegnen wir in diesem Kapitel zwei Personen, die unter normalen Umständen nie aufeinander getroffen wären.

Der eine, Kornelius, zwar fromm und gottesfürchtig, aber eben kein Jude, ein Heide, unrein, ein Fremder, einer, zu dem man als Jude eigentlich keinen Kontakt aufnimmt. Und dann Simon Petrus. Fischer, Jünger Jesu, für Jesus gleich mit dem Schwert zur Stelle, Wortführer der jungen jüdisch-christlichen Gemeinde in Jerusalem.

Die beiden hätten einander vermutlich nie getroffen, wenn sie nicht diese Visionen gehabt hätten, von denen hier berichtet wird.

Zum Thema Visionen habe ich mich schon mit vielen Leuten unterhalten. Und wenn man diese Bibelstelle liest, bleibt man wohl beim Begriff der Vision hängen, denn ganz selbstverständlich und klar ist es nicht, dass man Visionen hat, dass einem der Geist Gottes einen Weg weist. Aber es muss ja auch nicht so eindeutig sein wie hier. Es kann vielleicht auch nur ein ganz feiner Gedanke sein, der uns in einer Situation kommt und uns nicht mehr loslässt, bis wir ihn als das identifizieren, was er eventuell sein kann: eine Anregung, ein Hinweis.

Sowohl für Kornelius wie für Simon Petrus keine einfache Sache. Aber offenbar für beide ein intensives Erlebnis.

Ein Engel des Herrn, also der Herr selbst, ist es, der dieses Treffen anbahnt. Er fordert Kornelius dazu auf, Simon Petrus in sein Haus einzuladen und sich anzuhören, was dieser zu sagen hat. Ohne zu zögern kommt Kornelius dieser Aufforderung nach und schickt seine Sklaven nach Joppe, um Simon Petrus zu holen. Keine Minute kommen ihm Zweifel.

Simon Petrus sieht zur gleichen Zeit während eines Gebetes eine Schale mit Speisen, die bei den Juden als unheilig und unrein gelten, auf sich zukommen. Er ist zuerst schockiert und weigert sich, davon zu essen. Da erklärt ihm die Stimme: „Was Gott für rein erklärt, nenne du nicht unrein.“ So wird er auf sein Treffen mit Kornelius vorbereitet und erfährt, dass Gott nichts von der Unterscheidung rein und unrein, heilig und unheilig, also Juden und Heiden hält. War er bislang davon überzeugt, dass die Heilsbotschaft nur für Juden gilt, sah er nun keinen Grund, den von Kornelius gesandten Männern nicht in dessen Haus zu folgen.

Bald darauf sitzt Simon Petrus mit Kornelius, dessen Verwandten und nächsten Freunden in dem Haus zusammen, das er bis vor kurzem gar nicht betreten hätte und wird gebeten, ihnen alles zu erzählen, was ihm von Gott aufgetragen worden ist. Und er beginnt zu reden, fasst in wenigen Worten den Kern des christlichen Glaubens zusammen und berichtet von Jesu Leben, Kreuzigung und Auferstehung ...

Und als dann der Heilige Geist auf alle herabkommt - auf alle - auch auf die Heiden! - ist klar: Entscheidend ist nicht die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Volk, hier die Juden, sondern der Glaube an Jesus Christus.

So werden vielleicht einmal, dieser Bibelstelle folgend, die Trennwände zwischen den christlichen Kirchen fallen, weil keiner, der an Jesus Christus glaubt, anderen, die dies ebenso tun, die Gemeinschaft verweigern kann, ja, vielleicht werden einmal alle Trennwände fallen.

Petrus erkennt, dass alle Menschen jeglicher Rasse, Kultur oder Volkes, die Gott fürchten und das Richtige tun, die Taufe erfahren dürfen und ordnet an, dass Kornelius, seine Verwandten und seine Freunde im Namen Jesu Christi getauft werden sollen.

Wenn man bedenkt, wann Petrus diese Erkenntnis hatte, könnte man sich fragen, was bis heute, rund 2000 Jahre später, geschehen ist. Die Trennwände sind nicht gefallen, haben sie wenigstens Risse bekommen?

Josef Stribrny
pfarrlicher Mitarbeiter, Bibelrunde


Apostelgeschichte 2010 - Teil 1

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