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Apostelgeschichte 2010 - Teil 16

Sonntag, 1. Juni 2008

Apostelgeschichte 2010

Es ist ein klassisches Beispiel für Gruppendynamik: „Der Neue“. Der/die Neue sitzt so, dass man ihn/sie gut sehen kann; er ist noch ein bisschen anders angezogen. Blicke aus allen Richtungen.

Ja, heißt es nach einer Weile, er ist höflich, nett und er will wirklich mit uns in der Gruppe mitarbeiten.

Aber, flüstern andere, er befolgt unsere Regeln nicht. Er kommt von ganz woanders her! Aber, wieder die ersten, er kann doch trotzdem mitmachen, oder?

Damals stand die junge christliche Gemeinde vor derselben Frage. „Die Gruppe“, das waren die Apostel und Jünger, die in den Synagogen von Jesus erfahren hatten und ihr Leben ihm, dem Messias, geweiht hatten. „Die Neuen“, das waren die Nichtjuden, die Heiden, die ebenfalls von Jesus gehört hatten und ihm nachfolgen wollten – ohne allerdings vorher zum Judentum überzutreten und sich beschneiden zu lassen.

Und auch hier gab es die „einen“, die sie willkommen hießen, und die „anderen“, die sie ausschließen wollten.

Apg 15,7-11

Als ein heftiger Streit ent - stand, erhob sich Petrus und sagte zu ihnen: Brüder, wie ihr wisst, hat Gott schon längst hier bei euch die Entscheidung getroffen, dass die Heiden durch meinen Mund das Wort des Evangeliums hören und zum Glauben gelangen sollen. Und Gott, der die Herzen kennt, bestätigte dies, indem er ihnen ebenso wie uns den Heiligen Geist gab. Er machte keinerlei Unterschied zwischen uns und ihnen; denn er hat ihre Herzen durch den Glauben gereinigt. Warum stellt ihr also jetzt Gott auf die Probe und legt den Jüngern ein Joch auf den Nacken, das weder unsere Väter noch wir tragen konnten? Wir glauben im Gegenteil, durch die Gnade Jesu, des Herrn, gerettet zu werden, auf die gleiche Weise wie jene.

Eine von vielen solcher Gruppen heutzutage ist die Kirche. Die ursprüngliche Gemeinde ist längst in unzählige christliche Kirchen und Konfessionen zersplittert, die alle ihre eigenen Gesetze haben. Auch in der römisch-katholischen Kirche gibt es zahlreiche Vorschriften, die schwer zu erklären sind, antiquiert wirken und/oder nicht von allen Mitgliedern unterstützt werden.

Sogar innerkirchlich gibt es Diskussionen darüber, welche dieser Regeln tatsächlich notwendig oder noch zeitgemäß sind; die vielen verschiedenen Standpunkte tragen dazu bei, die Gemeindemitglieder zu verwirren. Nicht ganz umsonst wird der Kirche oft nachgesagt, ihren Mitgliedern übermäßig viele (auch unnötige) Regeln aufzuerlegen und ihnen damit das Leben schwer zu machen. Und das Leben würde wohl wirklich um einiges schwerer werden, würde man sich punktgenau an jede einzelne kirchliche Vorschrift halten.

Doch auch heute noch sollten wir uns vor Augen halten, was damals die Apostel erkannten: dass es nicht um die Befolgung jeder einzelnen Vorschrift geht, sondern um den gemeinsamen Glauben an Gott und das Vertrauen in Jesus Christus. Gott geht es nicht so sehr darum, ob wir mit dem Papst in allen Details übereinstimmen oder ob wir jede Woche zur Beichte gehen. Gott ist es viel wichtiger, dass wir an ihn glauben und unser Bestes tun, so zu leben, wie wir glauben, dass es ihm gefällt.

Deshalb endet die heftige Auseinadersetzung beim Apostelkonzil mit einem Kompromiss zwischen der jüdischen Urgemeinde und den Neuen, die aus dem Heidentum kommen:

Apg 15,28-29

… der Heilige Geist und wir haben beschlossen, euch keine weitere Last aufzuerlegen als diese notwendigen Dinge: Götzenopferfleisch, Blut, Ersticktes und Unzucht zu meiden. Wenn ihr euch davor hütet, handelt ihr richtig. Lebt wohl!

Beide Gruppen sollen einander achten und aufeinander Rücksicht nehmen. Ein guter Rat für die Kirche und jede Gemeinschaft.

Anna Nessmann
Anna ist Gymnasiastin,
musiziert gelegentlich in St. Katharina
und wurde Ende Mai in der Pfarre gefirmt.

PS: Kürzlich habe ich herausgefunden, was „Ersticktes“ bedeutet: „Fleisch von Tieren, deren Blut nicht vollständig ausgeflossen ist“. Trotzdem bin ich mir sicher, dass ein Steak hin und wieder keine Sünde ist …


Apostelgeschichte 2010 - Teil 1

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