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Apostelgeschichte 2010 - Teil 25

Freitag, 1. Mai 2009

Apostelgeschichte 2010

Gerne greife ich hin und wieder zu einer englischen Bibelübersetzung. Dort heißt die Apostelgeschichte kurz Acts, ein „Arbeitstitel“, der Fragen aufwirft: Wer ist aktiv? Wer handelt? Wer setzt Taten? Zuerst war es Jesus selbst, das Alpha der Apostelgeschichte. Dann löste der Heilige Geist so etwas wie eine Initialzündung bei den Aposteln aus, aktivierte sie, worauf sie dann ihrerseits in alle Welt ausschwärmten, um den Menschen die Frohe Botschaft zu verkünden. Heute aber sind wir an der Reihe „Aktionen“ als Christinnen und Christen zu setzen.

Die Handlung des 24. Kapitels ist schnell erzählt. Das jüdische Establishment bringt in Cäsarea seine Klagen gegen Paulus vor. Man spart nicht mit schmeichelnden Worten für den römischen Statthalter, der – wie antike Historiker berichten – besonders grausam war, und man hat auch gleich einen Staranwalt mitgebracht. Paulus verteidigt sich im Bewusstsein der Unschuld und ist auf Verständigung mit den jüdischen Anklägern bedacht. Der Apostel fasst zusammen: Der Stein des Anstoßes sei die Auferstehung der Toten. Der Fall wird vertagt, der genannte Statthalter nach zwei Jahren abgelöst und Paulus – weiterhin im Gefängnis – dem Nachfolger überlassen.

Genau dieser erste Statthalter, Felix, hat mich sofort interessiert. Da ist einmal sein Name, das lateinische Wort für glücklich. Ist er tatsächlich glücklich? Macht er andere glücklich? Die Karriere des Mannes ist auf jeden Fall bemerkenswert. Er war ein ehemaliger Sklave, der als Gipfel seines Aufstiegs mit dem Amt des Prokurators von Judäa betraut wurde. Seine Ehefrau war Jüdin und stammte aus vornehmem Haus. Felix war beim Volk allerdings verhasst, erwies er sich doch als unberechenbar und brutal.

Apg 24,22-26

Felix, der den (neuen) Weg genau kannte, vertagte den Fall mit den Worten: sobald der Oberst Lysias herabkommt, werde ich eure Sache entscheiden. Den Hauptmann wies er an, Paulus weiter in Gewahrsam zu halten, jedoch in leichter Haft, und niemand von den Seinen daran zu hindern, für ihn zu sorgen. Einige Tage darauf erschien Felix mit seiner Gemahlin Drusilla, einer Jüdin, ließ Paulus rufen und hörte an, was er ihm über den Glauben an Christus Jesus berichtete. Als aber die Rede auf Gerechtigkeit, Enthaltsamkeit und das bevorstehende Gericht kam, erschrak Felix und unterbrach ihn: Für jetzt kannst du gehen; wenn ich Zeit finde, werde ich dich wieder rufen. Dabei hoffte er, von Paulus Geld zu erhalten. Deshalb ließ er ihn auch häufig kommen und unterhielt sich mit ihm.

Ja, Felix hat Glück! Er weiß von dem neuen Glauben, er sitzt dem Apostel Paulus gegenüber, er hört aus berufenem Mund, was Gott auch ihm zu sagen hat. Aber dann beschließt er: Was Gott von mir will, kommt mir unbequem vor. In meinem Leben stimmt manches nicht, ändern möchte ich es trotzdem nicht. Der Richter will keine Belehrung, der Mächtige kann keinen Verlust ertragen, der Ungerechte möchte nicht mit Gerechtigkeit belästigt werden. Was seine Gier verlangt, ist Lösegeld. Für Erpressungsversuche nimmt sich Felix Zeit.

Die Auswüchse der Gewaltausübung der Mächtigen, die schier grenzenlose Gier der Reichen erleben wir heute wieder mit schwerwiegenden Folgen für Millionen selbst in den reifen Demokratien. Kor- ruption blüht rund um den Erdball. Wie aber schätzen wir uns selbst ein? Fehlt nicht jedem einzelnen von uns oft der Mut und die Zeit den (neuen) Weg konsequent zu gehen? Plagt uns nicht auch die Angst, in der Nachfolge Christi Privilegien aufgeben zu müssen, ehrgeizige Ziele nicht verwirklichen zu können, durch Verzicht hohe Verluste zu erleiden?

Paulus lehrt uns in diesem Kapitel mehr durch Standhaftigkeit und Taten als durch Worte. Er verbringt zwei Jahre unbeirrt in Gefangenschaft. Diese lange Zeitspanne, in der Apostelgeschichte in einem Vers wiedergegeben, muss für Paulus eine Qual gewesen sein. Statt der Fortsetzung seiner Missionsreisen stehen Konfrontationen mit Felix und dessen verantwortungsloser Haltung zum Amt auf seinem Programm. Er braucht Geduld in einem hohen Ausmaß, wie sie letztlich nur auf tiefem Vertrauen auf Gott beruhen kann. Aktuell sollten vielleicht auch Reformen, die die katholische Kirche selbst betreffen und die mit Drängen gefordert werden, in diesem Geist diskutiert und erwartet werden.

Ein Evangelist schreibt bildhaft: An ihren Früchten also werdet ihr sie erkennen (Mt 7, 20). Verschiedene Talente ergeben eine bunte Vielfalt an Werken. Große Freude bringen Aktionen in der Gemeinschaft, Beten, Feiern, Hilfe für Mitmenschen. Notwendig sind jedoch auch manchmal – wie die Apostelgeschichte bezeugt – Akte des Glaubens, die mit Schmerz und Gefahr verbunden sind. Nicht Theorie darf das Zentrale sein! Gottes Angebot anzunehmen und tatkräftig Christin oder Christ zu sein, das ist Auftrag für jede(n) von uns, unsere gesamte Pfarrgemeinde, das ganze Volk Gottes.

Mag. Brigitta Mychalewicz
AHS-Lehrerin


Apostelgeschichte 2010 - Teil 1

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