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Apostelgeschichte 2010 - Teil 26

Montag, 1. Juni 2009

Apostelgeschichte 2010

Apg 25,1-7

Als Festus in der Provinz eingetroffen war, zog er drei Tage später von Cäsarea nach Jerusalem hinauf. Da erstatteten die Hohenpriester und die Vornehmsten der Juden bei ihm Anzeige gegen Paulus. Sie ersuchten ihn, gegen Paulus vorzugehen, und baten ihn um den Gefallen, Paulus nach Jerusalem bringen zu lassen. Sie wollten ihn nämlich unterwegs aus einem Hinterhalt heraus ermorden. Festus jedoch antwortete, Paulus bleibe in Cäsarea in Haft und er selbst wolle in Kürze abreisen. Die unter euch, die dafür zuständig sind, sagte er, können mit hinabkommen, und wenn gegen den Mann etwas vorliegt, sollen sie gegen ihn Anklage erheben. Er hielt sich nicht länger als acht oder zehn Tage bei ihnen auf, dann reiste er nach Cäsarea hinab. Am folgenden Tag setzte er sich auf den Richterstuhl und ließ Paulus vorführen. Als dieser erschien, umringten ihn die Juden, die von Jerusalem herabgekommen waren, und brachten viele schwere Beschuldigungen vor, konnten sie aber nicht beweisen.

Wie eine heiße Kartoffel wird der ungelöste Fall des gefangenen Paulus vom scheidenden Statthalter Felix an Festus, seinen Nachfolger übergeben. Was Felix nicht zu entscheiden wagte soll der neue Statthalter nun in die Hand nehmen.

Wir kennen das ja auch: unangenehme Dinge werden gerne auf die lange Bank geschoben, selber will man sich mit so einem heiklen Fall nicht die Finger verbrennen. Ein anderer soll da entscheiden, was man selber nicht anzupacken wagte. Doch Festus ist entschlossen, den Fall Paulus beschleunigt zu erledigen. Er scheint ein pflichtbewusster, nüchterner, schlicht denkender Beamter gewesen zu sein. Gleich nach Amtsantritt sprechen die Gegner des Paulus bei ihm vor und drängen zu einer Entscheidung. Mit Hilfe des neuen Gouverneurs wollen sie den ungeliebten Paulus ein für alle Mal aus der Welt zu schaffen.

Eine Flut von Anklagen bringen sie gegen Paulus vor, doch nichts Neues. All diese alten Vorwürfe sind nichts anderes als der Vorwand für ihren unversöhnlichen Hass gegen den, der einst zu ihnen gehörte. Sie sind bitter enttäuscht, dass der ehemalige Gesinnungsgenosse Paulus seit seinem Erlebnis vor Damaskus die Seiten gewechselt und sich zum unermüdlichen Verkünder des gekreuzigten Jesu von Nazareth gemacht hat.

Aber gegen diese hasserfüllte Leidenschaft kann Paulus mit Argumenten nichts ausrichten. Er kann nur erklären:

Apg 25,8

„Ich habe mich weder gegen das Gesetz der Juden noch gegen den Tempel noch gegen den Kaiser vergangen.“

Und als Festus – parteiergreifend für die Paulusgegner – vorschlägt, den Verhandlungsort nach Jerusalem zu verlegen – eine gute Gelegenheit für einen mörderischen Anschlag gegen Paulus unterwegs – tritt der Gefangene die Flucht nach vorn an: als römischer Bürger legt er Berufung ein und appeliert an das kaiserliche Gericht in Rom.

Paulus ist nicht feig und will sich auch nicht der strafenden Gerechtigkeit entziehen. Aber er fordert nur ein gerechtes Urteil. Schließlich geht es ihm nicht um seine private Angelegenheit, sondern um seine Stellung als Apostel, als Zeuge Christi und als Vertreter der Kirche.

Nun ist sein Weg als Apostel nach Rom entschieden, er wird in die Hauptstadt des damaligen Weltreiches gehen – freilich ganz anders als er im Brief an die Christen in Rom noch geschrieben hatte:

Röm 15, 23f

Jetzt aber habe ich in diesen Gegenden kein neues Arbeitsfeld mehr. Außerdem habe ich mich seit vielen Jahren danach gesehnt, zu euch zu kommen, wenn ich einmal nach Spanien reise; auf dem Weg dorthin hoffe ich euch zu sehen und dann von euch für die Weiterreise ausgerüstet zu werden, nachdem ich mich einige Zeit an euch erfreut habe.

Es ist interessant, wie sich seine Lebenspläne nun unter anderen Vorzeichen erfüllen werden: Rom als Welthauptstadt war das erklärte Ziel für seine Missionstätigkeit. Als Gefangener und Angeklagter wird er dorthin gebracht werden.

Ob ich je so eine Geduld aufbringen könnte? Immer nur zuwarten auf Verhöre und Gerichtstermine. Paulus ist nun schon viele Monate lang der Freiheit beraubt.

Von der Ohnmacht des Kreuzes hatte Paulus in seinem 1. Brief an die Christengemeinde in Korinth geschrieben. Nun erlebt er es am eigenen Leib: den Großen ausgeliefert, wehrlos, zur Untätigkeit verurteilt. Aber er läßt sich nicht kleinkriegen oder mundtot machen. Auch als Gefangener tritt er für den Gekreuzigten und Auferstanden ein. Darin liegt die wahre Größe eines Völkerapostels Paulus.

Heutzutage müssen es viele Christinnen und Christen in vielen Ländern erdulden und erleiden, wenn Bischöfe oder einfache Gläubige – in China oder im Iran, Saudiarabien oder Myanmar – inhaftiert oder unter Hausarrest stehen. Aber so eine Kirche ist echt, bewundernswert und glaubwürdig.

Pfarrer Georg Stockert


Apostelgeschichte 2010 - Teil 1

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