Apostelgeschichte 2010 - Teil 28

Donnerstag, 1. Oktober 2009

Apostelgeschichte 2010

Das Ende ist der Neuanfang (Apg 28,11-31)

Die letzten Verse der Apstelgeschichte berichten von den letzten Stationen, die Paulus als Gefangener auf seiner Reise nach Rom erlebt. Der Schiffbruch vor Malta zwingt die Schiffsbesatzung zum Überwintern auf der kleinen Mittelmeerinsel. Nun erreichen sie mit günstigem Wind Italien. Gemeindemitglieder – hier „Brüder“ genannt – empfangen den Apostel. Dann geht es auf dem Landweg in die große Hauptstadt Rom.

Auch andere Brüder reisen Paulus entgegen und begleiten ihn auf den letzten Kilometern in die große Hauptstadt. Dieses Zeichen der menschlichen Zuneigung „baut“ Paulus innerlich auf. Er wird die kommenden Wochen und Monate unter Hausarrest verbringen müssen. Bewacht durch einen Soldaten kann er von dieser Wohnung aus als Prediger und Verkünder des Evangeliums wirken.

Apg 28,17-20

Drei Tage später rief er die führenden Männer der Juden zusammen. Als sie versammelt waren, sagte er zu ihnen: Brüder, obwohl ich mich nicht gegen das Volk oder die Sitten der Väter vergangen habe, bin ich von Jerusalem aus als Gefangener den Römern ausgeliefert worden. Diese haben mich verhört und wollten mich freilassen, da nichts gegen mich vorlag, worauf der Tod steht. Weil aber die Juden Einspruch erhoben, war ich gezwungen, Berufung beim Kaiser einzulegen, jedoch nicht, um mein Volk anzuklagen. Aus diesem Grund habe ich darum gebeten, euch sehen und sprechen zu dürfen. Denn um der Hoffnung Israels willen trage ich diese Fesseln.

Paulus ist in seiner Bewegungsfreiheit sehr eingeschränkt. Das muss für den so rastlosen und emsigen Apostel eine furchtbare Belastung gewesen sein. Er kann jedoch mit Juden in Kontakt treten und seine Position als Jesus-Anhänger verteidigen.

Unermüdlich versucht er deshalb die Anführer der jüdischen Gemeinde von seinem Glauben zu überzeugen. Dass er diesen aufgrund der Bücher des Mose und der Propheten gefunden habe: Jesus Christus ist die Erfüllung der Verheißungen des Alten Testaments. Der Erfolg seiner Predigt und seiner Überzeugungsversuche ist geteilt: teils Zustimmung, teils große Ablehnung. Das hat Paulus immer sehr geschmerzt. Dass seine Botschaft gerade bei den jüdischen Glaubensbrüdern auf taube, ungläubige Ohren gestoßen ist, während die HörerInnen aus dem Heidentum mit großer Anteilnahme und innerer Bereitschaft das „Heil von Gott“ aufgenommen haben.

Dann folgen in der Apostelgeschichte noch zwei Verse:

Apg 28,30-31

Er blieb zwei volle Jahre in seiner Mietwohnung und empfing alle, die zu ihm kamen. Er verkündete das Reich Gottes und trug ungehindert und mit allem Freimut die Lehre über Jesus Christus, den Herrn, vor.

Der Text bricht unvermutet ab. Ein merkwürdiger Schluss der Apostelgeschichte, denn wir erfahren nichts mehr über das Schicksal des Paulus. Wir wissen nicht, wie es dann zur Verurteilung und zur Hinrichtung durch das Schwert kam. „Die Lehre über Jesus Christus, dem Herrn“ sind die letzten Worte dieser Schrift. Ein Ende und ein Abschluss, die nochmals das bekräftigen und bestätigen, worauf es im Christentum eigentlich ankommt: es geht allein um den Herrn Jesus Christus, um die innere Beziehung und den Glauben an ihn.

Der letzte Vers der Apostelgeschichte will nicht der Schlusspunkt sein, mit dem alles zu Ende ist, sondern Neuanfang und Start.

Das habe ich auch heuer im Sommer als Jakobspilger beim Erreichen des Zieles, der großen Kathedrale in Santiago de Compostela entdeckt. Über einem der gotischen Portale findet sich das Christusmonogramm und die Inschrift mit dem Alpha und Omega, Α und ω, dem ersten und letzten Buchstaben des griechischen Alphabets: ein Hinweis auf Christus, der Anfang und Ende und Herr über alle Zeiten ist. Aber die Inschrift über dem Portal ist umgedr eht : Zuerst das ω und dann das Α. In einer Deutung dieser „verkehrten“ Inschrift habe ich gelesen: Du bist als Wallfahrer zwar am Ende und am Ziel deiner Pilgerschaft angelangt. Aber du bist gleichzeitig an einem Neuanfang. Wenn du in deinen Alltag zurückkehrst, bist du an einem neuen Beginn. So ist es auch mit dem Ende Apostelgeschichte. Sie ist Neuanfang für die Kirche, die Pfarrgemeinde heute. Wir dürfen die Apostelgeschichte mit unserem Leben weiterschreiben. Im Sinn unseres Erzbischofs Christoph Schönborn. „Apostelgeschichte 2010“ – wir bezeugen unseren Glauben an Jesus Christus in der Welt von heute.

Pfarrer Georg Stockert


Apostelgeschichte 2010 - Teil 1

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